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Wiegesoftware auswählen: Die vollständige Anforderungsliste für Werke und Industrie

18 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung eines Schüttgut-Lkw auf einer Fahrzeugwaage mit Checkliste, Wiegeterminal und einem Monitor, der zwei Silowerke verbindet

Welche Wiegesoftware passt zu Ihrem Werk? Ein Auswahlleitfaden mit Muss-, Soll- und Kann-Kriterien, konkreten Abnahmefragen und einer Bewertungsmethode für Technik, Betrieb und Abrechnung.

Wer Wiegesoftware auswählt, sollte vollständige Geschäftsvorgänge prüfen: vom richtigen Fahrzeug und Auftrag über die Gewichtserfassung bis zum nachvollziehbaren Beleg und zur bestätigten Datenübergabe. Dazu gehören der normale Betrieb, Korrekturen und der Wiederanlauf nach einer Störung.

Eine übersichtliche Bedienmaske ist wichtig. Ob die Lösung zu Ihrem Werk passt, zeigt sich aber oft an einer Ausnahme: Ein Fahrer kommt mit einem anderen Anhänger. Die Zweitwiegung erfolgt an einer anderen Waage. Das ERP nimmt den Lieferschein an, doch die Empfangsbestätigung geht verloren. Für solche Fälle braucht es eindeutige Regeln und überprüfbare Ergebnisse.

Dieser Leitfaden bietet eine Anforderungsliste für Werke und Industrie mit Fahrzeugwaagen. Er umfasst die wesentlichen Bereiche von Messtechnik bis Betriebskosten. Nutzen Sie ihn als Vorlage für Ihr Lastenheft und ergänzen Sie material-, anlagen- und branchenspezifische Anforderungen. Die Kriterien sind Auswahl- und Abnahmeempfehlungen, keine Zusage, dass ein bestimmtes Produkt sie in jeder Konfiguration erfüllt.

1. Den eigenen Wiegeprozess vor der Softwareauswahl beschreiben

Beginnen Sie mit drei bis fünf tatsächlichen Abläufen: etwa Schüttgutabholung, Rohstoffanlieferung, innerbetriebliche Umlagerung und Rücklieferung. Beschreiben Sie jeweils den Weg von der Anmeldung bis zur Abrechnung. Notieren Sie, wo Angaben entstehen, wer sie prüft und welches System sie weiterverwendet.

Für die Bestandsaufnahme brauchen Sie mindestens:

  • Messtechnik: Hersteller, Modell und Schnittstellen der Waagen und Auswertegeräte; vorhandene technische und messtechnische Unterlagen.
  • Materialfluss: Ein- und Ausgänge, Materialien, Ladeplätze, benötigte Mengen- und Bezugseinheiten sowie Sonderfälle.
  • Fahrzeuge: Stamm- und Fremdfahrzeuge, Anhängerwechsel, wechselnde Aufbauten und Identifikationsmittel.
  • Auslastung: Fahrzeuge pro Tag und Spitzenstunde, Zahl gleichzeitig offener Vorgänge, Schichten und besetzte Arbeitsplätze.
  • Systeme: ERP, Auftragsverwaltung, Fakturierung, Archiv, Kundenportal und Anlagensteuerungen samt Verantwortlichen.
  • Betriebsgrenzen: Welche Unterbrechung ist hinnehmbar? Wer entscheidet, ob bei fehlenden Daten weitergearbeitet werden darf?

Erfassen Sie auch den Aufwand zwischen den Wiegungen. Wenn das Waagepersonal vor jedem Abschluss Preise telefonisch klären muss, wird eine schnellere Gewichtserfassung diesen Engpass kaum beseitigen. Die Grundlagen der Verwiegung und die Themenübersicht zu Fahrzeugwaage und Verladung helfen, gemeinsame Begriffe für das Projekt festzulegen.

2. Muss-, Soll- und Kann-Kriterien richtig gewichten

Muss-Kriterien sind Ausschlusskriterien: Ohne nachgewiesene Erfüllung ist der produktive Einsatz für Ihren definierten Prozess nicht freigegeben. Soll-Kriterien verbessern Arbeitsabläufe oder Wirtschaftlichkeit; eine Abweichung kann mit einer bewerteten Ersatzlösung akzeptabel sein. Kann-Kriterien sind Erweiterungen, die zunächst keinen notwendigen Prozess absichern.

