Cloud, On-Premises oder Hybrid: Welche Architektur passt zum Werk?
Fünf Fragen entscheiden über die Architektur der Branchensoftware: Muss die Waage ohne Internet wiegen, wer betreibt die Systeme, wo liegen die Daten, wie werden Standorte verbunden, was kostet der Betrieb.
Ob Branchensoftware in der Cloud, auf eigenen Servern oder in einer Mischform betrieben wird, entscheidet sich im Baustoffwerk an einer Stelle zuerst: an der Waage. Sie muss wiegen, wenn das Internet ausfällt, und das schließt eine reine Cloudlösung für den Wiegeprozess aus. Alles andere, Fakturierung, Kundenportal, Archiv, Statistik, kann zentral laufen und läuft dort meist besser. Die Architekturfrage lautet deshalb nicht „Cloud oder nicht“, sondern: Welche Teile brauchen den Standort, und welche brauchen ihn nicht.
Fünf Fragen führen zur Antwort. Sie gelten für ein einzelnes Werk genauso wie für eine Werksgruppe. Bei der Werksgruppe kommt die vierte Frage mit mehr Gewicht hinzu.
Frage 1: Muss die Waage ohne Internet wiegen?
Ja, in jedem Werk. Eine Fahrzeugwaage, die bei einer Störung der Leitung stillsteht, bringt den Hof innerhalb einer halben Stunde zum Erliegen. Der Wiegeprozess braucht deshalb eine lokale Komponente: die Anbindung an die Auswerteelektronik, Aufträge und Stammdaten in einer lokalen Kopie, Belegdruck vor Ort, eine Warteschlange für alles, was nach außen geht. Eine reine Cloudanwendung im Browser kann das nicht. Eine lokal installierte Software mit zentralen Diensten dahinter kann es. Das ist der Edge-Betrieb: lokal wiegen, später abgleichen.
Was für die Waage gilt, gilt in abgeschwächter Form für die Verladung und die Selbstbedienung: Terminal, Schranke, Kennzeichenerkennung und Drucker hängen an lokaler Technik. Für die Disposition gilt es nicht, sie kann bei Störungen telefonieren. Für die Fakturierung gilt es nicht, ein Rechnungslauf wartet einen Tag.
Frage 2: Wer betreibt Server, Updates und Datensicherung?
On-Premises heißt: Das Werk oder sein IT-Dienstleister betreibt den Server, spielt Updates ein, sichert Daten und sorgt für Ersatz, wenn Hardware ausfällt. Cloud heißt: Der Anbieter tut das, und das Werk zahlt dafür im Betrieb. Hybrid heißt: Für die lokale Komponente an der Waage bleibt ein Teil beim Werk, für die zentralen Dienste liegt er beim Anbieter, und die Grenze muss beschrieben sein.
Die ehrliche Antwort auf diese Frage hängt davon ab, ob das Werk jemanden hat, der nachts um zwei eine Datenbank zurückspielt. Viele Werke haben das nicht und wollen es nicht haben. Für sie ist der zentrale Betrieb durch den Anbieter kein Komfort, sondern die Voraussetzung, dass Datensicherung überhaupt stattfindet. Die Aufteilung von Sicherung und Wiederanlauf zwischen Anbieter und Werk gehört dann in den Vertrag.
Frage 3: Wo liegen die Daten, und wer greift zu?
Drei Gruppen greifen von außen zu: Kunden im Portal, Fremdspediteure und Fahrer über die mobile App, und der Anbieter für Support und Updates. Ein Kundenportal ist von Natur aus ein zentraler Dienst. Es liegt außerhalb des Werksnetzes, sonst müsste jeder Kunde in dieses Netz. Dasselbe gilt für die Anbindung mobiler Geräte. Wer diese Funktionen nutzt, betreibt bereits einen Teil seiner Systeme außerhalb des Werks, ob er es Cloud nennt oder nicht.
Für die Datenhaltung folgt daraus eine Regel: Bewegungsdaten entstehen lokal an der Waage und werden zentral zusammengeführt. Stammdaten werden zentral geführt und lokal gespiegelt. Dokumente liegen im Archiv, das zentral erreichbar ist. Rechtlich ist die Verarbeitung durch den Anbieter eine Auftragsverarbeitung mit den entsprechenden Vereinbarungen. Personenbezogene Daten wie Fahrernamen und Positionsdaten sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie Kundendaten. Wer im Werk was sehen darf, ist davon unabhängig. Das regeln Rollen und Rechte.
Frage 4: Wie werden mehrere Standorte verbunden?
Ein Werk mit einer Waage kann alles lokal betreiben. Zwei Werke mit gemeinsamen Kunden und gemeinsamer Rechnung brauchen einen gemeinsamen Datenbestand für Stammdaten, Aufträge und Fakturierung, und dafür gibt es zwei Wege: einen zentralen Server im eigenen Netz, den alle Standorte über gesicherte Verbindungen erreichen, oder zentrale Dienste beim Anbieter. Beide Wege verlangen, dass die Waage jedes Standorts lokal weiterarbeitet, wenn die Verbindung zur Zentrale fehlt, und dass der Abgleich danach geregelt ist. Offene Besuche an mehreren Waagen und gemeinsame Mengenregeln sind dabei die Punkte, an denen sich die Organisation mehrerer Waagen und Standorte entscheidet.
