Digitale Lieferscheine · Fachartikel

Der 0-Blatt-Lieferschein: Wie ein vollständig papierloser Ablauf funktioniert

11 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung eines papierlosen Belegwegs vom Wiegeterminal über ein Smartphone zum Laptop

Kein Ausdruck an der Waage, kein Durchschlag im Lkw, kein Scan im Büro: Station für Station durch den papierlosen Lieferscheinprozess, mit den Ausnahmen, die Papier zurückbringen, und dem 0-Blatt-Test.

Ein 0-Blatt-Lieferschein ist ein Lieferschein, der an keiner Station des Lieferprozesses ausgedruckt werden muss: nicht an der Waage, nicht für den Fahrer, nicht auf der Baustelle, nicht im Büro und nicht für das Archiv. Er funktioniert, wenn jede Station den Beleg digital erhält, digital bestätigt und digital weitergibt. Sobald eine Station Papier braucht, entsteht der Zettel zurück, und mit ihm das Abtippen.

Das Ziel ist nicht der Verzicht auf Papier um seiner selbst willen. Jeder Ausdruck ist ein Medienbruch: Was gedruckt wird, muss irgendwo wieder erfasst, gescannt oder abgeheftet werden. Der papierlose Lieferschein spart deshalb nicht in erster Linie Papier, sondern die Arbeit, die aus Papier folgt. Sieben Stationen entscheiden darüber, ob das gelingt. An jeder gibt es einen digitalen Ersatz und eine Ausnahme, die ein Werk bewusst entscheiden muss.

Sieben Stationen, an denen Papier entsteht

Ein Papierlieferschein ist selten ein einzelnes Blatt. In vielen Werken entstehen zwischen Wiegung und Rechnung mehrere Ausdrucke und Kopien desselben Belegs. Die folgende Übersicht zeigt, welches Papier an welcher Station üblich ist und was es im digitalen Ablauf ersetzt.

Papier im Lieferprozess und sein digitaler Ersatz
StationPapier heuteDigitaler ErsatzVoraussetzung
Waage: Beleg erzeugenAusdruck in zwei bis drei ExemplarenDatensatz in der Wiegesoftware, Beleg als PDFAuftrag und Stammdaten vollständig vor der Wiegung
Waage: BestätigungUnterschrift auf dem AusdruckDigitale Unterschrift am Terminal, eingebunden im DokumentTerminal oder Selbstbedienung mit Unterschriftsfunktion
Fahrer: Beleg im FahrzeugDurchschlag hinter der SonnenblendeBeleg digital beim Fahrer, Auftragsinformationen über Telematik oder Fahrer-AppFahrer erreichbar, Regel für Kontrollen und Fremdfahrer
Baustelle: EmpfangUnterschrift des Poliers, Kopie bleibt auf der BaustelleBestätigung durch den Empfänger, Beleg im Kundenportal oder per PDFVereinbarung mit dem Kunden, wer bestätigt und wie
Büro: ErfassungBelege sammeln, abtippen, prüfenLieferscheindaten fließen in Fakturierung und ArchivSchnittstellen und Regeln für Sammelrechnungen
ArchivOrdner nach Kunde und MonatDokumentenarchiv mit Zuordnung zum VorgangArchivanbindung der Wiegesoftware und Fakturierung
RechnungLieferscheinkopie als RechnungsanlageRechnung mit Belegbezug, auf Wunsch als XRechnung oder ZUGFeRDFakturierung aus den Lieferdaten

Die dritte und vierte Zeile entscheiden. Waage, Büro und Archiv sind in vielen Werken bereits digital. Das Papier entsteht im Fahrzeug und auf der Baustelle, weil dort niemand einen Bildschirm hat oder weil der Kunde einen Zettel erwartet. Genau dort setzt der 0-Blatt-Ablauf an.

Der papierlose Ablauf Station für Station

An der Waage beginnt der Ablauf wie bisher: Das Fahrzeug wird identifiziert, der Auftrag aufgerufen, die Wiegung abgeschlossen. Die Wiegesoftware erzeugt daraus den Lieferschein als Datensatz mit Gewichten, Auftrag, Fahrzeug und Konditionen. Layout, Logo, Zuschläge und Zusatzartikel sind Teil des Belegs. Ein Ausdruck ist eine mögliche Ausgabe, keine Voraussetzung.

