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Energiekennzahlen pro Tonne oder Kubikmeter Baustoff

9 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung von Stromzähler, Baustoffproduktion und gewogener Menge als Datenquellen für Energiekennzahlen

Eine Energiekennzahl ist ein Verbrauch geteilt durch eine produzierte Menge, und beide kommen aus verschiedenen Systemen. Der Datenpfad vom Zähler über Zuordnung und Bezugsmenge bis zur Kennzahl und ihrer Nutzung.

Eine Energiekennzahl ist eine Division: Verbrauch geteilt durch produzierte Menge. Der Zähler liefert den Verbrauch, die Waage oder die Dosiersteuerung die Menge, und die beiden Zahlen liegen in Systemen, die nichts voneinander wissen. Genau dort scheitern die meisten Versuche, Kilowattstunden je Tonne Schotter oder Liter Brennstoff je Tonne Asphalt zu bilden: Der Verbrauch ist je Monat bekannt, die Menge je Lieferung, die Anlage läuft für drei Produkte gleichzeitig, und am Ende steht eine Zahl, die niemand einem Prozess zuordnen kann.

Der Weg zu belastbaren Energiekennzahlen ist ein Datenpfad mit sechs Stationen. Er beginnt am Zähler und endet in der Nutzung, und an jeder Station gibt es eine Entscheidung, die vorher getroffen werden muss.

Station 1: Der Verbrauch

Strom kommt vom Hauptzähler des Versorgers und, wenn vorhanden, von Unterzählern je Anlage: Brecher, Siebanlage, Mischer, Trockentrommel, Förderbänder, Beleuchtung. Brennstoffe für die Trockentrommel des Asphaltmischwerks oder die Heizung des Betonwerks kommen als Lieferungen von Gas, Heizöl oder Kohlenstaub mit Zählerständen oder Tankbelegen. Diesel für Radlader, Bagger und Lkw kommt aus der Tankstelle des Werks oder aus Tankkarten. Jede Verbrauchsgröße braucht einen Zeitbezug, der zur Bezugsmenge passt: Ein Monatswert des Versorgers lässt sich nur mit einer Monatsmenge verrechnen.

Station 2: Die Zuordnung zu Anlagen und Prozessen

Ein Hauptzähler misst das Werk, nicht den Prozess. Für eine Kennzahl je Produkt braucht es Unterzähler oder eine nachvollziehbare Aufteilung: nach Laufzeiten der Anlagen, nach Anschlussleistung, nach Produktionsstunden. Wichtig ist die Trennung von Grundlast und produktionsabhängigem Verbrauch: Beleuchtung, Büro, Heizung und Standby laufen auch, wenn nichts produziert wird, und wer sie auf die Tonnen eines schwachen Monats verteilt, sieht eine Kennzahl, die mit der Produktion nichts zu tun hat. Die Grundlast wird deshalb als eigene Größe geführt und getrennt ausgewiesen.

Station 3: Die Bezugsmenge

Die Menge ist die Stelle, an der die Branchensoftware ins Spiel kommt. Für Schüttgut ist die produzierte Menge nicht die verkaufte: Zwischen beiden liegt die Bestandsveränderung der Halden. Die Ausgangswiegung liefert die verkaufte Menge je Sorte und Tag mit Messwert. Die Produktion ergibt sich aus Ausgang plus Bestandsaufbau oder minus Bestandsabbau, und die Bestände kommen aus Haldenaufmaß oder Bestandsführung. Für Transportbeton liefert das Mischprotokoll die produzierten Kubikmeter je Sorte und Charge, für Asphalt die Chargen der Mischanlage und die Ausgangswiegung, die bei Asphalt in der Regel übereinstimmen, weil nicht auf Halde produziert wird.

TBScale liefert die Wiegedaten je Sorte, Fahrzeug und Zeitpunkt. TBAMO führt bei Asphaltmischanlagen Rezepturen und Produktionsaufträge und ermittelt aus den Rezepturen den Materialbedarf je Zeiteinheit. Aus beidem lässt sich die Bezugsmenge je Produkt und Zeitraum bilden, ohne dass jemand Lieferscheine addiert.

Station 4: Die Kennzahl

Mit Verbrauch und Menge im selben Zeitbezug entsteht die Kennzahl: Kilowattstunden je Tonne Schotter für die Aufbereitung, Liter oder Kilowattstunden Brennstoff je Tonne Asphalt für die Trocknung und Erhitzung, Kilowattstunden je Kubikmeter Beton für Mischen und Werksbetrieb, Liter Diesel je Tonne für Radlader und interne Transporte. Die Kennzahl wird je Produkt oder Produktgruppe, je Anlage und je Monat gebildet. Die Grundlast steht daneben als Kilowattstunden je Tag. Eine Gesamtkennzahl je Tonne über alle Energieträger ist für den Nachhaltigkeitsbericht nützlich, für die Steuerung des Werks aber zu grob.