Die Einstufung hängt vom Betrieb ab. Mehrsprachige Fahrerführung kann im besetzten Werk ein Soll-Kriterium sein und bei unbeaufsichtigter Abfertigung internationaler Fahrer zum Muss werden. Lokaler Weiterbetrieb ist zwingend, wenn Ihr freigegebenes Betriebskonzept ihn verlangt; ein kontrollierter Stopp kann in einem anderen Werk die vorgesehene Lösung sein.

So dokumentieren Sie eine prüfbare Anforderung
AngabeBeispiel für Ihr Lastenheft
Anforderung und PrioritätMuss: Eine erneut gesendete ERP-Übergabe darf keinen zweiten abrechenbaren Lieferschein anlegen.
Geschäftlicher GrundEine unterbrochene Verbindung darf nicht zur Doppelabrechnung führen.
AbnahmenachweisEmpfangsbestätigung im Test unterbrechen, Übergabe wiederholen und Beleganzahl im ERP prüfen.
Verantwortung und TerminIT und Fakturierung prüfen gemeinsam vor Produktivstart.
LieferumfangStandardfunktion, Konfiguration, Zusatzmodul oder Individualentwicklung einschließlich Kosten und Version festhalten.

Eine Produktdemo, ein geplantes Feature und ein erfolgreicher Test Ihrer Konfiguration sind unterschiedliche Nachweise. Lassen Sie offene Punkte schriftlich benennen. Ein Muss-Kriterium mit ungeklärtem Nachweis bleibt offen, auch wenn die übrige Lösung gut abschneidet.

3. Waagen, Messwerte und Wiegeverfahren prüfen

Die erste technische Frage lautet: Kann die Software mit Ihrer konkreten Waage und ihrem Auswertegerät im vorgesehenen Aufbau arbeiten? Eine Schnittstellenbezeichnung wie Ethernet beschreibt noch kein unterstütztes Datenprotokoll. Lassen Sie auch Firmwarestand, Telegrammformat, Statusmeldungen und erforderliche Zusatzkomponenten klären.

Anforderungen an Waagenanbindung und Gewichtserfassung
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Konkrete Messtechnik anbindenMussGewicht und Gerätestatus mit Ihrer Waage beziehungsweise einem abgestimmten Testaufbau übernehmen.
Messwert eindeutig zuordnenMussWaage, Einheit, Messzeitpunkt und Vorgang bleiben verbunden; alte Werte werden nicht als neue Messung übernommen.
Erstwiegung und Zweitwiegung führenMuss bei DifferenzwiegungOffenen Vorgang wiederfinden und mit unveränderter Fahrzeugkombination abschließen; Verwechslungen abfangen.
Gespeicherte Tara kontrollierenMuss bei TaraspeicherungHerkunft, Alter und Fahrzeugaufbau prüfen; ungültige Tara sperren und neue Wiegung anfordern.
Mehrere Waagen verwendenSoll; Muss bei entsprechendem AblaufErstwiegung an Waage A und Zweitwiegung an Waage B im fachlich freigegebenen Aufbau durchspielen.

Bei einer Abholung erfolgt die Tarawiegung meist vor dem Beladen, bei einer Anlieferung nach dem Entladen. Die Software muss diese Abläufe fachlich richtig unterscheiden. Netto = Brutto − Tara; aus der zeitlichen Reihenfolge allein lässt sich die Bedeutung des Messwerts nicht ableiten.

Testen Sie außerdem instabile Werte, unterbrochene Verbindungen und widersprüchliche Angaben. Ein plausibel aussehender Zahlenwert genügt nicht, wenn er aus einer früheren Messung stammt. Manuelle Ersatzwerte müssen als solche erkennbar sein und dürfen nur im dafür freigegebenen Verfahren verwendet werden.

