Baustoffsoftware · Fakturierung und kaufmännische Prozesse

Fakturierungssoftware auswählen: Anforderungen der Baustoffbranche

14 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung einer Fakturierungssoftware mit Rechnungspositionen, Belegbezug und Prüfcheckliste

Was eine Fakturierungssoftware für Baustoffwerke können muss: Abrechnung aus Wiege- und Lieferdaten, Zuschläge, Sammelrechnungen, Spediteursgutschriften und E-Rechnung. Mit Anforderungstabellen und Demo-Fällen.

Eine Fakturierungssoftware für Baustoffwerke muss aus Wiege- und Lieferdaten abrechnen, nicht aus Bestellungen. Sie rechnet in Tonnen, Kubikmetern und Stück, kennt Frachten und Zuschläge, fasst Lieferungen zu Sammelrechnungen zusammen, schreibt Spediteuren Gutschriften und gibt Rechnungen als XRechnung oder ZUGFeRD aus. Eine Standardfakturierung scheitert nicht an der Rechnung, sondern an der Menge: Sie weiß nicht, dass 24,36 Tonnen Schotter aus einer Zweitwiegung stammen und dass die Fracht davon abhängt, ob ab Werk oder frei Baustelle geliefert wurde.

Dieser Leitfaden übersetzt die Abrechnungsfälle der Baustoffbranche in überprüfbare Anforderungen mit Muss, Soll und Kann und einem Abnahmenachweis je Kriterium. Die Fakturierung im Baustoffwerk beginnt beim Wiegeschein und endet bei der Rechnung. Dazwischen liegen die Anforderungen, um die es hier geht.

Was die Baustoffbranche von der Standardfakturierung unterscheidet

Die Unterschiede liegen nicht in der Rechnung, sondern davor: in der Menge, in den Konditionen und im Belegbezug.

Standardfakturierung und Fakturierung in der Baustoffbranche
MerkmalStandardfakturierungBaustoffbranche
AbrechnungsgrundlageBestellte Menge, StücklisteGewogene Menge aus Erst- und Zweitwiegung, je Lieferung
EinheitenStück, PauschaleTonnen, Kubikmeter, Stück, Stunden für Wartezeit und Pumpe
PreisePreisliste je ArtikelKonditionen je Kunde, Baustelle, Material und Zeitraum, mit Vererbung
ZuschlägeSeltenFracht, Mindermenge, Wartezeit, Energie, Nacht und Wochenende, Sonderfahrzeug
RechnungsformEine Rechnung je AuftragEinzel- oder Sammelrechnung je Kunde, Baustelle oder Zeitraum
BeteiligteKundeKunde, Spediteur mit Gutschrift, Händler, mehrere Werke und Gesellschaften
BelegbezugRechnung verweist auf AuftragJede Position verweist auf Lieferschein und Wiegung

Die letzte Zeile ist die wichtigste. In der Baustoffbranche wird eine Rechnung anhand der Lieferscheine geprüft. Ein Portal oder eine Rechnung, die den Bezug nicht herstellt, erzeugt Rückfragen bei jeder Sammelrechnung.

Muss, Soll und Kann vor der Vorführung festlegen

Muss-Kriterien sind Ausschlusskriterien: Ohne sie ist die Software für Ihren Abrechnungsprozess nicht geeignet. Soll-Kriterien verbessern den Ablauf, eine Ersatzlösung ist bewertbar. Kann-Kriterien sind Erweiterungen. Die Einstufung hängt vom Betrieb ab: Spediteursgutschriften sind für ein Werk mit Eigenfuhrpark ein Kann, für ein Werk mit zwanzig Fremdspediteuren ein Muss. Das Vorgehen entspricht dem Auswahlleitfaden Wiegesoftware auswählen. Die folgenden Tabellen sind die Vorlage für Ihr Lastenheft.

Anforderungen an Mengen, Einheiten und Konditionen

Anforderungen an Mengen und Konditionen
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Abrechnung aus Wiege- und Lieferdaten ohne NeueingabeMussLieferschein aus der Waage übernehmen und als Rechnungsposition wiederfinden, mit Netto aus der Wiegung
Mehrere Einheiten je Material mit UmrechnungMussMaterial in Tonnen wiegen und in Kubikmetern abrechnen, Umrechnungsfaktor je Material hinterlegt
Konditionen je Kunde, Baustelle, Material und ZeitraumMussPreisänderung zum Monatsersten anlegen. Lieferungen davor und danach werden richtig bewertet
Vererbung von KonditionenSollKondition auf Kundenebene anlegen und prüfen, dass sie für alle Baustellen gilt, außer bei Abweichung
Zuschläge regelbasiert: Fracht, Mindermenge, Wartezeit, EnergieMussLieferung unter Mindestmenge abrechnen. Zuschlag erscheint ohne manuellen Eingriff
Ab Werk und frei Baustelle getrenntMussZwei Lieferungen desselben Materials mit unterschiedlicher Frachtregel abrechnen
Staffelpreise und RahmenverträgeSollStaffel anlegen und Lieferungen über die Staffelgrenze hinweg prüfen

