EPD- und Emissionsfaktoren aktuell halten
Jeder Emissionsfaktor beantwortet vier Fragen: Woher kommt er, wofür gilt er, seit wann und bis wann, wer pflegt ihn. Wie ein Werk Faktoren versioniert führt und was passiert, wenn die Rezeptur auf den Faktor trifft.
Eine CO₂-Bilanz je Lieferung ist nur so gut wie der älteste Faktor darin. Wer den Fußabdruck seines Betons mit dem Zementfaktor von vor drei Jahren rechnet, weist einen Wert aus, den das Zementwerk längst unterschritten hat, und wer den Faktor still überschreibt, kann für die Lieferungen des Vorjahres nicht mehr sagen, womit sie gerechnet wurden. Faktoren sind Stammdaten mit Gültigkeit, und sie werden gepflegt wie Konditionen: versioniert, mit Quelle, mit Verantwortlichem.
Eine Umweltproduktdeklaration (EPD) beschreibt die Umweltwirkungen eines Bauprodukts nach einer festgelegten Norm, geprüft durch eine unabhängige Stelle und mit begrenzter Gültigkeit veröffentlicht. Ein Emissionsfaktor ist die Zahl, die daraus für die eigene Rechnung gebraucht wird: Kilogramm CO₂-Äquivalent je Kilogramm Zement, je Tonne Gesteinskörnung, je Kilowattstunde Strom, je Tonnenkilometer Transport. Faktoren kommen aus EPDs der Lieferanten, aus Branchendeklarationen, aus Datenbanken wie ÖKOBAUDAT oder aus eigenen Messungen. Vier Fragen klären, ob ein Faktor im Werk verwendbar ist.
Frage 1: Woher kommt der Faktor?
Es gibt eine Rangfolge. Der spezifische Faktor aus der EPD des eigenen Lieferanten für das gelieferte Produkt ist der beste, weil er das beschreibt, was tatsächlich im Silo liegt. Die Branchen-EPD, etwa ein Durchschnitt über die Zementwerke eines Verbands, ist die zweite Wahl, wenn der Lieferant keine eigene Deklaration hat. Der generische Datenbankwert ist die dritte Wahl und für Rohstoffe mit geringem Anteil an der Bilanz oft ausreichend. Die eigene Messung gilt für das, was im Werk entsteht: Energieverbrauch der Herstellung, Transportstrecken, Dieselverbrauch.
Zu jedem Faktor gehört die Quelle mit Dokument, Version und Abrufdatum. Ein Faktor ohne Quelle ist eine Behauptung. Im Streitfall oder bei einer Prüfung durch den Kunden zählt nur der belegte.
Frage 2: Wofür gilt der Faktor?
Vier Angaben grenzen den Geltungsbereich ein. Die Bezugseinheit legt fest, ob der Faktor je Kilogramm, je Tonne, je Kubikmeter, je Kilowattstunde oder je Tonnenkilometer gilt. Eine Verwechslung zwischen Tonne und Kubikmeter verfälscht die Bilanz um den Faktor der Dichte. Die Systemgrenze: Ein Faktor für die Module A1 bis A3 enthält Rohstoffe, Transport zum Werk und Herstellung, ein Faktor für A1 bis A4 zusätzlich den Transport zur Baustelle, und beide dürfen nicht addiert werden. Das Produkt: Ein Faktor für Portlandzement gilt nicht für Hochofenzement, und der Unterschied ist der größte Hebel der gesamten Bilanz. Und das Werk oder die Region des Lieferanten, weil dieselbe Zementsorte aus zwei Werken verschiedene Werte haben kann.
Frage 3: Seit wann und bis wann gilt er?
EPDs haben ein Ausstellungsdatum und eine Gültigkeit, meist mehrere Jahre. Datenbanken werden in Versionen veröffentlicht. Lieferanten wechseln Rezepturen und Brennstoffe. Ein Faktor wird deshalb nie überschrieben, sondern mit Gültigkeitsbeginn neu angelegt, und die Bilanz einer Lieferung verwendet den Faktor, der an ihrem Lieferdatum galt. Das ist dieselbe Logik wie bei Konditionen und indexgebundenen Zuschlägen, und sie hat denselben Grund: Eine Nachfrage zu einer Lieferung des Vorjahres muss mit dem damaligen Stand beantwortet werden können. Wer eine ältere Bilanz mit einem neuen Faktor nachrechnet, kennzeichnet sie als Neuberechnung.
