Leerfahrten und Wartezeiten als CO₂- und Kostenfaktor
Leerfahrten und Wartezeiten kosten Diesel, Fahrzeugstunden und Emissionen, ohne in einer Statistik aufzutauchen. Wo sie entstehen, wie sie mit vorhandenen Daten gemessen werden und welche Maßnahme wo hilft.
Leerfahrten und Wartezeiten sind die einzigen Emissionen eines Baustoffwerks, die niemand bestellt hat. Sie kosten Diesel, Fahrzeugstunden und Fahrer, sie stehen in keiner Rechnung und in keiner Statistik, und sie lassen sich mit Daten messen, die das Werk längst hat: den Zeitstempeln der Waage, den Positionen der Telematik und den Statusmeldungen der Fahrer. Wer sie misst, findet in den meisten Werken die Ursachen innerhalb weniger Wochen, und die Maßnahmen dagegen kosten meist weniger als ein Monat der vermiedenen Fahrten.
Der Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit ist direkt: Der Transport zur Baustelle ist der Teil der CO₂-Bilanz einer Lieferung, den das Werk am stärksten beeinflusst, und Leerkilometer und Standzeiten sind sein vermeidbarer Anteil.
Wo Leerfahrten entstehen
Die Rückfahrt vom Kunden ist bei Baustofflieferungen meist eine Leerfahrt, und sie gehört zum Geschäft. Vermeidbar sind vier andere Arten. Die Fehlfahrt: Das Fahrzeug fährt zur falschen Baustelle, zu einer Baustelle, die nicht bereit ist, oder mit dem falschen Material, und kommt mit Ladung zurück. Der Umweg: Das Fahrzeug holt in einem entfernten Werk der Gruppe, obwohl das nächstgelegene das Material hätte, weil die Disposition die Bestände nicht sieht. Die verpasste Rückladung: Von der Baustelle wäre Aushub oder Abbruchmaterial zum Recyclinghof mitzunehmen gewesen, aber niemand hat es geplant. Und die Anfahrt zum Werk: Fremdspediteure fahren leer an, weil die Voravisierung fehlt und kein Auftrag in der Nähe bekannt ist.
Wo Wartezeiten entstehen
Wartezeiten haben drei Orte. An der Waage, wenn zu Stoßzeiten mehr Fahrzeuge kommen als abgefertigt werden, wenn die Identifikation dauert oder wenn Papier ausgetauscht wird. An der Verladung, wenn der Radlader beschäftigt ist oder das Silo leer. Und auf der Baustelle, wenn die Zufahrt versperrt ist, die Abladestelle nicht vorbereitet oder die Kolonne noch mit der vorigen Fuhre beschäftigt. Die dritte Art ist die teuerste und die einzige, die dem Kunden berechnet werden kann, wenn sie belegt ist.
Messen mit Daten, die schon da sind
Für die Messung braucht es keine neue Erfassung. Die Wiegung liefert den Zeitpunkt der Erstwiegung und der Zweitwiegung, dazwischen liegt die Zeit im Werk. Die Telematik liefert Abfahrt, Ankunft an der Baustelle, Standzeit und Rückkehr. TBTelematik bündelt Auftragskommunikation, Status und Positionen, TBGeoCom berechnet daraus Umlauf- und Ankunftszeiten. Die Statusmeldungen der Fahrer liefern Entladebeginn und Entladeende, mit denen die Standzeit in Wartezeit und Entladezeit zerfällt. Aus den Positionen ergeben sich Strecken, und eine Strecke ohne zugeordneten Auftrag oder nach dem Entladen ist eine Leerstrecke.
Daraus entstehen drei Kennzahlen: der Anteil der Leerkilometer an den Gesamtkilometern je Fahrzeug und Woche, die Standzeit je Fuhre nach Ort, und die Umlaufzeit je Baustelle, alle drei aus demselben Bestand wie die übrigen Kennzahlen der Disposition. Voraussetzung ist die Statusdisziplin: Ein Fahrer, der den Entladebeginn nicht meldet, erzeugt eine Standzeit, die nicht zu trennen ist.