  • Stromzähler und Unterzähler

    Hauptzähler des Versorgers, Unterzähler je Anlage. Ablesung monatlich oder per Datenschnittstelle, Zeitbezug mit der Produktion abgestimmt.

  • Brennstofflieferungen und Zähler

    Gas, Heizöl, Kohlenstaub für Trockentrommel und Heizung. Lieferbelege plus Zählerstände oder Tankinhalt am Monatsende.

  • Tankdaten

    Diesel für Radlader, Bagger und eigene Lkw aus Werkstankstelle oder Tankkarten, je Fahrzeug oder Maschine zugeordnet.

  • Wiegung

    Ausgangsmengen je Sorte und Tag aus der Wiegesoftware und Eingangsmengen für zugekaufte Rohstoffe. Der einzige gemessene Wert in der Kette.

  • Dosiersteuerung und Rezeptur

    Produzierte Chargen je Sorte aus Mischanlage oder Betonmischer, Materialbedarf aus Rezepturen.

  • Laufzeiten und Bestände

    Betriebsstunden der Anlagen für die Aufteilung, Haldenbestände für die Umrechnung von Verkauf in Produktion.

Station 5: Zeitreihe und Vergleich

Eine Kennzahl für einen Monat sagt wenig, eine Zeitreihe über Jahre sagt viel. Sie zeigt saisonale Effekte, etwa den höheren Brennstoffbedarf der Trocknung bei feuchtem Material im Winter, den Unterschied zwischen Anlagen desselben Werks, die Wirkung einer Umrüstung oder eines neuen Brenners und Ausreißer, die auf Störungen hinweisen: ein Brecher, der bei gleicher Menge plötzlich mehr Strom braucht, hat meist ein mechanisches Problem. Für den Vergleich zwischen Werken einer Gruppe müssen die Zuordnungsregeln gleich sein, sonst vergleicht die Gruppe Rechenmethoden statt Anlagen.

Station 6: Die Nutzung

Vier Verwendungen rechtfertigen den Aufwand. Die Kosten je Tonne: Energiekosten sind bei Aufbereitung und Asphalt ein wesentlicher Teil der variablen Kosten, und die Kennzahl macht sie je Produkt sichtbar. Die Grundlage des Energiezuschlags: Wer einen Energiezuschlag gegenüber Kunden vereinbart, kann ihn mit der eigenen Kennzahl begründen. Die CO₂-Bilanz: Der Energieverbrauch der Herstellung ist das Modul A3 der Umweltinformationen und geht mit einem Emissionsfaktor je Energieträger in die Bilanz je Produkt ein. Und die Nachweise gegenüber Dritten: Energieaudits, Managementsysteme und Förderprogramme verlangen Verbräuche je Prozess, die aus derselben Zeitreihe kommen.

Typische Energiekennzahlen mit Verbrauchsquelle und Bezugsmenge
KennzahlVerbrauchsquelleBezugsmengeQuelle der Menge
Kilowattstunden je Tonne AufbereitungUnterzähler Brecher, Sieb, FörderungProduzierte Tonnen je SorteAusgangswiegung plus Bestandsveränderung
Brennstoff je Tonne AsphaltGas- oder Ölzähler der TrockentrommelProduzierte Tonnen MischgutChargen der Mischanlage, Ausgangswiegung
Kilowattstunden je Kubikmeter BetonUnterzähler Mischer und WerksbetriebProduzierte KubikmeterMischprotokoll je Charge
Diesel je Tonne interner UmschlagTankdaten Radlader und BaggerUmgeschlagene TonnenVerladewiegung, Beladevorgänge
Grundlast je TagHauptzähler außerhalb der ProduktionszeitenKalendertageBetriebskalender

Häufige Fragen zu Energiekennzahlen

Reicht der Hauptzähler für den Anfang?

Für eine Werkskennzahl je Monat reicht der Hauptzähler. Für Kennzahlen je Anlage oder Produkt braucht es Unterzähler oder eine dokumentierte Aufteilung. Der erste Schritt ist meist, die Grundlast vom Produktionsverbrauch zu trennen.

Verkaufte oder produzierte Menge als Bezug?

Produzierte Menge, weil der Verbrauch bei der Produktion entsteht. Bei Werken ohne nennenswerte Halden, etwa Asphalt und Transportbeton, fallen beide zusammen. Bei Kies und Schotter braucht es die Bestandsveränderung.

Wer sollte die Kennzahl im Werk verantworten?

Die Werksleitung mit einer Person, die Zähler und Produktionsdaten monatlich zusammenführt. Die Branchensoftware liefert die Mengen. Die Zählerdaten kommen aus der Energieerfassung des Werks. Wer beides zusammenbringt, ist zu benennen.

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