Baustoffsoftware · Schnittstellen, Daten und Softwareeinführung

Stammdatenqualität: Warum Digitalisierung bei Kunde, Material und Baustelle beginnt

12 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung gepflegter Stammdaten für Kunde, Baustelle, Material, Fahrzeug und Konditionen

Die fünf Stammdatenobjekte eines Baustoffwerks, woran schlechte Stammdaten erkennbar sind, was sie für Waage, Disposition, Faktura und Portal bedeuten, und ein Vorgehen für Bereinigung und laufenden Betrieb.

Jede Digitalisierung im Baustoffwerk beginnt bei fünf Stammdatenobjekten: Kunde, Baustelle, Material, Fahrzeug und Konditionen. Sind sie sauber, entstehen Lieferscheine, Rechnungen und Portalansichten von selbst aus dem Vorgang. Sind sie es nicht, erzeugt jede Software Freitext an der Waage, Rückfragen im Büro und Korrekturen nach der Rechnung, und die Einführung wird dafür verantwortlich gemacht. Stammdatenqualität ist deshalb keine Vorarbeit, die man abkürzen kann, sondern die Hälfte des Projekts.

Der Grund ist einfach: Eine Wiegesoftware, eine Dispositionssoftware oder eine Fakturierung erfasst nichts neu. Sie verknüpft, was in den Stammdaten steht, mit dem, was an der Waage oder auf der Baustelle passiert. Ein Kunde, den es zweimal gibt, hat zwei Sammelrechnungen. Eine Baustelle im Freitext hat kein Portal. Ein Material mit drei Schreibweisen hat drei Preise.

Die fünf Stammdatenobjekte eines Werks

Stammdatenobjekte im Baustoffwerk mit Pflichtangaben und führendem System
ObjektPflichtangabenFührendes SystemWer pflegt
KundeEindeutige Nummer, Rechnungsadresse, Rechnungsempfänger, Zahlungsbedingung, Rechnungsform, Übermittlungsweg für BelegeERP oder Verkauf im BranchensystemVerkauf, Buchhaltung für Zahlungsbedingungen
Baustelle oder LieferadresseBezug zum Kunden, Adresse, Ansprechperson, Bestellnummer des Kunden, gültig von und bis, FrachtregelBranchensoftware, VerkaufVerkauf bei Auftragsannahme
MaterialEindeutige Bezeichnung, Sorte, Körnung oder Rezeptur, Abrechnungseinheit, Umrechnungsfaktor, Lagerort, gegebenenfalls AbfallschlüsselERP oder Branchensoftware, genau einesWerksleitung, Verkauf für Handelsbezeichnung
Fahrzeug und SpediteurKennzeichen, Spediteur, Fahrzeugart, Merkmale wie Thermomulde oder Kipper, gespeicherte Tara mit DatumBranchensoftwareWaage, Disposition
KonditionenPreis je Kunde, Baustelle und Material, Gültigkeit, Zuschlagsregeln, Frachtregel, StaffelnVerkauf im BranchensystemVerkauf, Freigabe durch Verkaufsleitung

Die Spalte „Führendes System“ ist die wichtigste. Ein Objekt darf in mehreren Systemen vorkommen, gepflegt wird es in einem. Welches das ist, hängt von der Architektur aus Branchensoftware und ERP ab. Dass es entschieden wird, ist wichtiger als die Entscheidung selbst.

Woran schlechte Stammdaten im Alltag erkennbar sind

Schlechte Stammdaten fallen selten als solche auf. Sie fallen als Rückfrage, Korrektur oder Ausnahme auf, und die Ursache wird meist woanders gesucht.