4. Aufträge, Material und Fahrzeugidentifikation zusammenführen

Der richtige Gewichtswert am falschen Auftrag führt ebenfalls zu einer fehlerhaften Abrechnung. Deshalb müssen Stammdaten, Auftragsauswahl und Fahrzeugzuordnung zusammen geprüft werden. Achten Sie darauf, welche Angaben vorgegeben sind und welche das Waagepersonal oder der Fahrer noch verändern darf.

Anforderungen an Auftrag und Materialbewegung
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Kunde, Material und Zielort verbindenMussAuftrag auswählen und überprüfen, dass unzulässige Kombinationen nicht abgeschlossen werden können.
Sperren und Restmengen beachtenMuss, soweit im Prozess benötigtGesperrten Auftrag sowie Überschreitung einer vereinbarten Menge testen; erlaubte Abweichung begründet freigeben.
Fahrzeug und Anhänger unterscheidenMuss bei GespannenAnhängerwechsel zwischen zwei Besuchen erkennen und eine unpassende gespeicherte Tara zurückweisen.
Wiederkehrende Abläufe vorbereitenSollStammfahrzeug wieder aufrufen, ohne alte Auftragsdaten ungeprüft für die nächste Lieferung zu übernehmen.
Voravisierung und Zeitfenster nutzenKann; Soll bei planbaren SpitzenAnmeldung vor Ankunft übernehmen und Abweichungen bei Fahrzeug oder Auftrag sichtbar behandeln.

Die Identifikation verdient einen eigenen Test. Kennzeichen, RFID, QR-Code oder Kundenkarte können einen Datensatz aufrufen. Die Entscheidung, ob jemand einen Auftrag bedienen darf, benötigt zusätzliche Regeln. Ein erkanntes Kennzeichen ist kein verlässlicher Nachweis für die Identität des Fahrers oder seine Abholberechtigung.

Anforderungen an Fahrerführung und Selbstbedienung
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Erkennung und Berechtigung trennenMuss bei automatischer IdentifikationBekanntes Fahrzeug ohne gültigen Auftrag erkennen, aber keine unzulässige Abholung freigeben.
Fremdfahrzeuge und Lesefehler behandelnMuss bei SelbstbedienungUnbekanntes Kennzeichen, verlorene Karte und nicht lesbaren Code über einen definierten Hilfsweg abwickeln.
Fahrer verständlich führenMuss bei SelbstbedienungAblauf aus Fahrerperspektive testen; erforderliche Sprachen, Lesbarkeit und Bedienhöhe vor Ort prüfen.
Peripherie und Störungen einbeziehenMuss bei AnbindungPapiermangel, fehlende Schrankenrückmeldung und Terminalabbruch mit definiertem Folgezustand testen.
Zusätzliche Identifikationswege anbietenKannAlternative zum primären Verfahren prüfen; Sperren und Berechtigungen müssen dabei weiterhin gelten.

Die Sicherheitsfunktionen einer Schranke oder Verladeanlage gehören in das jeweilige Anlagenkonzept. Eine Freigabe in der Wiegesoftware ersetzt keine geeignete Absicherung der Fahr- und Gefahrenbereiche. Beziehen Sie Anlagenverantwortliche ein, wenn Steuerungssignale oder automatische Fahrfreigaben Teil des Projekts sind.

5. Lieferscheine, Korrekturen und Abrechnung nachvollziehbar halten

Prüfen Sie einen Beleg vom abgeschlossenen Wiegevorgang bis zur Verwendung in der Fakturierung. Welche Angaben braucht der Empfänger? Welche Referenz verbindet Messwert, Lieferschein und Rechnung? Wie wird sichtbar, dass ein Beleg ersetzt oder storniert wurde?

Anforderungen an Belege und Korrekturen
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Beleg und Gewicht verknüpfenMussVom Lieferschein zum zugrunde liegenden Vorgang einschließlich Gewichten, Einheiten und Auftragsbezug navigieren.
Abschluss und Nachdruck unterscheidenMussWiederholtes Klicken oder Drucken erzeugt keinen zweiten Geschäftsvorgang; Nachdruck bleibt zuordenbar.
Korrektur und Storno nachvollziehenMussUrsprungsbeleg, Änderung, Benutzer, Zeitpunkt und Begründung bleiben erkennbar; bereits übertragene Daten werden berücksichtigt.
Druck und digitale Ausgabe abstimmenSoll; Muss nach BelegprozessBenötigte Druckziele, PDF-Ausgabe und Empfängerzuordnung mit einem realistischen Musterbeleg testen.
Archiv und Empfangsbestätigung anbindenKann; Muss bei vereinbartem ProzessDokument wiederfinden und prüfen, welche Bestätigung erfasst wird und wo diese gespeichert bleibt.

