Kennzahlen für die Baustoff-Disposition richtig nutzen
Umlaufzeit, Wartezeit, Auslastung und Pünktlichkeit richtig bewerten: sieben Kennzahlen für die Baustoff-Disposition mit Formeln, Rechenbeispielen und Hinweisen für die tägliche Steuerung.
Die wichtigsten Kennzahlen für die Baustoff-Disposition sind Umlaufzeit, Wartezeit, Auslastung, Leerfahrtanteil, Plan-Ist-Abweichung, Lieferpünktlichkeit und Fahrzeuge pro Auftrag. Gemeinsam zeigen sie, wie lange Kapazität gebunden ist, wo der Ablauf stockt und wie zuverlässig Zusagen eingehalten werden. Jede Kennzahl braucht dafür eine eindeutige Definition und nachvollziehbare Ausgangsdaten.
Ein Fuhrpark kann stark ausgelastet sein, während die Fahrzeuge vor der Baustelle warten. Eine gute durchschnittliche Lieferpünktlichkeit kann verdecken, dass ausgerechnet die erste Ladung einer Betonage häufig zu spät kommt. Und mehr eingesetzte Fahrzeuge können sowohl eine notwendige Reserve als auch eine schlecht abgestimmte Lieferfolge bedeuten.
Die sieben Kennzahlen unten haben je eine Formel und ein Rechenbeispiel. Alle Beispielwerte sind eigene Rechenannahmen. Sie beschreiben keine Branchenmittelwerte oder allgemein gültigen Zielvorgaben.
Kennzahlen der Baustoff-Disposition auf eine gemeinsame Grundlage stellen
Bevor Sie Werte vergleichen, legen Sie den betrachteten Prozess fest. Transportbeton mit Pumpeneinsatz, Asphaltversorgung und Schüttguttransport brauchen unterschiedliche Lieferfolgen. Ein langer Umlauf kann durch Entfernung, langsame Abnahme oder fehlende Kapazität am Werk entstehen. Der Gesamtwert allein trennt diese Ursachen nicht.
Für jede Kennzahl genügt zunächst ein kurzer Steckbrief: Zweck, Formel, Messbeginn und Messende, Datenquelle, Bezugszeitraum, Ausnahmen und Verantwortlicher. Halten Sie auch fest, ob einzelne Fahrten, vollständige Aufträge, Fahrzeuge oder Fahrzeugstunden gezählt werden. Bei Quoten müssen Zähler und Nenner dieselbe abgegrenzte Gruppe beschreiben.
| Kennzahl | Messgröße | Betriebliche Frage |
|---|---|---|
| Umlaufzeit | Minuten vom festgelegten Einsatzbeginn bis zur erneuten Einsatzbereitschaft. | Wann steht das Fahrzeug am benötigten Ort wieder bereit? |
| Wartezeit | Dauer abgegrenzter Warteabschnitte je Fahrt und Ort. | Welcher Engpass bindet Fahrzeuge ohne den vorgesehenen Prozessfortschritt? |
| Auslastung | Genutzte Zeit oder Ladungsmenge im Verhältnis zur jeweils verfügbaren Kapazität. | Ist Kapazität gebunden, sinnvoll genutzt oder mengenmäßig ausgeschöpft? |
| Leerfahrtanteil | Leerkilometer im Verhältnis zu sämtlichen Kilometern derselben Fahrzeuggruppe. | Welche unbeladenen Wege lassen sich einsatzgerecht verringern? |
| Plan-Ist-Abweichung | Differenz zwischen tatsächlichem Wert und festgehaltenem Planwert. | Welche Annahme passt nicht zum beobachteten Ablauf? |
| Lieferpünktlichkeit | Anteil der Lieferungen innerhalb des vereinbarten Zeitfensters. | Wie verlässlich wird der zugesagte Meilenstein erreicht? |
| Fahrzeuge pro Auftrag | Unterschiedliche eingesetzte Fahrzeuge sowie maximale gleichzeitige Bindung. | Welche Ressourcen benötigt dieser Auftrag tatsächlich? |
Die Datengrundlage bilden Auftrags- und Fahrtzuordnung, Mengen, Kilometer und bestätigte Ereignisse, wie sie eine Dispositionssoftware zusammenführt. Ob die Fahrzeugstatus den Ablauf belastbar abbilden, entscheidet über jede der sieben Zahlen.