Anforderungen an Belegbezug und Prüflauf

Der Prüflauf ist die Stelle, an der eine gute Fakturierung Arbeit spart: Sie prüft Ausnahmen, nicht Belege. Was vollständig und plausibel ist, läuft durch. Fehlende oder abweichende Angaben landen in einer Liste.

Anforderungen an Belegbezug und Prüflauf
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Jede Rechnungsposition verweist auf Lieferschein und WiegungMussVon einer Position zum Lieferschein und von dort zur Wiegung mit Brutto, Tara, Netto navigieren
Plausibilitätsprüfungen vor dem RechnungslaufMussLieferschein ohne Kondition, doppelte Belegnummer und Menge weit über Auftrag einspielen. Alle drei erscheinen in der Ausnahmeliste
Gesperrte Kunden und KreditlimitSollKunde sperren und prüfen, ob Lieferung und Rechnung gestoppt oder gekennzeichnet werden
Freigabe durch benannte PersonMussRechnungslauf ohne Freigabe starten. Das System verweigert oder kennzeichnet
Abrechnungsstatus je LieferscheinMussLieferschein zeigt: nicht abgerechnet, abgerechnet mit Rechnungsnummer, gutgeschrieben
Rücklieferungen mit BezugSollRücklieferung erfassen und prüfen, ob sie als Gutschrift oder Verrechnung mit Bezug zur Lieferung erscheint

Anforderungen an Rechnungsarten und Ausgabe

Anforderungen an Rechnungsarten, Formate und Versand
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Einzelrechnung je Lieferung und Sammelrechnung je Kunde, Baustelle oder ZeitraumMussDenselben Lieferscheinbestand einmal als Einzel- und einmal als Sammelrechnung abrechnen. Summen stimmen überein
Rechnungskorrektur und Gutschrift mit Bezug zur UrsprungsrechnungMussVersendete Rechnung korrigieren. Korrekturbeleg trägt den Bezug, die Ursprungsrechnung bleibt unverändert
Spediteursgutschriften aus denselben LieferdatenMuss bei FremdspediteurenGutschrift für einen Spediteur aus einer Woche Fahrten erzeugen, ohne Nacherfassung
Händler-, Provisions-, Bonus- und DekadenabrechnungenKann, Muss bei entsprechendem GeschäftEine Abrechnungsart aus dem eigenen Geschäft durchspielen
XRechnung und ZUGFeRDMuss bei öffentlichen Auftraggebern und großen KundenRechnung als XRechnung erzeugen und in einem Prüfwerkzeug validieren
Versand per E-Mail, Bereitstellung im Kundenportal, DruckMussDenselben Beleg auf drei Wegen ausgeben. Empfängerregel steht im Kundenstamm
Layout mit Logo, Positionsdetails und BelegverweisSollMusterrechnung mit Sammelpositionen prüfen: Ist jeder Lieferschein lesbar ausgewiesen?

Anforderungen an Schnittstellen, Mehrwerk und Rollen

Anforderungen an Schnittstellen, Mandanten und Rechte
KriteriumPrioritätNachweis in der Abnahme
Übergabe an die FinanzbuchhaltungMussRechnungslauf übergeben und Buchungen in der Finanzbuchhaltung prüfen. Rechnungsnummern stimmen überein
Zahlungsstatus und Sperren zurückSollÜberfällige Rechnung in der Finanzbuchhaltung markieren. Kunde erscheint in der Fakturierung gesperrt
Anbindung von Waage, Dosiersteuerung und ArchivMussLieferschein aus der Waage, Charge aus der Steuerung, Beleg im Archiv – ohne manuellen Schritt
Mehrere Werke, Gesellschaften und MandantenMuss bei WerksgruppenLieferung von Werk A, Rechnung durch Gesellschaft B, Auswertung je Werk
Rollen und Rechte: Erfassen, Prüfen, Freigeben, VersendenMussRechnungslauf mit einer Rolle ohne Freigaberecht versuchen
Statistik und Auswertung je Kunde, Material, WerkSollUmsatz und Menge je Baustelle für einen Zeitraum ohne Export

Vergleichsfälle für die Vorführung

Anforderungstabellen sind die Grundlage, aber entschieden wird in der Vorführung. Geben Sie jedem Anbieter dieselben Fälle aus Ihrem Betrieb, mit echten Lieferscheinen, und lassen Sie sie durchspielen.