Symptome schlechter Stammdaten und ihre Ursachen
Symptom im AlltagUrsache in den StammdatenFolge
Der Kunde bekommt zwei Sammelrechnungen für dieselbe BaustelleZwei Kundennummern für ein UnternehmenRückfrage, Rechnungskorrektur, Zahlungsverzug
Das Portal kann nicht nach Baustelle filternBaustelle als Freitext im Auftrag statt als StammdatumKunde ruft an, Portal wird nicht genutzt
Dasselbe Material hat drei PreiseDrei Schreibweisen im MaterialstammFalsche Rechnungen, Streit über Sorten
Die Waage fragt bei jedem zweiten Fahrzeug nachFahrzeuge nur in der Disposition, nicht an der Waage, Tara veraltetWartezeit, manuelle Eingabe, Wiegefehler
Der Rechnungslauf hat lange AusnahmelistenKonditionen ohne Gültigkeit oder ohne BaustellenbezugNacherfassung, verspätete Rechnungen
Zuschläge werden von Hand nachgetragenFrachtregel und Mindermenge nicht im AuftragErlösverlust oder Streit bei Nachberechnung
Der Kunde erhält Belege an die falsche AdresseÜbermittlungsweg und Empfänger nicht im KundenstammBeleg gilt als nicht zugestellt, Rechnung wird angezweifelt

Die Liste eignet sich als Test: Wer drei dieser Symptome wöchentlich sieht, hat ein Stammdatenproblem, unabhängig davon, welche Software im Einsatz ist.

Was Stammdaten je Prozess bedeuten

Jeder Prozess im Werk nutzt Stammdaten anders und scheitert an anderen Lücken.

Stammdaten je Prozess: Bedarf und typische Lücke
ProzessBrauchtScheitert an
WaageFahrzeuge mit Tara, Kunden, Baustellen, Materialien mit EinheitFremdfahrzeug ohne Stammdatum, Material mit falscher Einheit, Auftrag ohne Baustelle
DispositionBaustellen mit Adresse und Ansprechperson, Fahrzeuge mit Merkmalen, SpediteureBaustelle ohne Adresse, Fahrzeug ohne Fahrzeugart
FakturierungKonditionen mit Gültigkeit, Frachtregel, Rechnungsform und Empfänger je KundeKondition ohne Gültigkeit, Kunde ohne Rechnungsform
KundenportalBaustelle als Stammdatum unter dem Kunden, Bestellnummer, Zugänge je RolleBaustelle als Freitext, Kunde doppelt
DokumentenarchivAlle Bezüge des Belegs: Kunde, Baustelle, Auftrag, Fahrzeug, RechnungBeleg ohne Baustelle, Kunde mit zwei Nummern
AuswertungenEindeutige Materialien, Kunden und WerkeMaterialsynonyme, Kundendubletten

Die Baustelle taucht in jeder Zeile auf. Sie ist das Stammdatum, das in vielen Werken keines ist, weil der Auftrag sie als Freitext führt. Wer nur eine Regel aus diesem Text übernimmt, sollte diese nehmen: Die Baustelle wird angelegt, bevor der erste Auftrag darauf läuft, mit Bezug zum Kunden, Adresse, Ansprechperson und Bestellnummer.

Bereinigung vor der Einführung

Die Bereinigung ist ein Projekt mit Anfang und Ende, nicht eine Aufgabe nebenbei. Sechs Arbeitsschritte, die sich in dieser Reihenfolge bewährt haben.

  • Bestand exportieren und zählen

    Alle Kunden, Baustellen, Materialien, Fahrzeuge und Konditionen aus allen Systemen und Tabellen in eine Übersicht. Die Zahl der Kunden je System ist der erste Befund.

  • Dubletten zusammenführen

    Kunden mit gleicher Adresse oder Steuernummer, Materialien mit gleicher Sorte und Körnung, Fahrzeuge mit gleichem Kennzeichen. Je Dublette wird ein führender Eintrag bestimmt, die anderen werden zusammengeführt oder gesperrt.

  • Pflichtangaben füllen

    Je Objekt die Pflichtangaben aus der ersten Tabelle prüfen. Fehlende Einheiten, Umrechnungsfaktoren, Rechnungsempfänger und Übermittlungswege werden ergänzt, nicht später an der Waage.

  • Baustellen aus dem Freitext holen

    Aus den Aufträgen der letzten Zeit die tatsächlichen Baustellen ermitteln und als Stammdaten unter dem Kunden anlegen. Schreibweisen zusammenführen.

  • Führendes System festlegen

    Je Objekt genau ein System, in dem gepflegt wird, und die Richtung, in die es fließt. Das ist die Grundlage der Schnittstelle.