1. Umlaufzeit: die vollständige Fahrzeugbindung messen
Die Umlaufzeit beantwortet, wie lange ein Fahrzeug für einen zusammenhängenden Einsatz gebunden bleibt. Für die folgenden Beispiele beginnt sie mit der Beladung und endet mit der erneuten Beladebereitschaft am vorgesehenen Werk. Erforderliche Rückfahrt und Nacharbeiten gehören dazu.
Umlaufzeit = Zeitpunkt der erneuten Beladebereitschaft − Beladebeginn.
Ein Fahrmischer beginnt um 08:00 Uhr mit der Beladung und ist um 09:55 Uhr wieder beladebereit. Sein Umlauf dauert 115 Minuten. Die einzelnen Abschnitte zeigen, wodurch diese Bindung entsteht:
| Abschnitt | Dauer | Zeitlicher Bezug |
|---|---|---|
| Beladung | 8 Minuten | 08:00–08:08 Uhr |
| Hinfahrt | 30 Minuten | 08:08–08:38 Uhr |
| Warten an der Baustelle | 12 Minuten | 08:38–08:50 Uhr |
| Vorbereitung der Entladung | 5 Minuten | 08:50–08:55 Uhr |
| Entladung | 20 Minuten | 08:55–09:15 Uhr |
| Freimachen der Entladeposition | 3 Minuten | 09:15–09:18 Uhr |
| Rückfahrt zum Werk | 30 Minuten | 09:18–09:48 Uhr |
| Weitere Schritte bis zur Beladebereitschaft | 7 Minuten | 09:48–09:55 Uhr |
| Vollständiger Umlauf | 115 Minuten | 08:00–09:55 Uhr |
Beginnt die nächste Beladung erst um 10:15 Uhr, entstehen danach weitere 20 Minuten. In dieser Definition werden sie gesondert als Zeit bis zum nächsten Ladebeginn geführt. So verlängert eine fehlende Anschlussbestellung nicht rückwirkend den bereits abgeschlossenen Umlauf. Die Abstände zwischen zwei tatsächlichen Beladebeginnen können Sie zusätzlich messen, sollten sie aber anders benennen.
Ein noch laufender Umlauf hat keinen endgültigen Ist-Wert. Er erscheint mit bisheriger Dauer und gegebenenfalls erwarteter Fertigstellung in der operativen Ansicht. Für die abgeschlossene Auswertung werden offene Vorgänge separat ausgewiesen, damit gerade die längsten Einsätze nicht unbemerkt fehlen.
Vergleichen Sie Umläufe nach Werk, Entfernung, Materialfluss und Entladeart. Neben dem Mittelwert helfen Median und bei ausreichend vielen Vorgängen ein oberes Quantil wie P90, längere Verläufe zu erkennen. Für die nächste Planung sind diese Verteilungen hilfreicher als ein einziger Durchschnitt über sämtliche Baustellen.
2. Wartezeit: Ort, Ursache und aktive Arbeit unterscheiden
Wartezeit entsteht, wenn der nächste vorgesehene Arbeitsschritt noch nicht beginnen oder fortgesetzt werden kann. Sie sollte getrennt für Werk, Baustelle und weitere Übergabepunkte erfasst werden. Unterbrechungen während einer Entladung benötigen ebenfalls eine klare Zuordnung.
Wartezeit je Fahrt = Summe der bestätigten Warteintervalle dieser Fahrt.
