Schrottannahme durchgängig digitalisieren
Wie Schrotthandel und Metallrecycling die Schrottannahme digital führen: Anlieferer und Transportmittel erfassen, mehrere Metallsorten zuordnen und teilverwiegen, Beleg ausgeben und die Einkaufsabrechnung vorbereiten.
Eine Schrottannahme ist digital, wenn Anlieferer, Transportmittel, jede Metallsorte und jedes Teilgewicht in einem Vorgang zusammenbleiben, von der Einfahrt bis zur Einkaufsabrechnung. Auf dem Schrottplatz entscheidet sich das in wenigen Minuten: Ein Pkw mit Anhänger bringt Kupferkabel, Aluminiumfelgen und einen alten Heizkörper, und aus dieser einen Anlieferung müssen drei Sorten mit drei Preisen und drei Gewichten werden. Wer das auf einem Zettel notiert und im Büro nachträgt, hat am Abend eine Kasse, die nicht zur Waage passt.
Die Schrottannahme ist damit der anspruchsvollste Wiegeprozess im Metallrecycling, weil in ihm zwei Welten zusammenkommen: viele kleine Anlieferungen mit wechselnden Kunden und Sorten auf der einen Seite, große Ausgangsmengen an Hütten und Händler auf der anderen. Beide brauchen dieselbe Sorgfalt an der Waage, aber unterschiedliche Abläufe, und beide sollten aus derselben Software kommen.
Warum der Zettel auf dem Schrottplatz nicht reicht
Der klassische Ablauf sieht so aus: Der Anlieferer fährt auf die Waage, das Bruttogewicht wird notiert, das Material wird abgeladen und gesichtet, der Platzmeister schätzt oder wiegt die Sorten einzeln, das Fahrzeug wird leer gewogen, und im Büro entsteht aus Zettel, Wiegeschein und Sortenliste ein Ankaufsbeleg. Zwischen diesen Schritten gehen Informationen verloren, und zwar immer dann, wenn es voll ist.
Die typischen Folgen kennt jeder Betrieb: Eine Sorte wurde geschätzt statt gewogen, und die Summe der Teilgewichte passt nicht zum Netto der Fahrzeugwiegung. Ein Anlieferer ist nur als Vorname bekannt. Eine Bewertung wurde mündlich zugesagt und später anders abgerechnet. Der Ausgangsbeleg für die Hütte trägt eine Sorte, die auf dem Platz anders heißt. Keiner dieser Fehler ist groß, aber alle zusammen kosten die Marge, die im Schrotthandel ohnehin knapp ist.
Der digitale Annahmevorgang
Digital heißt nicht, dass jeder Schritt einen Bildschirm braucht. Es heißt, dass die Anlieferung als ein Vorgang beginnt und alle Angaben, die auf dem Platz entstehen, diesem Vorgang zugeordnet werden, bis der Beleg fertig ist.
- Anlieferer und Transportmittel
Der Vorgang beginnt mit dem Anlieferer, ob Stammkunde per Kennzeichenerkennung oder Privatperson mit wenigen Angaben, und dem Transportmittel: Lkw, Pkw mit Anhänger, Container. Beides bestimmt, wie gewogen und abgerechnet wird.
- Bruttowiegung
Das beladene Fahrzeug wird gewogen. Bei bekannten Fahrzeugen mit zugelassener Kombination kann eine gespeicherte Tara verwendet werden. Bei Privatanlieferungen folgt die Leerwiegung nach dem Abladen.
- Sichtung und Sortenzuordnung
Auf dem Platz werden die Sorten festgelegt: Eisenschrott, Kupfer, Aluminium, Messing, Kabel, mit Reinheit oder Qualitätsstufe. Jede Sorte wird als Materialposition im Vorgang angelegt, nicht auf einem Zettel.