Ein häufiger Sonderfall ist die Korrektur nach ERP-Übernahme. Dann reicht es nicht, den lokalen Beleg zu ändern. Beide Systeme müssen erkennen, welcher Stand gilt und ob ein Storno mit Ersatzbeleg oder eine andere abgestimmte Korrektur nötig ist. Lassen Sie genau diesen Ablauf vorführen.

Bei einer Nachverwiegung muss feststehen, wie der zusätzliche Messvorgang zum ursprünglichen Vorgang gehört und welche Menge für die Abrechnung freigegeben wird. Eine Änderungshistorie unterstützt die Nachvollziehbarkeit; sie allein belegt keine umfassende rechtliche Konformität der gesamten Belegverarbeitung.

6. ERP-Schnittstellen bis zum Fehlerfall spezifizieren

Die Aussage, eine ERP-Schnittstelle sei vorhanden, ist zu ungenau. Entscheidend sind Datenumfang, Richtung, führendes System und Verhalten bei einer fehlgeschlagenen Übergabe. Legen Sie für jedes Datenobjekt fest, wo es angelegt und geändert wird.

Ein häufiges Modell ist: Kunden, Lieferanten, Materialien, Aufträge und gegebenenfalls Preise kommen aus dem ERP; Gewichte, Lieferscheine, Bearbeitungsstatus und abrechnungsrelevante Mengen gehen zurück. Fahrzeugdaten können dagegen im ERP, in der Disposition oder lokal geführt werden. Das muss ausdrücklich entschieden werden. Wenn Preise ausschließlich im ERP berechnet werden, braucht die Waage keinen vollständigen Preisimport.

Anforderungen an Datenfluss und ERP-Integration
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Führendes System und IDs festlegenMuss bei IntegrationKunden-, Auftrags- und Material-IDs eindeutig zuordnen; Änderungen und Sperren aus dem führenden System übernehmen.
Einheiten und Pflichtfelder abgleichenMussKilogramm und Tonnen, Dezimalstellen, Pflichtangaben und gegebenenfalls Preisstände anhand konkreter Datensätze prüfen.
Wiederholte Übergaben absichernMussNach verlorener Empfangsbestätigung denselben Vorgang erneut senden; im Zielsystem bleibt genau ein gültiger Vorgang bestehen.
Fehler erkennen und nachbearbeitenMussAbgelehnte Datensätze mit Ursache, Zuständigkeit und Status anzeigen; erfolgreiche Wiederholung nachvollziehen.
Schnittstelle dokumentieren und versionierenSoll; Muss für dauerhaften EigenbetriebDatenbeschreibung, Testzugang, unterstützte Versionen und Vorgehen bei Änderungen erhalten.

Unterscheiden Sie „versendet“, „technisch empfangen“ und „fachlich angenommen“. Ein Transporterfolg sagt noch nicht, dass das ERP den Auftrag oder die Materialnummer akzeptiert hat. Für den Tagesabschluss sollte sich feststellen lassen, welche Vorgänge vollständig verarbeitet sind und welche noch Klärung benötigen.

Prüfen Sie die Schnittstelle auch organisatorisch: Wer analysiert einen Fehler zwischen zwei Anbietern? Wer betreibt die Verbindung? Wer testet nach einem ERP-Update? Diese Zuständigkeiten gehören zum Leistungsumfang.

Die Datenrichtungen, Zuständigkeiten und Rückmeldungen erläutert der Praxisleitfaden Wiegesoftware und ERP verbinden anhand einer Datenmatrix und eines durchgängigen Lieferbeispiels.