Im Umlaufbeispiel liegen zwischen Baustellenankunft um 08:38 Uhr und Entladebeginn um 08:55 Uhr 17 Minuten. Davon sind zwölf Minuten als Warten und fünf Minuten als Vorbereitung erfasst. Wer allein Ankunft und Entladebeginn kennt, kann zunächst nur diese 17 Minuten Vorlauf messen. Er darf nicht ungeprüft alles als vermeidbares Warten bewerten.
Auch die gesamte Standzeit ist keine reine Wartezeit. Ein stehendes Fahrzeug kann beladen, entladen, gereinigt oder vorbereitet werden. Ebenso bestätigt ein laufender Motor weder produktive Arbeit noch vermeidbaren Leerlauf. Für eine belastbare Trennung werden passende Prozessmeldungen benötigt.
Ergänzen Sie zur Dauer einen sachlichen Grund: Ladeplatz belegt, Material noch nicht bereit, Einbau unterbrochen, Pumpe nicht bereit oder Ursache noch ungeklärt. Die betriebliche Ursachenzuordnung ist dabei von einer vertraglichen Bewertung oder einer berechenbaren Wartezeit zu unterscheiden.
Bei zehn vollständig beobachteten Fahrten warten drei Fahrzeuge jeweils 10, 20 und 30 Minuten, die übrigen sieben warten nicht. Das ergibt 60 ÷ 10 = 6 Minuten Wartezeit je Fahrt und einen Warteanteil von 3 ÷ 10 = 30 % der Fahrten. Der Durchschnitt nur der betroffenen Fahrten beträgt dagegen 20 Minuten. Alle drei Werte sind richtig, beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Bleiben die Wartezeiten an einer bestimmten Entladeposition hoch, prüfen Sie Lieferabstand und Abnahmeleistung gemeinsam. Bei einer gemeinsam getakteten Pumpenbetonage können zusätzliche Fahrzeuge einen solchen Engpass auch vergrößern.
3. Auslastung: Einsatzzeit und Ladungsmenge getrennt bewerten
„Der Fuhrpark ist zu 90 Prozent ausgelastet“ ist ohne Bezugsgröße keine belastbare Aussage. Mindestens zwei Dimensionen sind zu unterscheiden: die zeitliche Bindung der Ressourcen und die Nutzung der möglichen Ladungsmenge.
Zeitliche Auslastung
Zeitliche Auslastung = gebundene Fahrzeugstunden ÷ disponierbare Fahrzeugstunden × 100.
Die disponierbare Zeit wird aus den tatsächlich vorgesehenen Einsatzfenstern geeigneter und besetzter Fahrzeuge bestimmt. Pausen, Wartung und fehlende Besetzung werden nach einer festgelegten Regel berücksichtigt und separat sichtbar gehalten. Zeitlich begrenzte Zusagen von Fremdspediteuren dürfen nicht als ganztägige Verfügbarkeit eingehen.
Stehen der betrachteten Fahrzeuggruppe im Auswertungszeitraum nach diesen Abgrenzungen 480 Fahrzeugstunden zur Verfügung und sind 360 Stunden durch Einsätze gebunden, ergibt sich 75 % zeitliche Auslastung. Sind darin 60 Stunden Warten enthalten, bleibt die Bindungsquote bei 75 %. Die übrigen Einsatzabschnitte umfassen 300 Stunden, entsprechend 62,5 % der disponierbaren Zeit. Auch diese Abschnitte enthalten beispielsweise Rückfahrten und sind nicht automatisch abrechenbare Leistung.
Gebundene Zeit darf sich pro Fahrzeug nicht doppeln. Zwei gleichzeitig reservierte Aufträge sind ein Planungskonflikt und keine Auslastung von mehr als 100 Prozent. Für die historische Auswertung zählen bestätigte Einsätze. Zukünftige Reservierungen bilden eine gesonderte geplante Auslastung.
Mengenbezogene Auslastung
Ladungsauslastung = transportierte Menge ÷ nutzbare Ladekapazität der betrachteten Fahrten × 100.