Frage 4: Wer pflegt ihn?
Faktoren gehören einer Person oder Stelle im Werk, die zwei Aufgaben hat: die jährliche Prüfung aller Faktoren gegen die aktuellen Quellen und die Prüfung bei jedem Anlass, also Lieferantenwechsel, neue EPD des Lieferanten, neue Datenbankversion, Änderung des Strombezugs. Die Liste der Faktoren mit Quelle, Version, Gültigkeit und Prüfdatum ist das Ergebnis. Sie ist kurz, meist unter dreißig Zeilen, und sie ist der Teil der Nachhaltigkeitsdaten im Werk, der am häufigsten fehlt.
| Faktor | Typische Quelle | Aktualisierung | Bezug |
|---|---|---|---|
| Zement je Sorte | EPD des Zementwerks, sonst Branchen-EPD | Neue EPD, Lieferantenwechsel, jährliche Prüfung | kg CO₂e je kg, Module A1 bis A3 |
| Eigene Gesteinskörnung | Eigene Energiekennzahlen und Faktoren je Energieträger | Jährlich aus der Zeitreihe | kg CO₂e je t, Herstellung im Werk |
| Zugekaufte Gesteinskörnung | EPD des Lieferwerks oder Datenbank | Neue EPD, Lieferantenwechsel | kg CO₂e je t, Module A1 bis A3 zuzüglich Transport ins Werk |
| Zusatzstoffe und Zusatzmittel | Hersteller-EPD oder Datenbank | Jährliche Prüfung | kg CO₂e je kg |
| Bitumen | Branchen-EPD oder Datenbank | Neue Version, Lieferantenwechsel | kg CO₂e je t |
| Strom | Faktor des Versorgers für den Liefervertrag, sonst Bundesmix | Vertragswechsel, jährliche Veröffentlichung | kg CO₂e je kWh |
| Brennstoffe und Diesel | Datenbank oder amtliche Werte | Jährliche Prüfung | kg CO₂e je Liter oder kWh, mit oder ohne Vorkette |
| Transport | Datenbank je Fahrzeugklasse oder eigene Verbrauchswerte | Fuhrparkänderung, jährliche Prüfung | kg CO₂e je Tonnenkilometer |
Rezeptur trifft Faktor
Der Fußabdruck eines Produkts entsteht, wenn die Rezeptur auf die Faktoren trifft: Jeder Bestandteil mit seiner Menge je Kubikmeter oder Tonne, multipliziert mit seinem Faktor, plus Herstellung und Transport. Ändert sich die Rezeptur, ändert sich der Wert. Ändert sich ein Faktor, ändert er sich für alle Rezepturen, die den Bestandteil enthalten. Deshalb muss die Rezeptur versioniert sein, mit Gültigkeit, und die Bilanz je Charge oder Lieferung muss festhalten, welche Rezepturversion und welche Faktorversion verwendet wurden. Im Asphaltmischwerk ist das die Aufgabe des Rezepturmanagements. Für Beton lässt sich die Wirkung von Zementart und Zusatzstoffen mit dem CO₂-Rechner für Beton überschlagen, dessen Faktoren mit Quelle und Stand ausgewiesen sind.
Häufige Fragen zu EPD- und Emissionsfaktoren
Braucht das Werk eine eigene EPD?
Für Ausschreibungen und Zertifizierungen oft ja, weil dort die Deklaration des Lieferwerks zählt und nicht die eigene Rechnung. Eine eigene EPD wird auf Grundlage derselben Faktoren und Mengen erstellt, mit externer Prüfung. Die gepflegte Faktorenliste ist dafür die Voraussetzung.
Wie oft ändern sich Faktoren?
Zement- und Stromfaktoren jährlich oder bei Vertrags- und Lieferantenwechsel, Datenbankwerte mit jeder Version, eigene Energiekennzahlen laufend. Die jährliche Prüfung aller Faktoren mit Anlassprüfung dazwischen deckt das ab.
Was, wenn der Lieferant keine EPD hat?
Dann gilt die Branchen-EPD oder der Datenbankwert, mit Vermerk, dass er generisch ist. Gleichzeitig ist die Frage an den Lieferanten sinnvoll, weil Kunden zunehmend spezifische Werte verlangen und die Lieferantenwahl damit zur Bilanzfrage wird.
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