- Teilverwiegungen
Sorten, die nicht über die Fahrzeugwaage getrennt werden können, werden einzeln gewogen, auf der Bodenwaage oder Kranwaage. Die Teilgewichte werden den Positionen zugeordnet. Die Summe wird gegen das Netto der Fahrzeugwiegung geprüft.
- Beleg und Abrechnung
Beim Abschluss entstehen der Beleg für den Anlieferer mit allen Positionen und die Grundlage für die Einkaufsabrechnung. Störstoffe und Abzüge stehen als eigene Positionen im Vorgang.
Die Prüfung von Summen und Vollständigkeit vor dem Abschluss ist der Punkt, an dem digitale Annahme und Zettel sich unterscheiden. Passen die Teilgewichte nicht zum Netto, fehlt einer Position die Sorte oder ist ein Anlieferer ohne Angaben, wird der Vorgang nicht abgeschlossen, sondern sichtbar unvollständig gelassen. Die Sortenbezeichnungen folgen der Trennung in FE-Metalle und NE-Metalle mit ihren Untergruppen.
Kleinanlieferungen und Großanlieferungen
Die Anforderungen an die Software unterscheiden sich je nach Anlieferung, und ein guter Annahmeprozess kennt beide Wege.
Kleinanlieferungen von Privatpersonen und Handwerkern sind zahlreich, kurz und sortenreich. Hier zählt die Geschwindigkeit: Anlieferer mit wenigen Angaben anlegen, Sorten aus einer kurzen Liste wählen, Teilgewichte zuordnen, Beleg drucken, fertig. Alles, was länger als die Sichtung dauert, staut den Platz. Gesetzliche Anforderungen an Ankaufsbelege und die Feststellung der Identität des Anlieferers regelt der Betrieb nach den für ihn geltenden Vorschriften. Die Software muss die dafür nötigen Angaben am Vorgang führen können.
Großanlieferungen von Gewerbekunden, Abbruchunternehmen und Industriebetrieben kommen mit Container oder Sattelzug, oft mit angekündigter Sorte und vereinbarten Konditionen. Hier zählt die Zuordnung: Kunde und Kondition aus den Stammdaten, Fahrzeug per Kennzeichenerkennung, Sorte aus der Ankündigung, Bewertung bei der Sichtung mit Abzügen für Störstoffe. Kennzeichenerkennung, Kundenkarte oder Vorgangsnummer sind die Identifikationswege an der Waage, die sich dafür bewährt haben.
Die Bewertung nachvollziehbar festhalten
Die Bewertung ist der Schritt, der im Schrotthandel am häufigsten zu Streit führt: Welche Sorte, welche Reinheit, welcher Abzug für Störstoffe, welcher Tagespreis. Digital heißt hier, dass die Bewertung als Teil des Vorgangs festgehalten wird: Sorte je Position, Abzug als eigene Position mit Begründung, Preis aus der Preisliste zum Annahmezeitpunkt. Wer später nachfragt, findet nicht nur das Gewicht, sondern auch, wer wann welche Sorte festgelegt hat.
Korrekturen nach dem Abschluss brauchen denselben Rahmen wie an jeder Waage: Bezug zum Original, Bearbeiter, Grund, Freigabe. Ein Vorgang, der bereits abgerechnet oder ausgezahlt ist, wird nicht geändert, sondern mit einem Bezugsvorgang korrigiert. Korrekturen, Stornos und Nachverwiegungen bleiben dabei mit Grund und Bearbeiter am Vorgang.
Ausgangsverwiegung und Belege für Abnehmer
Was auf dem Platz sortiert und aufbereitet wurde, verlässt ihn als Ausgangsmenge an Hütten, Händler oder Verwerter. Die Ausgangsverwiegung ist das Gegenstück zur Annahme: Abnehmer, Materialposition und Transport werden vor der Wiegung zugeordnet, das Gewicht entsteht an der Fahrzeugwaage, der Lieferbeleg geht mit dem Fahrzeug und digital an den Abnehmer, die Verkaufsabrechnung folgt aus dem Vorgang.