  • Verantwortliche benennen

    Je Objekt eine Person, die Neuanlagen freigibt und Änderungen pflegt, mit Vertretung. Stammdaten ohne Verantwortliche verschlechtern sich ab dem ersten Tag.

Regeln für den laufenden Betrieb

Bereinigte Stammdaten bleiben nur sauber, wenn der Betrieb Regeln hat, die einfacher sind als die Ausnahme.

  • Neuanlage nur im führenden System und nur durch die verantwortliche Person. Die Waage legt keine Kunden an.
  • Die Baustelle wird vor dem ersten Auftrag angelegt. Freitextfelder für Baustellen sind gesperrt.
  • Materialien werden mit Einheit und Umrechnungsfaktor angelegt. Synonyme werden als Suchbegriffe hinterlegt, nicht als neue Materialien.
  • Fremdfahrzeuge werden bei der ersten Anmeldung erfasst und nach einer festgelegten Frist geprüft oder gelöscht.
  • Konditionen haben ein Gültigkeitsende. Auslaufende Konditionen erscheinen in einer Liste, bevor sie auslaufen.
  • Kunden ohne Rechnungsform, Empfänger oder Übermittlungsweg werden für die Abrechnung gesperrt, bis die Angaben vorliegen.
  • Einmal im Quartal werden Dubletten, unvollständige Einträge und ungenutzte Stammdaten geprüft.

Prüfliste vor der Einführung

  • Der Bestand ist aus allen Systemen exportiert und gezählt.
  • Dubletten bei Kunden, Materialien und Fahrzeugen sind zusammengeführt.
  • Pflichtangaben je Objekt sind vollständig, insbesondere Einheiten, Rechnungsempfänger und Übermittlungswege.
  • Baustellen sind Stammdaten unter dem Kunden, nicht Freitext im Auftrag.
  • Je Objekt ist ein führendes System und eine verantwortliche Person benannt.
  • Die Regeln für den laufenden Betrieb sind schriftlich und im Werk bekannt.
  • Die Datenübernahme in die neue Software erfolgt aus dem bereinigten Bestand, nicht aus dem alten.

Häufige Fragen zur Stammdatenqualität

Können wir die Bereinigung dem Softwareanbieter überlassen?

Den technischen Teil, etwa den Export und das Zusammenführen, ja. Die Entscheidungen nicht: Welcher von zwei Kunden führend ist, welche Baustelle noch aktiv ist und welche Kondition gilt, weiß nur das Werk.

Wie lange dauert die Bereinigung?

Das hängt vom Bestand ab. Wichtiger als die Dauer ist der Stichtag, ab dem die Regeln gelten. Was danach angelegt wird, ist sauber. Was davor liegt, wird nach Nutzung bereinigt, nicht vollständig.

Was ist mit Baustellen, die nur einmal beliefert werden?

Auch sie werden als Stammdatum angelegt, mit Gültigkeitsende. Der Aufwand ist eine Minute, der Nutzen ist ein Beleg, den Portal, Archiv und Rechnung zuordnen können.

Wer sollte die Stammdaten verantworten?

Kunden und Konditionen der Verkauf, Materialien die Werksleitung, Fahrzeuge Waage oder Disposition. Eine Person je Objekt mit Vertretung, keine Sammelzuständigkeit für alles.

So geht es weiter

Bei TBSoft führen TBVertrieb Angebote, Aufträge und Konditionen, TBFakt und TBRegio pflegen Stammdaten und Konditionen mit Vererbung, damit wiederkehrende Regeln einmal statt je Lieferschein gepflegt werden, und TBScale übernimmt Kunden, Materialien und Fahrzeuge für die Waage. Die Datenübernahme ist Teil jeder Einführung: Bestand prüfen, übernehmen, Anwender einweisen. Zwischen ERP und Branchensoftware fließen Stammdaten über die ERP-Anbindung der Wiegesoftware, eine der Schnittstellen, die vor dem Start festgelegt werden. Ihren Bestand zählen wir gemeinsam, bevor die erste Waage angebunden wird.

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