Fünf geeignete Fahrten mit jeweils 8 m³ nutzbarer Kapazität bieten zusammen 40 m³. Werden darauf insgesamt 34 m³ geladen, beträgt die mengenbezogene Auslastung 85 %. Die nutzbare Kapazität wird für Fahrzeug und Material bestimmt. Eine nominelle Behältergröße ist dafür allein keine ausreichende Grundlage. Tonnen und Kubikmeter dürfen nicht ohne passenden Materialbezug vermischt werden.
Eine kleinere Restlieferung kann fachlich und wirtschaftlich sinnvoll sein. Die Quote darf weder unnötige Mehrmengen noch eine Überschreitung der zulässigen Beladung begünstigen. Bewerten Sie sie mit Auftragsgröße, Material, Rückmengen und Lieferfolge.
4. Leerfahrtanteil: Kilometer statt Fahrten zählen
Für die Disposition ist ein streckenbezogener Leerfahrtanteil besonders aussagekräftig. Eine kurze unbeladene Anfahrt und eine lange Rückfahrt zählen bei einer reinen Fahrtenquote jeweils gleich. Der Kilometerbezug macht ihren unterschiedlichen Umfang sichtbar.
Leerfahrtanteil = Leerkilometer ÷ Gesamtkilometer × 100.
Legt eine Fahrzeuggruppe im abgegrenzten Zeitraum 300 Kilometer zurück, davon 90 Kilometer ohne Ladung, beträgt der Leerfahrtanteil 30 %. Zähler und Nenner müssen dieselben Fahrzeuge und denselben Zeitraum umfassen. Anfahrten, Rückfahrten und Fahrten zwischen Werken gehören nach derselben Erfassungsregel dazu.
Das Kraftfahrt-Bundesamt zur Definition der Leerfahrt bezieht unter anderem leere Anfahrten zum ersten Beladeort und leere Abfahrten vom letzten Entladeort ein. Die Beförderung leerer Transportmittel, die am Ziel entladen werden sollen, gilt dort dagegen nicht als Leerfahrt. „Keine verkaufte Baustoffmenge“ ist deshalb kein ausreichendes Kriterium für eine automatisch leere Fahrt.
Auch Eurostat wertet Leerfahrten anhand von Fahrzeugkilometern aus. Solche übergreifenden Verkehrsstatistiken liefern jedoch keinen passenden Zielwert für jeden Baustofffuhrpark. Ein Fahrmischerumlauf, ein Schüttguttransport mit Rückfracht und ein Werkwechsel haben unterschiedliche betriebliche Möglichkeiten.
Bei Transportbeton gehört die unbeladene Rückfahrt häufig zum vorgesehenen Umlauf. Prüfen Sie unnötige Umwege, ungünstige Werkzuordnungen und vermeidbare Leerpositionierungen. Eine Rückfahrt mit dokumentierter Restmenge bleibt von einer Fahrt ohne Ladung unterscheidbar. Bei geeigneten anderen Materialflüssen können Rückfrachten helfen, wenn Materialverträglichkeit, Fahrzeug, Zeitfenster und Zielort passen.
Verringert sich die Quote nur dadurch, dass zusätzliche beladene Umwege gefahren werden, ist wenig gewonnen. Betrachten Sie deshalb auch die absoluten Leerkilometer und die Gesamtstrecke für eine vergleichbare Transportaufgabe. Die Mehrwerksdisposition verbindet diese Betrachtung mit der Wahl des liefernden Werks.
5. Plan-Ist-Abweichung: denselben Meilenstein vergleichen
Die Plan-Ist-Abweichung zeigt, wie stark der tatsächliche Ablauf von einer festgehaltenen Annahme abweicht. Möglich sind Zeitpunkte, Dauern und Mengen. Die jeweils gemessene Größe gehört in die Bezeichnung der Kennzahl.