  • Bestätigung am Terminal

    Der Fahrer unterschreibt digital am Terminal oder am Selbstbedienungsterminal. Die Unterschrift wird direkt in das Lieferschein-Dokument eingebunden. Damit entfällt der Grund für den ersten Ausdruck: die Unterschrift auf Papier.

  • Übergabe an den Kunden

    Der Beleg geht automatisch als PDF an die hinterlegten Empfänger und in das Kundenportal, bevor das Fahrzeug die Baustelle erreicht. Die Baustelle bestätigt den Empfang auf dem vereinbarten Weg statt auf einem Durchschlag.

  • Beleg im Fahrzeug

    Der Fahrer hat den Beleg digital und die Auftragsinformationen aus der Disposition. Wer im Fahrzeug einen Nachweis vorzeigen muss, zeigt den Beleg auf dem Gerät oder erhält einen Ausdruck, der bewusst als Ausnahme entschieden wurde.

  • Archiv und Fakturierung

    Lieferschein und spätere Rechnung liegen dem Vorgang zugeordnet im Dokumentenarchiv. Die Fakturierung übernimmt Mengen und Konditionen aus den Lieferdaten und erzeugt Einzel- oder Sammelrechnungen ohne Lieferscheinkopie als Anlage.

Der Unterschied zum halbdigitalen Ablauf liegt in der Reihenfolge. Im halbdigitalen Ablauf wird der Beleg gedruckt, unterschrieben, mitgenommen und im Büro wieder erfasst. Die Software dokumentiert, was auf Papier passiert ist. Im 0-Blatt-Ablauf passiert alles im Datensatz, und Papier wird nur erzeugt, wenn eine Station es ausdrücklich verlangt.

Was der Fahrer in der Hand hat

Die häufigste Frage vor der Umstellung lautet: Was zeigt der Fahrer vor, wenn er angehalten wird oder der Polier einen Beleg sehen will? Die Antwort hängt von Material, Kunde und Region ab und muss vor der Einführung je Fall geklärt werden. Drei Antworten sind üblich.

Der Fahrer zeigt den Beleg auf dem Gerät. Für Baustellen, die den Beleg ohnehin im Kundenportal oder per PDF erhalten, ist die Anzeige auf dem Gerät des Fahrers eine Bestätigung, kein Ersatzbeleg. Der Fahrer benötigt dafür Zugang zu seinen Aufträgen, etwa über die Anbindung der Disposition an Telematik oder Fahrer-App.

Der Fahrer erhält einen Ausdruck als bewusste Ausnahme. Wo Dritte einen Beleg im Fahrzeug verlangen, bleibt ein Ausdruck oder eine gleichwertige Anzeige nötig. Das ist kein Scheitern des 0-Blatt-Ablaufs, solange der Ausdruck nicht zurück ins Büro wandert und dort erfasst wird. Der Datensatz bleibt führend, der Ausdruck ist eine Kopie.

Der Fahrer identifiziert sich statt zu belegen. Kundenkarten, QR-Codes oder die Kennzeichenerkennung rufen an der Waage den richtigen Auftrag auf. Die Wiegesoftware kann QR-Codes für solche Zwecke selbst erzeugen. Damit entfällt der Zettel, den viele Fahrer heute als Merkhilfe für Auftrag und Baustelle mitführen.

Ausnahmen, die Papier zurückbringen

Ein 0-Blatt-Ablauf scheitert nicht an der Regel, sondern an der Ausnahme, für die niemand einen Weg vorgesehen hat. Vier Ausnahmen kommen in fast jedem Werk vor und sollten vor dem Start entschieden sein.

