Digitale Lieferscheine · Fachartikel

Digitale Lieferscheine einführen: Ablauf und Zuständigkeiten

12 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung eines Tablets mit Einführungscheckliste, einer Fahrzeugwaage und einem verbundenen Büroarbeitsplatz

Wie ein Werk vom Papierlieferschein auf den digitalen Beleg umstellt: Zuständigkeiten je Station, Bestätigungs- und Übermittlungswege, ein Pilot mit einem Kunden und die Prüfliste vor dem Stichtag.

Digitale Lieferscheine einführen heißt, drei Fragen vor dem ersten Beleg zu beantworten: Wo entsteht der Lieferschein, wer bestätigt ihn, und auf welchem Weg kommt er beim Empfänger an? Wer diese drei Fragen je Station beantwortet, kann die Umstellung mit einer Waage und einem Kunden beginnen und danach Kunde für Kunde erweitern. Wer sie offen lässt, digitalisiert den Ausdruck und behält die Doppelerfassung.

Der Beleg selbst ändert sich dabei kaum. Ein Lieferschein trägt Auftrag, Kunde, Baustelle, Material, Gewichte, Fahrzeug, Zeit und Bestätigung, ob auf Papier oder als Datensatz. Was sich ändert, ist die Reihenfolge: Der digitale Lieferschein wird einmal an der Waage erzeugt und von dort an Fahrer, Kunde, Archiv und Rechnung verteilt, statt an jeder Station neu abgeschrieben zu werden.

Was der digitale Lieferschein enthalten und leisten muss

Bevor ein Werk Zuständigkeiten verteilt, sollte feststehen, welche Angaben der Beleg trägt und aus welcher Quelle sie stammen. Die meisten Angaben sind vor der Wiegung bekannt und kommen aus Auftrag und Stammdaten. Die Gewichte entstehen an der Waage, die Bestätigung beim Fahrer oder Empfänger.

Angaben eines digitalen Lieferscheins und ihre Quelle im Prozess
AngabeQuelleWer prüft vor dem Abschluss
Kunde, Baustelle, LieferadresseAuftrag aus Verkauf oder DispositionWaagepersonal oder Selbstbedienung: Auftrag zum Fahrzeug passend?
Material, Sorte, Körnung oder RezepturAuftragsposition und MaterialstammWaagepersonal beim Aufruf, Verladung beim Beladen
Brutto, Tara, NettoWaage, Erst- und ZweitwiegungWiegesoftware: Plausibilität, gespeicherte Tara, Fahrzeugkombination
Fahrzeug, Kennzeichen, Fahrer, SpediteurFahrzeugstamm, Kennzeichenerkennung oder AnmeldungWaagepersonal bei Fremdfahrzeugen
Zuschläge, Zusatzartikel, FrachtKonditionen aus Auftrag oder KundenstammVerkauf vor der Lieferung, nicht die Waage im Nachhinein
Zeitstempel, Belegnummer, VersionWiegesoftware beim AbschlussAutomatische Vergabe, Nachdruck und Korrektur bleiben erkennbar
Bestätigung durch Fahrer oder EmpfängerUnterschrift am Terminal, Bestätigung auf der BaustelleProzessregel: Was gilt als bestätigt?

Eine Wiegesoftware wie TBScale erzeugt den Lieferschein beim Abschluss der Wiegung mit konfigurierbarem Layout, Zuschlägen und Zusatzartikeln und gibt ihn als Druck oder PDF aus. Was das Werk selbst festlegen muss, ist die letzte Zeile der Tabelle: Welche Bestätigung reicht, damit der Beleg als zugestellt gilt? Diese Regel entscheidet später über Reklamationen und Rechnungsfreigabe.

Zuständigkeiten je Station

Ein digitaler Lieferschein durchläuft vier Stationen, an denen jeweils eine Person etwas tun oder entscheiden muss. Die häufigste Ursache für gescheiterte Einführungen ist nicht die Technik, sondern eine Station ohne benannte Zuständigkeit: Der Beleg ist digital, aber niemand fühlt sich für fehlende Angaben oder eine verweigerte Bestätigung verantwortlich.

  • Waage: Beleg erzeugen und abschließen

    Das Waagepersonal oder das Selbstbedienungsterminal ordnet Fahrzeug und Auftrag zu, schließt die Wiegung ab und erzeugt den Beleg. Zuständig für Vollständigkeit vor dem Abschluss: unbekanntes Fahrzeug, fehlende Baustelle, Auftrag ohne Konditionen.