Maßnahmen je Ursache
| Ursache | Datenquelle für die Messung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Fehlfahrt zur falschen oder nicht bereiten Baustelle | Auftrag, Status, Position beim Abladen, Retourenwiegung | Baustelle als Stammsatz mit Adresse, Bereitschaftsabfrage vor Abfahrt, Ankunftszeit an die Baustelle melden |
| Umweg zum entfernten Werk | Werk der Wiegung, Baustellenadresse, Strecke | Bestände je Werk in der Disposition sichtbar, Werkszuordnung nach Entfernung |
| Verpasste Rückladung | Aufträge des Recyclinghofs, Baustellenstamm, Rückfahrtstrecke | Rückladungen in der Tourenplanung als eigene Auftragsart, Abgleich von Anlieferung und Abholung je Baustelle |
| Leere Anfahrt von Fremdspediteuren | Voravisierung, Wiegezeit, Auftragsstatus | Zeitfenster und Voravisierung, Aufträge in der Nähe anbieten |
| Wartezeit an Waage und Verladung | Erstwiegung, Zweitwiegung, Verladestatus | Selbstbedienung, Kennzeichenerkennung, Zeitfenster, Verladung als Teil des Ablaufs planen |
| Wartezeit auf der Baustelle | Ankunft, Entladebeginn, Entladeende | Wartezeit nach freier Zeit berechnen, Baustellen mit wiederkehrender Wartezeit im Vertrieb ansprechen |
Die letzte Zeile ist die wirksamste: Eine Baustelle, die regelmäßig warten lässt, ändert ihr Verhalten, sobald die Wartezeit auf der Rechnung steht, belegt mit Ankunft und Entladebeginn aus dem Prozess, wie es die Regel für berechnete Wartezeiten verlangt. Für die Disposition selbst gilt: Rückladungen und Werkszuordnung sind Planungsaufgaben, die TBDispo mit Aufträgen, Fahrzeugen und Status in einer gemeinsamen Planung zusammenführt.
Von der Kennzahl zur Bilanz je Lieferung
Für die CO₂-Bilanz einer Lieferung zählt der Transport zur Baustelle einschließlich der Rückfahrt. Leerfahrten, die keiner Lieferung zuzuordnen sind, etwa Umwege oder Fehlfahrten mit Retour, gehören nicht in die Bilanz einer einzelnen Lieferung, sondern in die des Fuhrparks, sonst wird die falsche Lieferung belastet. Sinnvoll ist deshalb eine Trennung: Die Bilanz je Lieferung enthält die Strecke des Auftrags mit Rückfahrt, die Bilanz des Fuhrparks enthält zusätzlich die vermeidbaren Kilometer und Standzeiten, und die Differenz ist die Kennzahl, an der die Disposition gemessen wird. Die Werte für einzelne Rezepturen und Transportwege lassen sich mit dem CO₂-Rechner für Beton überschlagen. In Euro schlagen Leerkilometer und Standzeiten im Deckungsbeitrag je Lieferung zu Buche.
Häufige Fragen zu Leerfahrten und Wartezeiten
Lassen sich Leerfahrten bei Baustofflieferungen überhaupt vermeiden?
Die Rückfahrt nicht, die vier vermeidbaren Arten schon. Ein Werk mit Recyclinghof kann Rückladungen planen, eine Werksgruppe kann Umwege vermeiden. Jedes Werk kann Fehlfahrten durch Bereitschaftsabfrage und Baustellenstamm reduzieren.
Braucht die Messung Telematik in jedem Fahrzeug?
Für Standzeiten auf der Baustelle ja oder eine mobile Statusmeldung des Fahrers. Für Wartezeiten im Werk reichen die Zeitstempel der Waage. Für Leerkilometer braucht es Positionen oder wenigstens die Kilometerstände je Auftrag.
Wie werden Fremdspediteure einbezogen?
Über Statusmeldungen und Ablieferbestätigungen, die sie ohne Zugriff auf interne Daten zurückmelden, und über Zeitfenster bei der Anfahrt. Ihre Leerkilometer sieht das Werk nicht, ihre Wartezeiten im Werk schon.
So geht es weiter
Alle Fachartikel dieser Branche.
Auswahl, Abläufe und Betrieb: weitere Fachartikel für Werksleitung, Disposition und Verwaltung, geordnet nach Themen.