  • Eine Woche Schotter für eine Baustelle

    Fünf Lieferungen mit Netto aus der Wiegung, eine davon unter der Mindestmenge, zwei frei Baustelle, drei ab Werk. Erwartet: eine Sammelrechnung mit fünf Positionen, Frachten und einem Mindermengenzuschlag, jede Position mit Lieferscheinnummer.

  • Rücklieferung nach Baustopp

    Eine Lieferung kommt zurück, wird gewogen und dem ursprünglichen Lieferschein zugeordnet. Erwartet: Gutschrift oder Verrechnung mit Bezug, Fracht je nach Vereinbarung berechnet.

  • Spediteursgutschrift aus derselben Woche

    Der Fremdspediteur hat drei der fünf Fahrten gefahren. Erwartet: Gutschrift aus den Lieferdaten ohne Nacherfassung, mit Wartezeit, falls erfasst.

  • Rechnungskorrektur nach Versand

    Der Kunde beanstandet eine Position nach dem Versand. Erwartet: Korrekturbeleg mit Bezug, Ursprungsrechnung unverändert, neuer Stand im Portal.

  • Gesperrter Kunde an der Waage

    Ein Kunde ist wegen offener Posten gesperrt. Erwartet: Die Sperre ist an der Waage sichtbar, bevor das Fahrzeug beladen wird, nicht erst beim Rechnungslauf.

Prüfliste vor der Entscheidung

  • Alle Kriterien sind vor der Vorführung mit Muss, Soll und Kann gewichtet.
  • Die fünf Vergleichsfälle liefen mit echten Lieferscheinen und Konditionen.
  • Jede Rechnungsposition führt in der Vorführung zum Lieferschein und zur Wiegung.
  • Der Prüflauf zeigt Ausnahmen in einer Liste, vollständige Belege laufen durch.
  • XRechnung und ZUGFeRD sind erzeugt und geprüft. Versandwege stehen im Kundenstamm.
  • Übergabe an die Finanzbuchhaltung und Rückrichtung für Sperren sind benannt.
  • Mehrwerk, Mandanten und Rollen sind vorgeführt, nicht nur zugesagt.
  • Die Stammdaten sind bereinigt, bevor die Konditionen übernommen werden.

Häufige Fragen zur Auswahl einer Fakturierungssoftware

Kann die Fakturierung unseres ERP-Systems Baustoffe abrechnen?

Oft ja, sobald jemand die gewogene Menge, die Zuschläge und die Frachtregel einträgt. Genau diese Einträge sind die Handarbeit, die eine branchenspezifische Fakturierung vermeidet, weil sie die Lieferdaten aus der Waage übernimmt. Die Abwägung zwischen Branchensoftware und allgemeinem ERP hängt davon ab, wie viel davon das ERP heute mit Handarbeit überbrückt.

Brauchen wir XRechnung schon heute?

Wenn Sie öffentliche Auftraggeber oder große Kunden beliefern, in der Regel ja. Fragen Sie Ihre Kunden, welches Format sie erwarten, und lassen Sie sich beide Formate vorführen und in einem Prüfwerkzeug validieren.

Wie viele Fälle sollten wir vorführen lassen?

Fünf reichen, wenn sie aus dem eigenen Betrieb stammen und die Stellen abdecken, an denen heute nachgearbeitet wird: Sammelrechnung, Rücklieferung, Spediteur, Korrektur, Sperre.

Was passiert mit unseren alten Rechnungen?

Sie bleiben im bisherigen System oder im Archiv. Übernommen werden Stammdaten, Konditionen und offene Vorgänge. Die Rechnungshistorie wird nur so weit übernommen, wie sie im Alltag gebraucht wird.

So geht es weiter

Bei TBSoft übernehmen TBFakt und TBRegio Lieferscheindaten aus der Waage, wenden Preise, Konditionen und Zuschläge mit Vererbung an, prüfen die Abrechnungsgrundlagen mehrstufig und erzeugen Rechnungen, Gutschriften, Spediteursgutschriften sowie Händler-, Dekaden- und Bonusabrechnungen, auch für mehrere Werke, Gesellschaften und Mandanten. Rechnungen gehen per E-Mail, als XRechnung oder ZUGFeRD und in das Kundenportal, Buchungsdaten an die Finanzbuchhaltung, Belege an TBArchiv. Die Konditionen kommen aus TBVertrieb, die Mengen aus TBScale. Den Funktionsumfang im Einzelnen zeigt die Modulseite TBFakt und TBRegio. Ihre fünf Vergleichsfälle spielen wir mit Ihren Lieferscheinen durch.

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