7. Rollen, Datensicherheit und Änderungen beherrschen

Eine Rollenverwaltung ist dann hilfreich, wenn sie Ihre Verantwortlichkeiten abbildet. Waagepersonal, Schichtleitung, Fakturierung und Administration brauchen unterschiedliche Rechte. Beschränkungen müssen bei der Verarbeitung von Daten greifen, nicht nur durch ausgeblendete Schaltflächen.

Anforderungen an Berechtigungen und sicheren Betrieb
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Personenbezogene Benutzer und RollenMuss für bediente ArbeitsplätzeMit einem eingeschränkten Konto wiegen, aber gesperrte Preis- oder Stammdatenänderungen nicht ausführen können.
Kritische Änderungen protokollierenMussAlten und neuen Wert, Zeitpunkt, Benutzer und Begründung einer Korrektur nachvollziehen; Protokollzugriff beschränken.
Zugänge und Übertragungen absichernMussIndividuelle Konten, geschützte Verbindungen und widerrufbare technische Zugangsdaten im Betriebskonzept nachweisen.
Support und Updates kontrollierenMussFernzugriffe zeitlich freigeben und nachvollziehen; Updates einschließlich Rückkehr zum vorherigen Stand planen.
SSO und zusätzliche FreigabenSoll; Muss nach IT-VorgabeZentrale Anmeldung, gegebenenfalls Mehrfaktor-Authentisierung und Freigaben für besonders kritische Änderungen prüfen.

Bei Fahrerterminals sind technische Gerätekennung und Zuordnung des jeweiligen Vorgangs getrennt zu betrachten. Ein allgemeines Terminalkonto darf dem Fahrer keinen Zugriff auf fremde Aufträge, Preise oder Belege eröffnen.

Definieren Sie außerdem, welche personenbezogenen Informationen für den Ablauf benötigt werden, wer sie sehen darf und wann sie gelöscht werden sollen. Kennzeichenbilder, Fahrerdaten und Supportprotokolle brauchen jeweils einen festgelegten Zweck und passende Zugriffs- und Aufbewahrungsregeln. Pauschales Speichern aller verfügbaren Daten ist kein Ersatz für ein Datenkonzept.

8. Ausfallsicherheit und Wiederanlauf praktisch testen

„Offlinefähig“ ist ohne Angabe des Ausfallszenarios wenig aussagekräftig. Fragen Sie einzeln nach ERP-Ausfall, unterbrochener Internet- oder Standortverbindung, Störung im lokalen Netzwerk, Ausfall der Waagenverbindung sowie Strom- oder Serverausfall. Für jeden Fall muss feststehen, was weiterläuft und wann der Prozess kontrolliert stoppt.

Anforderungen an Ausfallkonzept und Wiederanlauf
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Erlaubten Notbetrieb festlegenMussJe Ausfallszenario verfügbare Funktionen, notwendige Daten, Entscheidungsbefugnis und Abbruchbedingungen dokumentieren.
Lokal weiterarbeiten könnenMuss, wenn betrieblich erforderlichStandortverbindung trennen und mit freigegebenen lokalen Daten arbeiten; Datenalter und Einschränkungen anzeigen.
Vorgänge dauerhaft zwischenspeichernMuss bei lokalem NotbetriebAnwendung nach Abschluss eines Vorgangs neu starten; gespeicherte Vorgänge und offene Übertragungen bleiben erhalten.
Kontrolliert synchronisierenMuss bei entkoppeltem BetriebNach Wiederverbindung Wiederholungen, geänderte Aufträge und Konflikte ohne doppelte Buchungen abarbeiten.
Sicherung und Wiederherstellung erprobenMussGesicherten Datenbestand in einer Testumgebung wiederherstellen und vereinbarte Wiederanlaufzeit sowie Datenverlustgrenze prüfen.

Ein Backup verhindert nicht jeden Ausfall. Es hilft bei der Wiederherstellung, sofern es vollständig, verfügbar und lesbar ist. Lokale Zwischenspeicherung hilft bei einer getrennten Verbindung; sie ersetzt wiederum kein Backup. Stromversorgung, lokale Dienste und Waagenanschluss müssen zum geplanten Weiterbetrieb passen.