Typische Ausnahmen und ihre Regelung im papierlosen Ablauf
AusnahmeWas passiert ohne RegelRegelung
Fremdfahrer ohne Gerät, Auftrag oder ZugangWaagepersonal druckt, Fahrer bringt Zettel zur BaustelleSelbstbedienung mit Unterschrift und Ausdruck als Kopie, Auftrag über Anmeldung im Büro
Kunde ohne Portal und ohne E-Mail-EmpfängerBeleg wird gedruckt und per Post nachgeschicktPDF-Versand an einen benannten Empfänger, bis der Portalzugang steht, Ausdruck nur als Kopie
Störung: Netzwerk, ERP oder Drucker ausgefallenHandschriftliche Belege, spätere NacherfassungBetriebskonzept für den Ausfall mit Wiederanlauf und Nacherfassung im System, nicht auf Papier
Nachweispflichten Dritter im FahrzeugUnsicherheit an der Waage, Ausdruck vorsorglich immerJe Material und Kunde klären, welcher Nachweis im Fahrzeug nötig ist. Nur in diesen Fällen bewusst und dokumentiert ausdrucken

Für die Störung gilt eine eigene Regel: Auch ein Notbeleg gehört in das System, sobald es wieder läuft, mit Hinweis auf die Störung. Das Betriebskonzept für Netzwerk- oder ERP-Ausfall legt fest, welche Ausdrucke dann erlaubt sind. An der Selbstbedienungswaage wird der Fremdfahrer ohne Waagepersonal abgefertigt, mit Beleg am Terminal.

Der 0-Blatt-Test

Ob ein Werk wirklich papierlos liefert, zeigt ein einfacher Test: Eine Woche lang wird jeder Ausdruck gezählt, der mit einem Lieferschein zu tun hat, und mit Station und Grund notiert. Nicht die Zahl entscheidet, sondern die Gründe.

Nach dem Test bleibt meist eine kurze Liste bewusster Ausnahmen. Sie gehört in die Arbeitsanweisung an der Waage, damit niemand vorsorglich druckt. Alles andere läuft über den Datensatz.

Häufige Fragen zum papierlosen Lieferschein

Ist ein digitaler Lieferschein ohne Ausdruck zulässig?

Der Lieferschein ist ein Begleit- und Nachweisdokument der Lieferung. Welche Form er haben muss, ergibt sich aus Vereinbarungen mit dem Kunden und aus material- oder branchenspezifischen Vorgaben. Klären Sie je Material und Kunde, ob ein Nachweis im Fahrzeug verlangt wird, und behandeln Sie diese Fälle als bewusste Ausnahme.

Wie kommt der Beleg auf die Baustelle, wenn dort niemand ein Postfach prüft?

Über das Kundenportal, in dem die Bauleitung Belege abruft, oder über einen benannten Empfänger im Kundenstamm. Wichtig ist, dass die Empfangsbestätigung vereinbart ist: Wer bestätigt, bis wann, und was passiert bei Abweichungen. Diese Vereinbarung ist Teil der Einführung digitaler Lieferscheine.

Was ist mit Korrekturen, wenn kein Papier mehr da ist?

Korrekturen werden im Datensatz vorgenommen und mit Bezug zum Original an alle Empfänger erneut bereitgestellt. Das ist einfacher als auf Papier, setzt aber einen Korrekturablauf mit Freigabe voraus.

Braucht der Fahrer ein Smartphone?

Für die Bestätigung an der Waage nicht: Sie erfolgt am Terminal. Für den Beleg im Fahrzeug und die Auftragsinformationen hängt es davon ab, wie Disposition und Telematik angebunden sind und ob Fremdfahrer eingebunden werden. Das gehört in das Konzept der mobilen App. Die Rollen dafür stehen auf der Übersichtsseite zur mobilen App.

So geht es weiter

Bei TBSoft entsteht der Beleg an der Waage, wird am Terminal unterschrieben, als PDF versendet, im Portal bereitgestellt und in Archiv und Fakturierung weiterverwendet: TBScale erzeugt und verteilt den Lieferschein, TBTouchScale übernimmt die Selbstbedienung mit digitaler Unterschrift, TBArchiv hält Belege dem Vorgang zugeordnet vor. Das Zusammenspiel steht auf der Übersichtsseite zu digitalen Lieferscheinen.

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