Nachhaltigkeitsdaten im Werk organisieren: Verantwortlichkeiten und Datenflüsse
Nachhaltigkeitsdaten scheitern selten an fehlenden Zahlen, sondern daran, dass niemand zuständig ist. Sechs Datenarten mit Entstehungsort, Verantwortung und Rhythmus. Ein Kalender statt Feuerwehr.
Wenn ein Kunde nach dem CO₂-Wert einer Lieferung fragt, beginnt in vielen Werken eine Suche: Das Labor hat die Rezeptur, die Technik die Zählerstände, der Einkauf die Deklaration des Zementwerks, die Waage die Mengen, und niemand hat den Auftrag, das zusammenzuführen. Nachhaltigkeitsdaten scheitern selten an fehlenden Zahlen. Sie scheitern daran, dass sechs Datenarten an sechs Stellen entstehen und keine Regel sagt, wer sie wann in welcher Form bereithält. Die Organisation ist die Aufgabe, nicht die Berechnung.
Sechs Datenarten und ihr Zuhause
Faktoren sind die Emissionswerte je Rohstoff, Energieträger und Transport aus Deklarationen und Datenbanken. Sie entstehen außerhalb des Werks, werden im Werk mit Quelle, Geltung und Gültigkeit versioniert und ändern sich selten, aber folgenreich.
Rezepturen sind die Zusammensetzung je Produkt mit Version und Gültigkeit. Sie entstehen im Labor oder in der Produktion, liegen in der Rezepturverwaltung oder Dosiersteuerung und ändern sich bei jeder Anpassung des Produkts.
Mengen sind Eingänge, Bestände, Produktion und Absatz je Material und Produkt. Sie entstehen an der Waage und in der Anlage, laufend, und sind der einzige gemessene Teil der Daten.
Transporte sind Strecken, Fahrzeuge und Auslastung je Lieferung, für den Rohstoffeingang und die Lieferung zur Baustelle. Sie entstehen in Disposition, Telematik und Lieferschein, je Fuhre.
Energie sind Verbräuche je Energieträger und Anlage. Sie entstehen an Zählern und Tankstellen, monatlich oder laufend, und werden mit den Mengen zu Energiekennzahlen je Tonne oder Kubikmeter.
Nachweise sind die Dokumente, die aus den fünf anderen entstehen oder von außen kommen: Deklarationen, Zertifikate, Prüfzeugnisse, Berechnungen je Produkt und Lieferung. Sie entstehen im Qualitätsmanagement, im Vertrieb und bei Programmhaltern und werden gebraucht, wenn eine Ausschreibung oder ein Kunde fragt.
| Datenart | Entsteht wo | Verantwortlich | Rhythmus | System |
|---|---|---|---|---|
| Faktoren | Deklarationen der Lieferanten, Datenbanken, eigene Kennzahlen | Qualitäts- oder Umweltverantwortliche | Jährlich, dazu bei Lieferantenwechsel und neuer Deklaration | Faktorenliste mit Version und Quelle |
| Rezepturen | Labor, Produktion | Laborleitung, Produktionsleitung | Bei jeder Änderung, versioniert | Rezepturverwaltung, Dosiersteuerung |
| Mengen | Waage, Anlage, Halde | Waage, Werksleitung | Laufend, Bilanz monatlich | Wiegesoftware, Chargen, Bestandsführung |
| Transporte | Disposition, Telematik, Lieferschein | Disposition | Je Lieferung | Dispositionssoftware, Telematik, Baustellenstamm |
| Energie | Zähler, Brennstofflieferungen, Tankstelle | Technik, Werksleitung | Monatlich, Unterzähler laufend | Energieerfassung, Zeitreihe je Anlage |
| Nachweise | Qualitätsmanagement, Vertrieb, Programmhalter, Zeichenstellen | Qualitätsmanagement mit Vertrieb | Je Ausschreibung und Anfrage, Gültigkeiten jährlich prüfen | Dokumentenarchiv mit Gültigkeit je Nachweis |
Die Verbindungen zwischen den Datenarten
Keine der sechs Datenarten ist für sich nützlich. Der CO₂-Wert eines Produkts entsteht aus Rezeptur mal Faktoren plus Energie je Menge. Der Wert einer Lieferung kommt aus dem Produktwert plus Transport. Der Nachweis für eine Ausschreibung kommt aus dem Produktwert mit den Quellen der Faktoren. Der Sekundäranteil kommt aus Rezeptur und Mengen. Die Organisation muss deshalb nicht nur festlegen, wer jede Datenart pflegt, sondern auch, wer die Verbindungen herstellt: wer die Rezepturversion mit der Faktorversion zum Produktwert verrechnet, wo das Ergebnis mit Datum liegt und welches Modul der Umweltinformationen es bedient.