Vereinbaren Sie zwei konkrete Größen: die maximal tolerierte Unterbrechung und den maximal tolerierten Datenverlust. Die passenden Werte ergeben sich aus Ihrem Betrieb. Eine pauschale Zusage wie „hochverfügbar“ ist dafür kein ausreichender Nachweis.

9. Mehrere Waagen und Standorte sauber organisieren

Mehrstandortfähigkeit bedeutet mehr als einen Standortfilter in der Auswertung. Gemeinsame Daten müssen zentral gepflegt werden können, während lokale Besonderheiten erhalten bleiben. Bei getrennten Gesellschaften sind zusätzlich Datenzugriffe, Nummernkreise und Abrechnungskreise abzugrenzen.

Anforderungen für mehrere Werke und Gesellschaften
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Gemeinsame Stammdaten verteilenMuss bei zentraler PflegeÄnderung an Kunde oder Material an die vorgesehenen Standorte übertragen, ohne lokale Einstellungen zu überschreiben.
Aufträge standortübergreifend steuernMuss bei gemeinsamen AufträgenGleichzeitige Abrufe in zwei Werken und erlaubte Mengenverteilung prüfen; Verhalten bei Verbindungsabbruch festlegen.
Zugriffe und Nummernkreise trennenMuss nach OrganisationsstrukturBenutzer einer Gesellschaft sehen nur freigegebene Daten; Beleg-IDs bleiben auch bei lokaler Erzeugung eindeutig.
Zentrale Auswertungen ermöglichenSollVergleichbare Mengen und Status je Werk auswerten; ausstehende Übertragungen und Aktualität kenntlich machen.
Weitere Standorte planbar ergänzenKann; Muss bei geplantem AusbauAufwand für zusätzliche Waagen, Benutzer, Schnittstellen und lokale Infrastruktur schriftlich beziffern lassen.

Ein kritischer Testfall ist ein gemeinsamer Auftrag mit begrenzter Restmenge. Wenn zwei Werke bei unterbrochener Verbindung weiterarbeiten, muss vorher entschieden sein, ob Mengen reserviert, lokal begrenzt oder Abrufe gestoppt werden. Eine spätere Synchronisation kann eine bereits erfolgte physische Auslieferung nicht rückgängig machen.

Der vertiefende Leitfaden Mehrere Waagen und Standorte zentral steuern enthält dafür ein Mengenbeispiel, einen Vergleich der Betriebsmodelle und Prüffälle für die gemeinsame Abnahme mehrerer Werke.

10. Messrecht und Betreiberverantwortung früh klären

Trennen Sie im Projekt Waage und Auswertegerät, Messwertübertragung, Softwareverarbeitung, Speicherung und Belegausgabe. Welche Komponenten und Softwarestände für Ihren vorgesehenen Einsatz zulässig sind, lässt sich nur anhand der konkreten Konfiguration und ihrer Unterlagen beurteilen.

§ 31 MessEG behandelt Anforderungen beim Verwenden von Messgeräten, auch bei deren Zusammenschaltung. § 33 MessEG behandelt die Verwendung von Messwerten und die Nachvollziehbarkeit messwertbasierter Rechnungen. Daraus folgt keine pauschale Aussage, jede Wiegesoftware sei selbst eichpflichtig oder ein digitaler Beleg allein mache den Gesamtprozess konform.

Fordern Sie die Unterlagen zur vorgesehenen Messkette an und klären Sie offene Fragen mit Waagenhersteller, Softwareanbieter und zuständiger Eichbehörde. Dazu gehören gegebenenfalls Messwertspeicherung, gespeicherte Tara, Belegbezüge und Änderungen durch Updates. Dieser Abschnitt ist eine organisatorische Orientierung und ersetzt keine fachliche Prüfung Ihres Aufbaus.

11. Anbieter mit denselben Praxistests vergleichen

Senden Sie allen Anbietern dieselben anonymisierten Muster: einen Auftrag, typische Fahrzeugkombinationen, einen Lieferschein und eine Beschreibung Ihrer Systemlandschaft. Bitten Sie um eine Vorführung anhand dieses Ablaufs. So erkennen Sie, welche Schritte tatsächlich unterstützt werden und wo zusätzliche Konfiguration oder Entwicklung nötig ist.

