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Umweltinformationen A1 bis A5: Welche Daten an welcher Stelle entstehen

9 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung der fünf Stationen von der Rohstoffgewinnung über Transport und Herstellung bis zum Einbau auf der Baustelle

Die Module A1 bis A5 nach EN 15804 gliedern die Umweltinformationen eines Baustoffs von der Rohstoffgewinnung bis zum Einbau. Welche Daten je Modul im Werk vorliegen, woher sie kommen und wer sie liefert.

Die Umweltinformationen eines Baustoffs werden nicht in einem Stück gerechnet, sondern in Modulen, und die meisten Daten dafür entstehen im Werk ohnehin: die Rohstoffmengen in der Rezeptur, die Eingänge an der Waage, der Energieverbrauch in der Herstellung, die Strecke zur Baustelle im Lieferschein. Die Norm EN 15804 legt fest, welche Lebenswegabschnitte eine Umweltproduktdeklaration enthält und wie sie benannt werden: A1 bis A3 für die Herstellung, A4 und A5 für Transport und Einbau, danach die Module für Nutzung, Rückbau und Verwertung. Wer weiß, welches Modul welche Daten braucht, kann für jedes sagen, aus welchem System sie kommen und wer sie liefert.

Die Umweltinformationen A1 bis A5 sind dabei der Teil, den ein Baustoffwerk selbst verantwortet oder mit seinen Daten unterstützt. Die Module danach liegen beim Bauwerk, wobei Recyclingbaustoffe am Ende des Lebenswegs wieder ins Werk zurückkehren.

Die fünf Module im Überblick

  • A1: Rohstoffbereitstellung

    Gewinnung und Herstellung der Rohstoffe: Zement, Bitumen, Gesteinskörnung, Zusatzstoffe, Zusatzmittel, Wasser. Im Werk als Mengen je Rezeptur und als Faktoren je Rohstoff aus den Deklarationen der Lieferanten.

  • A2: Transport zum Werk

    Transport der Rohstoffe vom Lieferanten ins Werk. Im Werk als Eingangswiegung mit Lieferant, Herkunft, Menge und Fahrzeug, daraus Entfernung und Tonnenkilometer.

  • A3: Herstellung

    Aufbereiten, Mischen, Trocknen, Erhitzen, interner Umschlag. Im Werk als Energieverbrauch je Anlage und Produkt, Hilfs- und Betriebsstoffe, Wasser, Abfälle, produzierte Mengen je Charge.

  • A4: Transport zur Baustelle

    Lieferung vom Werk zum Einbauort. Im Werk als Lieferschein mit Baustelle, Menge und Fahrzeug, ergänzt um Strecke, Auslastung und Rückfahrt aus Telematik oder Baustellenstamm.

  • A5: Einbau

    Verarbeitung auf der Baustelle: Pumpen, Verdichten, Verluste, Verpackung. Überwiegend Daten des Kunden – das Werk liefert Angaben zu Verpackung, typischen Verlusten und Einbauhinweisen.

A1: Was in der Rezeptur steckt

Das Modul A1 ist das Produkt aus zwei Datenarten: den Mengen je Bestandteil aus der Rezeptur und den Emissionsfaktoren je Bestandteil aus den Umweltproduktdeklarationen der Lieferanten oder aus Datenbanken. Für Transportbeton und Asphalt liegt die Rezeptur in der Rezepturverwaltung oder Dosiersteuerung, für Gesteinskörnungen aus eigener Gewinnung entfällt der zugekaufte Rohstoff weitgehend, und die Gewinnung selbst gehört zu A1 mit dem Energieverbrauch von Sprengen, Brechen und Fördern. Die Rezeptur muss versioniert sein, damit die Bilanz einer Charge die damals gültige Zusammensetzung verwendet, und die Faktoren brauchen Quelle und Gültigkeit.

A2: Was die Eingangswiegung weiß

Jede Anlieferung von Zement, Bitumen, zugekaufter Gesteinskörnung oder Recyclingmaterial wird gewogen, und die Eingangswiegung trägt Lieferant, Material, Menge, Fahrzeug und Zeitpunkt. Mit der Herkunft des Lieferanten, dem Lieferwerk oder der Abbruchbaustelle, ergibt sich die Strecke, mit dem Fahrzeugtyp der Faktor je Tonnenkilometer. Werke, die den Wareneingang nur als Lieferschein des Lieferanten abheften, haben diese Daten nicht. Werke, die ihn an der Waage erfassen, haben sie ohne Mehraufwand. Für Recyclingmaterial kommt die Herkunft als Pflichtangabe hinzu, weil sie für Nachweise gebraucht wird.

A3: Was Zähler und Chargen liefern

Das Modul A3 ist das einzige, das vollständig im Werk entsteht, und deshalb das, bei dem die Datenqualität am meisten vom Werk abhängt. Es braucht den Energieverbrauch je Energieträger und Anlage, die produzierten Mengen je Produkt und Zeitraum, den Verbrauch an Hilfsstoffen, Wasser und Verpackung sowie die Abfälle der Herstellung, zusammengeführt zu Energiekennzahlen je Tonne oder Kubikmeter. Die Chargendaten der Mischanlage oder des Betonmischers liefern die Mengen. TBAMO führt bei Asphaltmischanlagen Rezepturen und Produktionsaufträge, TBScale die Wiegedaten von Eingang und Ausgang.