Die meisten Verbindungen laufen über die Branchensoftware, weil dort Mengen, Lieferscheine und Chargen ohnehin zusammenkommen: TBScale mit Eingang, Ausgang und Chargenbezug, TBAMO mit Rezepturen und Produktionsaufträgen im Asphaltmischwerk, TBTelematik und TBGeoCom mit Strecken und Zeiten, TBFakt und TBRegio mit dem Bezug zwischen Lieferung und Rechnung, TBArchiv mit den Belegen und Nachweisen je Vorgang. Faktoren und Energie kommen von außerhalb dieser Systeme und müssen dort angeschlossen werden, wo die Verbindung gerechnet wird.
Ein Kalender statt Feuerwehr
Die Organisation wird einfach, wenn sie einen Kalender hat. Jährlich, etwa im ersten Quartal: Faktoren gegen die aktuellen Deklarationen und Datenbanken prüfen, Gültigkeiten der eigenen Deklarationen und Zertifikate prüfen, Kostensätze und Kennzahlen für Transport und Energie aktualisieren. Monatlich: Energieverbräuche ablesen, Mengenbilanz je Fraktion und Produkt schließen, Kennzahlen fortschreiben. Je Rezepturänderung: neue Version mit Gültigkeit, Produktwert neu rechnen, Vertrieb informieren. Je Lieferung: nichts von Hand, weil Lieferschein, Charge und Strecke aus dem Prozess kommen. Je Ausschreibung: Nachweise aus dem Archiv zusammenstellen, fehlende identifizieren, nicht neu rechnen.
Ein solcher Kalender braucht eine Person, die ihn führt. Das ist nicht die Person, die alle Daten liefert, sondern die, die weiß, wer sie liefert, und nachfragt, wenn ein Termin verstreicht. In kleineren Werken ist das die Werksleitung oder das Qualitätsmanagement, in Gruppen eine Stelle, die den Kalender für alle Werke führt und die Regeln gleich hält, sonst vergleicht die Gruppe Rechenwege statt Werke.
Wann die Tabelle nicht mehr reicht
Viele Werke beginnen mit einer Tabellenkalkulation, und für die jährliche Prüfung der Faktoren und den Produktwert je Rezeptur reicht sie. Sie hört auf zu reichen, sobald Werte je Lieferung gebraucht werden, weil dann Lieferschein, Charge, Rezepturversion und Strecke für hunderte Vorgänge am Tag verbunden werden müssen. Dasselbe gilt, sobald mehrere Werke dieselben Regeln anwenden sollen, Kunden Nachweise im Portal oder mit der Rechnung erwarten oder ein Prüfer wissen will, mit welcher Faktorversion eine Zahl vom Vorjahr gerechnet wurde. Ab dann gehören die Verbindungen in die Systeme, die die Daten ohnehin führen, und die Tabelle bleibt für die Faktorenliste.
Häufige Fragen zur Organisation von Nachhaltigkeitsdaten
Braucht ein Werk einen Nachhaltigkeitsbeauftragten?
Es braucht eine benannte Person, die den Kalender führt und die Verbindungen kennt. Ob sie Beauftragte heißt, ist unerheblich. Entscheidend ist, dass sie nicht zugleich alle Daten selbst liefern muss.
Welche Datenart sollte zuerst geordnet werden?
Zuerst sollten die Faktoren geordnet werden, weil sie die kleinste Liste sind und jede Berechnung auf ihnen beruht. Danach folgen die Mengen, weil sie aus der Waage ohne Mehraufwand kommen und Bestände die häufigste Lücke sind.
Wie hängt das mit der Berichterstattung des Unternehmens zusammen?
Die Berichterstattung verlangt Kennzahlen je Jahr und Unternehmen. Die hier beschriebene Organisation liefert sie als Summe der Werte je Produkt, Lieferung und Werk. Wer die Daten je Werk hat, kann berichten. Wer nur berichtet, hat die Daten je Werk meist nicht.
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