Für die engere Auswahl eignen sich diese acht Tests:

  1. Normale Abholung: Leeres Fahrzeug erfassen, erstwiegen, beladen, zweitwiegen und Lieferschein an das Zielsystem übergeben.
  2. Anlieferung: Beladenes Fahrzeug einwiegen und nach dem Entladen abschließen; Brutto und Tara bleiben richtig zugeordnet.
  3. Fahrzeugwechsel: Anderen Anhänger auswählen; eine unpassende gespeicherte Tara darf den Vorgang nicht unbemerkt abschließen.
  4. Ungültiger Auftrag: Gesperrten oder ausgeschöpften Auftrag aufrufen; nur der vorgesehene Freigabeweg erlaubt eine begründete Ausnahme.
  5. Korrektur nach Übergabe: Einen bereits übertragenen Beleg korrigieren oder stornieren und die Wirkung im ERP nachvollziehen.
  6. Verlorene Bestätigung: Eine erfolgreich empfangene Übertragung erneut senden; es entsteht kein zweiter abrechenbarer Vorgang.
  7. Ausfall und Neustart: Den vereinbarten Notbetrieb testen, die Anwendung neu starten und anschließend offene Vorgänge kontrolliert abgleichen.
  8. Spitzenlast und Rechte: Die betriebsübliche Spitzenlast mit der benötigten Zahl an Arbeitsplätzen simulieren; parallel erlaubte und gesperrte Aktionen prüfen.

Messen Sie bei diesen Tests nicht nur die Antwortzeit der Software. Erfassen Sie auch Bedienhandlungen, Rückfragen, Fehlermeldungen und die Zeit bis zur fachlich bestätigten ERP-Übernahme. Vereinbaren Sie Zielwerte anhand Ihrer Arbeitsabläufe und führen Sie den Lasttest in einer zur Produktion passenden Umgebung durch.

Eine nachvollziehbare Bewertungsmethode

Prüfen Sie zuerst alle Muss-Kriterien. Nur Lösungen, die diese spätestens zur vereinbarten Abnahme erfüllen, kommen für die produktive Freigabe infrage. Vergleichen Sie anschließend Soll- und Kann-Kriterien mit vorab festgelegten Gewichten, beispielsweise von 1 bis 5.

Eine einfache Skala für den Erfüllungsgrad ist: 0 = nicht erfüllt, 1 = teilweise erfüllt oder nur mit akzeptierter Ersatzlösung, 2 = vollständig nachgewiesen. Multiplizieren Sie Gewicht und Erfüllungsgrad je Kriterium. Ungeprüfte Angaben bleiben als offen markiert und zählen nicht als nachgewiesene Erfüllung.

Dokumentieren Sie zusätzlich Aufwand und Nachteile einer Ersatzlösung. Sonst kann eine hohe Punktzahl verdecken, dass jeder zweite Fahrer Unterstützung benötigt oder eine Schnittstelle monatlich manuell nachbearbeitet werden muss. Eine gute Komfortbewertung kompensiert kein fehlendes Muss-Kriterium.

12. Gesamtkosten und Einführung verbindlich planen

Vergleichen Sie Angebote über denselben von Ihnen gewählten Zeitraum und mit identischem Umfang. Zu den Gesamtkosten gehören neben Lizenzen oder laufenden Gebühren auch Messtechnikanbindung, Terminals, Peripherie, Schnittstellen, Datenübernahme, Schulung, Einführung und interner Personalaufwand.

Lassen Sie außerdem Wartung, Supportzeiten, Updates, erforderliche Systemlizenzen, Datensicherungen, zusätzliche Standorte und spätere Schnittstellenänderungen ausweisen. Für einen möglichen Anbieterwechsel sollten Datenexport, verfügbare Formate und Unterstützung bei der Übergabe geklärt sein.

Für einen kontrollierten Start braucht es einen verantwortlichen Projektleiter und benannte Ansprechpartner aus Werk, Waage, IT und Abrechnung. Bewährt ist ein klar abgegrenzter Pilot mit repräsentativen Abläufen. Bereinigte Stammdaten, dokumentierte Tests, geschulte Nutzer sowie Freigabe- und Rückfallkriterien sollten vor der Umstellung vorliegen. Bei einem Parallelbetrieb muss eindeutig geregelt sein, welches System führend ist, damit keine doppelten Belege oder Buchungen entstehen.