  • Fahrer: Bestätigen und mitnehmen

    Der Fahrer bestätigt den Beleg am Terminal oder in der Selbstbedienung mit digitaler Unterschrift. Er nimmt den Beleg digital oder gedruckt mit und übergibt ihn auf der Baustelle. Zuständig für: richtige Ladung zum richtigen Beleg.

  • Büro: Verteilen, archivieren, abrechnen

    Die Verwaltung legt fest, wohin der Beleg automatisch geht: Kunde per PDF, Archiv, Fakturierung, Portal. Zuständig für Empfängerdaten, Sammelrechnungsregeln und die Freigabe von Korrekturen.

  • Kunde: Empfangen und prüfen

    Polier, Bauleitung oder Einkauf bestätigen den Empfang und prüfen Mengen gegen Bestellung. Zuständig für die Rückmeldung von Abweichungen innerhalb einer vereinbarten Frist.

Für jede Station gehört ein Vertreter benannt. Im Werk ist das meist der Key-User je Schicht, im Büro die Person, die Rechnungsläufe freigibt. Beim Kunden ist es oft die Bauleitung, die auch Rechnungen prüft. Ohne Vertretung landet der digitale Beleg genauso im Stapel wie der Papierbeleg, nur unsichtbar.

Bestätigung, Übermittlung und Empfang

Der zweite Baustein der Einführung sind die Übermittlungswege. Ein Werk braucht selten nur einen: Der Stammkunde mit Portal, der Fremdspediteur ohne Zugang und die Behörde mit eigenen Anforderungen wollen den Beleg auf unterschiedlichen Wegen. Entscheidend ist, dass jeder Weg einen Nachweis hinterlässt, den das Büro ohne Rückfrage findet.

Übermittlungswege für digitale Lieferscheine im Vergleich
WegFür wenNachweis der ZustellungTypische Schwachstelle
Druck an der Waage oder am TerminalFahrer, Baustelle ohne Portal, KontrollenBeleg im Fahrzeug, keine digitale BestätigungAusdruck geht verloren oder wird nie ins Büro zurückgebracht
PDF-Versand per E-MailKunden ohne Portal, SpediteureVersandprotokoll, Empfängeradresse im KundenstammFalsche oder veraltete Adresse, dadurch landet der Beleg bei der falschen Person
Bereitstellung im KundenportalStammkunden mit mehreren BaustellenBeleg ist abrufbar. Wer wann abruft, hängt vom Portal abKunde hat keinen Zugang oder kennt ihn nicht
Datenübergabe an das System des KundenGroße Kunden mit eigener Bauakte oder ERPEmpfangsbestätigung der SchnittstelleAbweichende Datenfelder, keine Regel für Korrekturen

Die Wiegesoftware sollte mehrere dieser Wege parallel bedienen: Druck an konfigurierten Druckzielen, automatischer PDF-Versand und die Übergabe von Lieferscheindaten an Portal, Archiv und Fakturierung über abgestimmte Schnittstellen. Welche Kombination je Kunde gilt, gehört in den Kundenstamm, nicht in das Gedächtnis des Waagepersonals.

Für die Bestätigung gilt dieselbe Logik. Die Unterschrift des Fahrers am Terminal bestätigt die Übernahme der Ladung. Ob sie auch als Empfangsbestätigung des Kunden gilt oder ob die Baustelle separat bestätigt, ist eine Vereinbarung zwischen Werk und Kunde. Legen Sie diese Vereinbarung vor dem Pilot fest und schreiben Sie sie in die Lieferbedingungen.

Der Pilot: eine Waage, ein Kunde, ein vollständiger Ablauf

Die Einführung gelingt am zuverlässigsten mit einem Pilot, der klein genug ist, um jede Ausnahme zu sehen, und vollständig genug, um den gesamten Weg vom Wiegeschein bis zur Rechnung zu prüfen. Ein Stammkunde mit regelmäßigen Lieferungen und einer Ansprechperson auf der Baustelle ist der beste Partner.

  • Ist-Aufnahme an der Waage

    Einen Vormittag mit Stoßzeit beobachten: Wo werden Zettel geschrieben, welche Angaben fehlen regelmäßig, wie werden Fremdfahrer abgefertigt, wie oft wird ein Beleg nachgedruckt.

  • Stammdaten und Empfängerwege

    Kunden, Baustellen, Lieferadressen, E-Mail-Empfänger und Portalzugänge des Pilotkunden prüfen. Konditionen und Zuschläge im Auftrag, nicht auf dem Beleg nachtragen.