Je mehr Standorte, desto stärker spricht die Betriebsfrage für zentrale Dienste: Ein Update, das an vier Standorten von vier Personen eingespielt werden muss, wird an einem davon vergessen.
Frage 5: Was kostet der Betrieb über Jahre?
On-Premises verschiebt Kosten nach vorn: Server, Lizenzen, Einrichtung, dann laufende Wartung und interne IT-Zeit. Cloud verteilt sie: Nutzungsgebühr, in der Betrieb, Updates und Sicherung enthalten sind. Hybrid liegt dazwischen, und der lokale Teil an der Waage bleibt in jedem Modell. Vergleichbar werden die Modelle erst als Gesamtkosten über mehrere Jahre, unter Einrechnung der internen Kosten, die in keinem Angebot stehen.
Hybrid als Regelfall im Werk
Aus den fünf Fragen ergibt sich für die meisten Werke dieselbe Architektur: Der Wiegeprozess mit Waage, Terminal, Peripherie und lokaler Datenhaltung läuft am Standort. Fakturierung, Kundenportal, Archiv, Statistik und die Verbindung mehrerer Standorte laufen zentral, beim Anbieter oder auf einem eigenen zentralen Server. Die Disposition läuft dort, wo die Disponenten sitzen, und braucht die Telematik als externen Dienst ohnehin. Hybrid ist keine Kompromisslösung, sondern das Abbild des Werks: Die Waage ist ein physischer Ort, die Rechnung nicht.
| Kriterium | Cloud | On-Premises | Hybrid |
|---|---|---|---|
| Wiegen bei Internetausfall | Nicht möglich ohne lokale Komponente | Ja, alles lokal | Ja, Wiegeprozess lokal, zentrale Dienste warten |
| Betrieb, Updates, Datensicherung | Anbieter | Werk oder IT-Dienstleister | Geteilt nach beschriebener Grenze |
| Kundenportal und mobile Geräte | Enthalten | Zusätzlicher externer Zugang nötig | Zentrale Dienste außerhalb des Werksnetzes |
| Mehrere Standorte | Von Haus aus zentral | Zentraler Server und gesicherte Verbindungen | Lokale Waagen, zentrale Stammdaten und Fakturierung |
| Kostenverlauf | Laufende Nutzungsgebühr | Investition vorn, laufende Wartung und IT-Zeit | Lokale Investition an der Waage, zentrale Gebühr |
| Abhängigkeit vom Anbieter | Hoch im Betrieb, Export vertraglich regeln | Gering im Betrieb, hoch bei Updates | Mittel, Datenhaltung und Export klar regeln |
Fragen an den Anbieter
- Welche Teile der Software laufen am Standort, welche zentral, und was passiert an der Waage ohne Verbindung?
- Wer betreibt die zentralen Dienste, wo stehen die Server, und wie ist die Auftragsverarbeitung geregelt?
- Wie werden Updates am Standort eingespielt, und ist dafür ein Stillstand an der Waage nötig?
- Wie kommen die Daten zurück, wenn der Vertrag endet, in welchem Format und mit welchen Dokumenten?
- Wie werden zwei oder mehr Standorte verbunden, und was passiert beim Ausfall der Zentrale?
Bei TBSoft beginnt ein Projekt mit der Analyse von Waage, Materialfluss, Stammdaten, Peripherie und Schnittstellen. Welche Betriebsform für TBScale an der Waage, für TBFakt und TBRegio in der Fakturierung und für das Kundenportal zum Werk passt, wird in dieser Analyse anhand der konkreten Systemlandschaft und ihrer Schnittstellen festgelegt.
Häufige Fragen zur Architektur der Branchensoftware
Ist Cloud unsicherer als der eigene Server?
Nicht grundsätzlich. Ein professionell betriebenes Rechenzentrum hat meist bessere Sicherung, Zugangskontrolle und Ausfallvorsorge als ein Serverraum im Werk. Entscheidend sind Vertrag, Auftragsverarbeitung, Verschlüsselung und die Frage, wer Zugriff hat.
Können wir mit On-Premises anfangen und später wechseln?
Ja, wenn die Software beide Betriebsformen unterstützt und die Datenhaltung von Anfang an so aufgebaut ist, dass die zentralen Teile verschoben werden können. Das sollte vor dem Start geklärt sein, nicht beim Wechsel.
Braucht ein Werk mit einer Waage überhaupt zentrale Dienste?
Für das Kundenportal und die mobile App ja, für Fakturierung und Archiv nicht zwingend. Ein Einzelwerk ohne Portal kann alles lokal betreiben. Sobald Kunden Belege selbst abrufen sollen, kommt ein zentraler Dienst hinzu.
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