Damit Einkauf und Verkauf zusammenpassen, müssen die Sortenbezeichnungen auf beiden Seiten dieselben sein oder eindeutig zugeordnet werden. Ein Betrieb, der im Einkauf „Kabel mit Isolierung“ und im Verkauf „Kabelschrott Kupfer“ führt, braucht eine Zuordnung im Materialstamm, sonst stimmt die Stoffstrombilanz nie. Lieferanten und Abnehmer, die ihre Belege selbst einsehen wollen, finden sie in einem Kundenportal. Was ein Portal dafür leisten muss, steht auf der Übersichtsseite zum Kundenportal.
Einführung auf dem laufenden Platz
Ein Schrottplatz schließt nicht für ein Softwareprojekt. Die Einführung beginnt deshalb mit dem Teilprozess, der den größten Unterschied macht, und wächst von dort.
- Sortenliste bereinigen: Bezeichnungen, die Platz, Büro und Abnehmer gleich verwenden, mit Reinheitsstufen und Abzugsregeln.
- Stammkunden, Spediteure und Fahrzeugkombinationen anlegen und Preislisten mit Gültigkeit hinterlegen.
- Waagen anbinden: Fahrzeugwaage, Bodenwaage, gegebenenfalls Kranwaage, damit Teilverwiegungen ohne Zettel in den Vorgang kommen.
- Mit der Annahme beginnen, weil dort die meisten Vorgänge und die meisten Fehler entstehen. Die Ausgangsverwiegung folgt, wenn die Sortenliste steht.
- Die Ausnahmen durchspielen: Anlieferer ohne Angaben, Sorte nicht in der Liste, Teilgewichte passen nicht zum Netto, Korrektur nach Auszahlung.
Wo die Module von TBSoft ansetzen
Bei TBSoft bildet TBScale die Schrottannahme als Vorgang ab, mit Anlieferer, Transportmittel, Materialpositionen, Teilverwiegungen und geprüften Summen, und führt die Ausgangsverwiegung bis zum Lieferbeleg für den Abnehmer. TBAutoIdent erkennt wiederkehrende Fahrzeuge, TBTouchScale übernimmt die Bestätigung am Terminal, TBRegio rechnet Einkauf und Verkauf aus den geprüften Mengen ab, TBArchiv hält Wiegescheine und Belege je Geschäftspartner vor. Für Schrotthandel und Metallrecycling sind das in der Regel Waage, Belege, Einkaufsabrechnung und Portal.
Häufige Fragen zur digitalen Schrottannahme
Wie viele Sorten kann eine Anlieferung haben?
So viele, wie auf dem Platz sortiert werden. Jede Sorte ist eine Position im Vorgang mit eigenem Gewicht und eigenem Preis. Die Summe der Positionen wird gegen das Netto der Fahrzeugwiegung geprüft.
Was ist mit Sorten, die nur geschätzt werden können?
Sie werden als geschätzte Position gekennzeichnet, damit im Büro erkennbar ist, welche Gewichte aus einer Wiegung stammen und welche nicht. Besser ist eine Boden- oder Kranwaage, die Teilgewichte ohne Schätzung liefert.
Wie schnell läuft eine Kleinanlieferung?
So schnell wie Sichtung und Teilverwiegung. Anmeldung, Sortenwahl und Beleg sind Sache von Sekunden, wenn Sortenliste und Preisliste gepflegt sind. Die Zeit auf dem Platz bestimmt der Anlieferer, nicht die Software.
Können wir Auszahlung und Ankaufsbeleg an unsere Vorschriften anpassen?
Welche Angaben ein Ankaufsbeleg tragen muss und wie ausgezahlt wird, richtet sich nach den Vorschriften, die für den Betrieb gelten. Der Vorgang führt die dafür nötigen Angaben. Die Ausgestaltung wird bei der Einführung mit dem Betrieb abgestimmt.
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