Zeitabweichung = tatsächlicher Zeitpunkt − geplanter Zeitpunkt.
Bei dieser Vorzeichenregel bedeutet ein positiver Wert „später“, ein negativer Wert „früher“. Ein geplanter Entladebeginn um 08:45 Uhr und ein tatsächlicher Beginn um 08:55 Uhr ergeben +10 Minuten. Der Vergleich einer geplanten Ankunft mit dem tatsächlichen Entladebeginn wäre dagegen fachlich falsch.
Für Dauern gilt dieselbe Differenzbildung: Dauert der mit 100 Minuten geplante Umlauf tatsächlich 115 Minuten, beträgt die Abweichung +15 Minuten beziehungsweise +15 % gegenüber dem Planwert. Eine Prozentangabe setzt einen sinnvollen, von null verschiedenen Bezugswert voraus. Bei Uhrzeiten ist die Differenz in Minuten die verständlichere Angabe.
Bewahren Sie den ursprünglichen freigegebenen Plan und spätere Änderungen mit ihrem Zeitpunkt auf. Ein nach der Verspätung verschobener Termin darf die Abweichung zur ursprünglichen Zusage nicht verschwinden lassen. Für die laufende Steuerung kann zusätzlich die Abweichung zum zuletzt bestätigten Plan wichtig sein. Beide Auswertungen müssen erkennbar getrennt bleiben.
Ein Mittelwert mit Vorzeichen kann Probleme verdecken: Eine Lieferung zehn Minuten zu früh und eine zehn Minuten zu spät ergeben zusammen null Minuten mittlere Abweichung. Die mittlere absolute Abweichung beträgt trotzdem zehn Minuten. Zeigen Sie deshalb Richtung und Größe sowie die Anzahl der bewerteten Vorgänge.
Eine aktuelle ETA gehört in die Prognoseansicht. Sie ersetzt keinen bestätigten Ist-Zeitpunkt. Eine Ankunftsprognose wird eigenständig geprüft, mit der bei festem Vorlauf gespeicherten ETA gegen die bestätigte Ankunft.
6. Lieferpünktlichkeit: Zeitfenster und Datenabdeckung offenlegen
Lieferpünktlichkeit beschreibt den Anteil der Lieferungen, die einen vereinbarten Meilenstein innerhalb des festgelegten Zeitfensters erreichen. Das kann die Ankunft an einer benannten Zufahrt oder der Entladebeginn sein. Für eine Betonage können zusätzlich die erste Lieferung und die Abstände der Folgelieferungen relevant sein.
Lieferpünktlichkeit = pünktliche Lieferungen ÷ bewertbare Lieferungen × 100.
Ein vereinbartes Ankunftsfenster von 08:00 bis 08:15 Uhr wird in diesem Beispiel einschließlich seiner Grenzen bewertet. 08:10 Uhr liegt darin, 07:50 Uhr und 08:20 Uhr liegen außerhalb. Früher ist nicht automatisch besser: Es können Wartepositionen fehlen oder Fahrzeuge vor der übernahmebereiten Baustelle gebunden werden. Früh- und Spätankünfte sollten getrennt sichtbar sein.
Sind von 100 ausgeführten Lieferungen 94 vollständig bewertbar und davon 84 pünktlich, beträgt die Pünktlichkeitsquote 84 ÷ 94 × 100 ≈ 89,4 %. Gleichzeitig muss die Auswertung 94 % Datenabdeckung und sechs ungeklärte Lieferungen nennen. Ohne diesen Zusatz sieht die Quote belastbarer aus, als sie ist.
Für die gesamte Lieferzusage ist zusätzlich zu prüfen, welche zugesagten Lieferungen gar nicht ausgeführt oder storniert wurden. Die Quote der ausgeführten Lieferungen allein zeigt diese Ausfälle nicht. Stornos erhalten deshalb einen nachvollziehbaren Grund und einen gesonderten Ausweis. Sie verschwinden nicht kommentarlos aus der Erfolgsmessung.