A4: Was der Lieferschein und die Telematik wissen

Der Transport zur Baustelle ist das Modul, das je Lieferung verschieden ist, und das einzige, das eine Bilanz je Lieferschein statt je Produkt verlangt. Der Lieferschein nennt Baustelle, Menge und Fahrzeug. Der Baustellenstamm oder die Telematik liefern die Strecke, der Fahrzeugtyp und die Auslastung den Faktor. Die Rückfahrt gehört dazu. TBTelematik und TBGeoCom liefern Positionen, Strecken und Umlaufzeiten je Auftrag, und damit auch den vermeidbaren Anteil aus Leerkilometern und Standzeiten.

A5: Was beim Kunden entsteht

Der Einbau gehört dem Kunden: Betonpumpe, Verdichtung, Fräsen, Verluste beim Einbau. Das Werk liefert dafür Angaben, die es kennt: Verpackung, typische Verluste, Einbauhinweise, bei Transportbeton die Pumpe, wenn sie vom Werk gestellt wird. In Deklarationen wird A5 oft mit Szenarien beschrieben, die der Hersteller annimmt. Für die Bilanz einer konkreten Lieferung sind die Daten des Kunden maßgeblich.

Welche Daten je Modul im Werk vorliegen

Module A1 bis A5: Daten im Werk, Quelle und Verantwortung
ModulWas im Werk vorliegtSystem oder QuelleWer es liefert
A1 RohstoffbereitstellungMengen je Bestandteil, Faktoren je RohstoffRezepturverwaltung, Dosiersteuerung, FaktorenlisteLabor oder Produktion sowie Lieferanten mit Deklarationen
A2 Transport zum WerkEingangsmengen, Lieferant, Herkunft, Fahrzeug, StreckeEingangswiegung, LieferantenstammWaage, Einkauf
A3 HerstellungEnergie je Anlage, produzierte Mengen, Hilfsstoffe, Wasser, AbfälleZähler, Chargen der Anlage, AusgangswiegungWerksleitung, Technik, Produktion
A4 Transport zur BaustelleLieferschein, Fahrzeug, Strecke, Auslastung, RückfahrtWiegesoftware, Baustellenstamm, TelematikWaage, Disposition
A5 EinbauVerpackung, typische Verluste, gestellte GeräteProduktinformation, AuftragVertrieb, überwiegend Kunde

Nach A5: Rückbau und Verwertung

Die Module nach dem Einbau, Nutzung, Rückbau, Entsorgung und die Gutschrift für Verwertung, gehören zum Bauwerk. Für ein Werk mit Recyclingbereich schließt sich hier der Kreis: Der Rückbau eines Bauwerks ist der Wareneingang des Recyclinghofs, und die Herkunftsangaben aus der Annahme werden zum Modul A1 des Recyclingbaustoffs, dessen Recyclinganteil bis zum Lieferschein dokumentiert bleibt.

Von den Modulen zur Bilanz je Lieferung

Eine Deklaration bezieht sich auf ein Produkt und einen Zeitraum, eine Bilanz je Lieferung auf einen Lieferschein. Beide brauchen dieselben Daten: A1 bis A3 je Produkt aus Rezeptur, Eingang und Herstellung, A4 je Lieferung aus Lieferschein und Strecke. Wer die Module getrennt führt, kann beides erzeugen und später nachvollziehen, aus welchen Werten eine Zahl entstand. Ausschreibungen verlangen zunehmend die Bilanz je Lieferung. Die Wirkung von Rezeptur und Transport lässt sich mit dem CO₂-Rechner für Beton überschlagen, der vereinfacht die Module A1 bis A4 abbildet.

Häufige Fragen zu den Modulen A1 bis A5

Muss ein Werk alle fünf Module deklarieren?

Eine Umweltproduktdeklaration nach der aktuellen Fassung der Norm enthält die Herstellungsmodule A1 bis A3 sowie die Module für das Lebensende. A4 und A5 werden mit Szenarien ergänzt. Für die Bilanz je Lieferung an einen Kunden ist A4 das Modul, das das Werk mit eigenen Daten belegen kann.

Warum ist A3 im Werk am aufwendigsten?

Weil die Daten aus Zählern, Chargen und Wiegungen zusammengeführt werden müssen, die in verschiedenen Systemen liegen, und weil die Zuordnung von Verbrauch zu Produkt eine Entscheidung des Werks ist, nicht ein Messwert.

Zählt die Rückfahrt zu A4?

Ja, der Transport zur Baustelle umfasst den Rücktransport des leeren Fahrzeugs, soweit er der Lieferung zuzuordnen ist. Leerfahrten zwischen Aufträgen gehören zum Fuhrpark, nicht zur einzelnen Lieferung.

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