Begründen Sie den wirtschaftlichen Nutzen mit eigenen Messungen: Wie viel Zeit kostet eine zusätzliche Erfassung? Wie oft wird ein Beleg korrigiert? Wo entstehen Wartezeiten? Rechnen Sie mit transparenten Annahmen und prüfen Sie diese im Pilot, bevor Sie erwartete Einsparungen als gesichert behandeln.

Häufige Fragen zur Auswahl von Wiegesoftware

Welche Funktionen muss eine Wiegesoftware mindestens bieten?

Für einen auftragsbezogenen Fahrzeugwiegeprozess braucht sie eine passende Anbindung der Messtechnik, eindeutige Fahrzeug- und Auftragsbezüge, die erforderlichen Wiegeverfahren und nachvollziehbare Belege. Hinzu kommen geregelte Zugriffe, Fehlerbehandlung und ein abgestimmtes Betriebskonzept. ERP, Selbstbedienung und lokaler Weiterbetrieb werden zu Muss-Anforderungen, wenn Ihr Ablauf davon abhängt.

Kann eine bestehende Fahrzeugwaage weiterverwendet werden?

Das muss für Waage, Auswertegerät, Schnittstellenprotokoll und vorgesehenen Aufbau geprüft werden. Lassen Sie sich die unterstützte Kombination bestätigen und mit Ihrer Messtechnik testen. Die bloße Angabe eines Anschlusses oder Herstellers reicht für diese Entscheidung nicht aus.

Braucht jedes Werk eine ERP-Schnittstelle?

Wenn Aufträge und Stammdaten im ERP entstehen und Wiegeergebnisse dort abgerechnet werden, sollte die Integration Teil der Auswahl sein. Für einen begrenzten Einzelprozess kann auch eine kontrollierte Dateiübergabe genügen. Entscheidend sind Datenumfang, Übertragungshäufigkeit und Aufwand für Prüfung und Nachbearbeitung.

Ist gespeicherte Tara immer schneller und sinnvoll?

Sie kann eine erneute Tarawiegung im dafür geeigneten und zulässigen Ablauf ersetzen. Das setzt voraus, dass Fahrzeugkombination und Zustand passen und die Tara nach den festgelegten Regeln verwendet werden darf. Wechselnde Anhänger, Aufbauten oder Rückstände sprechen dafür, die Voraussetzungen besonders sorgfältig zu prüfen.

Was sollte eine Demo unbedingt zeigen?

Einen vollständigen Geschäftsvorgang mit Ihren Musterangaben sowie mindestens eine Korrektur, einen Berechtigungsfehler und einen Schnittstellenausfall. Fragen Sie bei jeder Abweichung nach dem konkreten Ergebnis: Welche Daten bleiben gespeichert, wer muss handeln und was erhält das Folgesystem?

Mit der Anforderungsliste in die konkrete Auswahl starten

Eine belastbare Auswahl endet mit einer nachgewiesenen Prozessabdeckung und einem klaren Leistungsumfang. Priorisieren Sie Ihre Anforderungen gemeinsam mit Werk, IT und Fakturierung. Lassen Sie anschließend genau die Abläufe zeigen, die Ihren Betrieb tragen.

Wenn Sie eine Umsetzung mit TBSoft prüfen möchten, bietet TBScale den Einstieg in Verwiegung, Auftragsbezug und digitale Belege. Für Baustoffwerke beschreibt die Seite Wiegesoftware für die Baustoffbranche typische Einsatzabläufe. TBTouchScale ergänzt die Selbstbedienung; TBAutoIdent adressiert Fahrzeugidentifikation und Kennzeichenerkennung. Der konkrete Funktions- und Integrationsumfang wird im Projekt abgestimmt.

TBScale-Demo für Ihren Wiegeprozess anfragen – mit Ihrer Waagenübersicht, einem anonymisierten Auftrag und den wichtigsten Ausnahmefällen als Grundlage für das Gespräch.

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