Trennen Sie die Ankunftspünktlichkeit von einem abgestimmten Entladebeginn. Ein rechtzeitig eingetroffener Mischer kann trotzdem auf eine belegte Pumpe warten. Ebenso kann die erste Lieferung pünktlich sein, während spätere Versorgungslücken den Einbau unterbrechen. In der Lieferfolge einer Betonage zählt jede Lieferung, nicht nur die erste.
7. Fahrzeuge pro Auftrag: Lieferungen und gleichzeitige Bindung trennen
Ein Auftrag kann mehrere Ladungen benötigen und dieselben Fahrzeuge wiederholt einsetzen. Die Anzahl der Lieferungen ist deshalb weder die Anzahl unterschiedlicher Fahrzeuge noch der maximale gleichzeitige Fahrzeugbedarf.
Für die Auswertung werden drei Größen getrennt geführt:
- Lieferungen pro Auftrag: Wie viele zugeordnete Ladungsfahrten wurden tatsächlich ausgeführt?
- Unterschiedliche Fahrzeuge pro Auftrag: Wie viele eindeutige Fahrzeug-IDs waren daran beteiligt, jede ID nur einmal gezählt?
- Maximale gleichzeitige Bindung: Wie viele Fahrzeuge waren zu einem Zeitpunkt parallel durch diesen Auftrag gebunden, einschließlich der festgelegten Rück- und Abschlussabschnitte?
Ein Auftrag über 60 m³ mit zehn Lieferungen zu je 6 m³ kann beispielsweise mit sechs verschiedenen Fahrmischern abgewickelt werden, wenn vier davon jeweils zweimal fahren. Die zehn Lieferungen werden dadurch vollständig abgedeckt. Ein Fahrzeugwechsel kann die Zahl unterschiedlicher Fahrzeuge erhöhen, ohne dass die gleichzeitige Bindung entsprechend steigt.
Für einen gleichmäßigen, ausreichend langen Lieferablauf lässt sich der rechnerische Fahrzeugbedarf zunächst aus Umlaufzeit ÷ Lieferabstand, aufgerundet auf ganze Fahrzeuge, abschätzen. Bei 115 Minuten Umlauf und 20 Minuten Abstand ergibt das sechs Fahrzeuge. Das ist eine Planungsrechnung unter Annahmen, noch keine gemessene Kennzahl und kein Nachweis freier Ladefenster, Fahrer oder Pumpenkapazität.
Vergleichen Sie Aufträge mit ähnlicher Menge, Entfernung, Abnahme und Fahrzeugkapazität. Eine niedrige Fahrzeugzahl ist kein Erfolg, wenn dadurch die Versorgung abreißt. Ergänzend zeigen die zugeordneten Fahrzeugstunden, ob wenige Fahrzeuge lange oder mehrere Fahrzeuge nur kurz gebunden waren. Bei parallel laufenden Aufträgen dürfen dieselben Stunden im Gesamtbericht nicht mehrfach gezählt werden.
Bei Eigenfuhrpark und Fremdspediteuren in einer Planung müssen die Fahrzeugstunden je Herkunft getrennt bleiben.
Kennzahlen gemeinsam lesen und richtig zusammenfassen
Eine Kennzahl wird besonders nützlich, wenn sie eine konkrete Prüfung auslöst. Hohe Auslastung zusammen mit hohen Wartezeiten spricht beispielsweise für gebundene Kapazität an einem Engpass. Ob dieser im Werk oder an der Baustelle liegt, zeigen erst die zugehörigen Zeitabschnitte und Gründe.