  • Einweisung je Station

    Waagepersonal an der Waage, Fahrer am Terminal, Büro am Rechnungslauf, Pilotkunde am Portal oder Postfach. Jede Station kennt ihre Zuständigkeit und ihre Vertretung.

  • Parallelbetrieb mit Vergleich

    Einige Wochen Papier und digital parallel. Verglichen werden nicht die Belege, sondern die Ausnahmen: Was hat der digitale Weg nicht abgefangen?

  • Stichtag und Erweiterung

    Nach dem Pilot einen Stichtag je Kundengruppe festlegen. Kunden mit Portal zuerst, dann Kunden mit PDF-Versand, zuletzt Sonderfälle mit Druck.

Die Rückmeldungen aus dem Pilot gehören in eine kurze Liste mit Datum, Station und Entscheidung. Ein typischer Eintrag lautet: Fremdfahrer ohne Auftrag am Samstag, Terminal verweist auf Telefonnummer, Büro legt Auftrag nachträglich an. Solche Fälle entscheiden darüber, ob der Ablauf im Alltag trägt.

Prüfliste vor dem Stichtag

  • Jede Station hat eine zuständige Person und eine Vertretung, im Werk je Schicht.
  • Der Kundenstamm enthält je Kunde den Übermittlungsweg, die Empfänger und die Regel für Sammelrechnungen.
  • Die Bestätigungsregel ist vereinbart: Was gilt als zugestellt, was als angenommen, innerhalb welcher Frist meldet der Kunde Abweichungen?
  • Korrekturen haben einen Ablauf mit Freigabe im Büro.
  • Das Archiv legt den Beleg dem Vorgang zugeordnet ab. Die Fakturierung übernimmt Mengen und Konditionen ohne erneute Eingabe.
  • Störung und Ausfall sind geregelt: Was passiert an der Waage, wenn Netzwerk oder ERP nicht erreichbar sind?
  • Der vollständig papierlose Ablauf ist geprüft, oder die verbleibenden Ausdrucke sind bewusst entschieden.

Häufige Fragen zur Einführung digitaler Lieferscheine

Müssen alle Kunden gleichzeitig umgestellt werden?

Nein. Die Wiegesoftware bedient Druck, PDF-Versand und Portal parallel. Sinnvoll ist eine Reihenfolge nach Kundengruppen: Stammkunden mit Portal zuerst, danach Kunden mit PDF-Versand, zuletzt Sonderfälle, die einen Ausdruck im Fahrzeug brauchen.

Was passiert mit Fremdfahrern, die kein Terminal bedienen wollen?

Die Selbstbedienung an der Waage ist für genau diese Situation gebaut: Der Fahrer findet seine Aufträge, unterschreibt digital und erhält den Beleg gedruckt oder digital. Für unbekannte Fahrzeuge ohne Auftrag braucht es einen Ausnahmeweg mit Telefonnummer oder Anmeldung im Büro, der im Pilot getestet wird.

Ersetzt die digitale Unterschrift die Unterschrift des Kunden auf der Baustelle?

Das ist eine Vereinbarung, keine Eigenschaft der Software. Die Unterschrift am Terminal bestätigt die Übernahme durch den Fahrer. Ob die Baustelle zusätzlich bestätigt und wie Abweichungen gemeldet werden, legen Werk und Kunde in den Lieferbedingungen fest.

Wie lange dauert die Einführung?

Das hängt von Stammdatenqualität und Zahl der Übermittlungswege ab, nicht von der Installation. Ein Pilot mit einem Kunden ist in wenigen Wochen belastbar. Die Erweiterung folgt dem Tempo, in dem Kunden ihre Empfänger und Zugänge bestätigen.

So geht es weiter

Bei TBSoft erzeugt TBScale den Lieferschein an der Waage mit digitaler Unterschrift, PDF-Versand und konfigurierbaren Druckzielen, TBTouchScale übernimmt die Selbstbedienung, TBArchiv legt Belege dem Vorgang zugeordnet ab, und die Fakturierung rechnet aus den bestätigten Lieferdaten ab. Wie Beleg, Unterschrift, Versand, Archiv und Rechnung zusammenspielen, steht auf der Übersichtsseite zu digitalen Lieferscheinen. Den Gesamtablauf vom Auftrag bis zum Kundenportal zeigt die Seite zum digitalen Prozess. Der konkrete Funktions- und Integrationsumfang wird im Projekt abgestimmt.

Mehr Fachwissen?

Alle Fachartikel dieser Lösung.

Einführung, Abläufe und Betrieb: weitere Fachartikel zu dieser Lösung für Werksleitung, Disposition und Verwaltung.