| Beobachtung | Mögliche Erklärung | Nächster Prüfschritt |
|---|---|---|
| Auslastung und Wartezeit steigen gemeinsam. | Fahrzeuge bleiben länger an einem Engpass gebunden. | Ort, Ursache und Lieferabstände prüfen, bevor weitere Fahrzeuge bestellt werden. |
| Umlaufzeiten steigen, reine Fahrzeiten bleiben ähnlich. | Zusätzliche Zeit liegt in Beladung, Vorbereitung, Entladung oder Warten. | Die einzelnen Prozessabschnitte vergleichbarer Aufträge gegenüberstellen. |
| Pünktlichkeit steigt, Datenabdeckung sinkt. | Die Zusammensetzung der bewertbaren Lieferungen hat sich verändert. | Ungeklärte Vorgänge und Rückmeldewege prüfen, bevor eine Verbesserung bestätigt wird. |
| Leerfahrtquote sinkt, Gesamtkilometer steigen. | Mehr beladene Strecke verändert den Nenner. | Absolute Kilometer und vergleichbare Transportmengen sowie Relationen prüfen. |
| Mehr verschiedene Fahrzeuge, ähnliche gleichzeitige Bindung. | Wechsel oder Vertretungen statt zusätzlichem Spitzenbedarf. | Fahrzeugwechsel, Einsatzdauer und tatsächliche Lieferfolge auswerten. |
Quoten verschiedener Werke werden aus den zugrunde liegenden Mengen zusammengeführt. Liefert Werk A neun von zehn bewertbaren Lieferungen pünktlich und Werk B eine von zwei, ergeben sich insgesamt zehn von zwölf, also 83,3 %. Der einfache Mittelwert aus 90 % und 50 % wäre 70 % und würde die kleinere Gruppe übergewichten. Voraussetzung bleibt, dass beide Werke dieselbe Pünktlichkeitsdefinition verwenden.
Dasselbe Prinzip gilt für Wartezeit je Fahrt oder die Ladungsauslastung einer Fahrzeuggruppe: erst die passenden Zeit- beziehungsweise Mengenwerte und Bezugsgrößen summieren, dann die Kennzahl bilden. Zeigen Sie den Gesamtwert zusammen mit den relevanten Teilgruppen, damit ein anderer Auftragsmix nicht als Prozessverbesserung fehlinterpretiert wird.
Aus Kennzahlen eine verlässliche Steuerungsroutine machen
Für die laufende Schicht stehen gefährdete Lieferfenster, offene Rückmeldungen und fehlende Anschlusskapazität im Vordergrund. Eine abgeschlossene Tages- oder Wochenauswertung beantwortet dagegen, welche Annahmen angepasst werden sollten. Sie setzt voraus, dass der Tagesabschluss Belege, Wartezeiten und Fahrzeugstatus geprüft hat. Prognosen und historische Ist-Werte dürfen dabei nicht unbemerkt ineinander übergehen.
Beginnen Sie mit einem Materialfluss, einer klaren Fahrzeuggruppe und einigen vollständig nachvollziehbaren Aufträgen. Prüfen Sie die Ergebnisse gemeinsam mit Disposition, Werk und den Verantwortlichen für die Rückmeldungen. Ein kurzer Praxischeck umfasst:
- Bezug: Gehören Ereignis, Fahrzeug, Ladung und Auftrag eindeutig zusammen?
- Zeit: Wird der tatsächliche Ereigniszeitpunkt verwendet, auch wenn eine Meldung später eingeht?
- Vollständigkeit: Sind fehlende Werte, offene Vorgänge und nicht ausgeführte Zusagen sichtbar?
- Korrekturen: Bleiben doppelte Meldungen, Fahrzeugwechsel und nachträgliche Berichtigungen nachvollziehbar?
- Vergleichbarkeit: Stimmen Messdefinition, Zeiträume, Einheiten und betrachtete Fahrzeuggruppen überein?
- Maßnahme: Ist festgelegt, wer eine Auffälligkeit prüft und wann die Wirkung einer Änderung bewertet wird?
Fehlende Zeitstempel werden nicht als null Minuten Warten ersetzt. Ein nicht berechenbarer Wert erscheint als solcher. Auch ein Zeitraum ohne passende Lieferungen ergibt keine Pünktlichkeitsquote von null oder hundert Prozent. Ein Datenstand mit Zeitpunkt und Zahl der bewertbaren Vorgänge macht spätere Korrekturen nachvollziehbar.
Zielwerte werden aus Lieferzusagen und vergleichbaren eigenen Abläufen abgeleitet. Eine höhere Auslastung darf die nötige Reserve nicht vollständig verdrängen. Weniger Wartezeit darf nicht auf Kosten der Materialbedingungen oder erforderlicher Arbeitsschritte gehen. Bewerten Sie das Ergebnis im Zusammenhang mit zuverlässiger Versorgung und verfügbaren Ressourcen.
TBDispo verbindet Aufträge, Fahrmischer, Pumpen und Ressourcen in der Transportbetondisposition. TBDispoPlan unterstützt das Flotten- und Dispositionsmanagement für Mischgut, Schüttgut und Aushub. TBTelematik und TBGeoCom ergänzen Fahrzeug-, Status-, Geo- und Streckeninformationen als Grundlagen für Planung und Auswertung.
Welche Kennzahlen mit welchen Messgrenzen im konkreten Systemaufbau verfügbar sind, wird anhand der vorhandenen Datenquellen abgestimmt. TBDispo liefert dafür Auslastungs- und Leistungsstatistiken aus der Disposition.
Häufige Fragen zu Kennzahlen in der Baustoff-Disposition
Mit welchen Dispositionskennzahlen sollte ein Werk beginnen?
Ein sinnvoller Einstieg sind vollständig abgegrenzte Umlaufzeiten, Wartezeiten nach Ort und Lieferpünktlichkeit mit ausgewiesener Datenabdeckung. Danach lassen sich Auslastung, Leerfahrtanteil, Planabweichungen und Fahrzeugeinsatz ergänzen. Entscheidend ist, dass die Eingangsdaten zur jeweiligen Formel passen und eine Auffälligkeit zu einer überprüfbaren Maßnahme führt.
Ist eine hohe Fuhrparkauslastung immer gut?
Nein. Eine hohe zeitliche Bindung kann auch aus Warten oder langen Rückwegen entstehen. Prüfen Sie daneben Prozessabschnitte, transportierte Mengen, Pünktlichkeit und Reserven. Zeitliche Auslastung und Ladungsauslastung sind unterschiedliche Kennzahlen und sollten entsprechend benannt werden.
Wie wird die Lieferpünktlichkeit bei fehlenden Statusdaten berechnet?
Die Quote wird zunächst aus vollständig bewertbaren Lieferungen gebildet. Zusätzlich werden die Datenabdeckung und die Zahl ungeklärter Lieferungen genannt. Fehlende Meldungen dürfen weder automatisch als pünktlich gelten noch stillschweigend aus der Betrachtung verschwinden. Nicht ausgeführte Lieferzusagen benötigen einen eigenen Ausweis.
Gibt es einen allgemein guten Leerfahrtanteil für Baustofftransporte?
Ein pauschaler Wert passt nicht zu allen Materialflüssen. Fahrmischer, Kipper und Fahrzeuge mit geeigneten Rückfrachten haben unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Vergleichen Sie ähnliche Transportaufgaben mit gleicher Messgrenze und betrachten Sie neben der Quote auch absolute Leer- und Gesamtkilometer.
Wie viele Fahrzeuge zählt ein Auftrag mit zehn Lieferungen?
Gezählt werden die tatsächlich beteiligten unterschiedlichen Fahrzeuge, nicht nur die Lieferungen. Wenn sechs Fahrzeuge den Auftrag ausführen und vier davon zweimal fahren, entstehen zehn Lieferungen mit sechs Fahrzeugen. Die maximale gleichzeitige Bindung und die zugeordneten Fahrzeugstunden werden zusätzlich aus dem zeitlichen Ablauf ermittelt.
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