Kieswerk digitalisieren: vom Auftrag bis zur Ausgangsverwiegung
Ein Auftrag auf seinem Weg durch das Kieswerk: Bestellung, Anmeldung an der Waage, Verladung, Ausgangsverwiegung, Beleg und Rechnung. Was an jeder Station heute per Zuruf läuft und was digital anders wird.
Kieswerk digitalisieren klingt nach einem Projekt für das ganze Werk. Tatsächlich ist es der Weg eines einzelnen Auftrags, an sieben Stationen betrachtet: Bestellung, Fuhre, Anmeldung an der Waage, Verladung, Ausgangsverwiegung, Beleg beim Kunden, Rechnung. Wer einen Auftrag über diese Stationen verfolgt und an jeder fragt, was heute per Zuruf, Zettel oder Telefon läuft, hat die Liste dessen, was digital anders wird, und die Reihenfolge, in der es sich lohnt.
Station 1: Die Bestellung kommt an
Heute ruft der Bauleiter am Montag im Waagebüro an, und der Waagendienst schreibt Menge, Sorte und Baustelle auf einen Zettel, der am Fenster hängt. Am Dienstag weiß der Radlader davon, wenn der erste Fahrer kommt. Digital wird aus dem Anruf ein Auftrag mit Kunde, Baustelle, Sorte, Menge, Lieferbedingung, Zeitfenster und Spediteur, und die Konditionen kommen aus dem Kundenstamm, nicht aus dem Gedächtnis. Angebote und Auftragsbestätigungen laufen in TBVertrieb, und der Kunde bekommt die Bestätigung mit Menge, Preis und Termin per E-Mail. Der Zettel am Fenster ist kein Auftrag, weil ihn niemand außer dem Waagendienst lesen kann.
Station 2: Der Auftrag wird zur Fuhre
Heute ruft der Werksleiter den Spediteur an, nennt fünf Fuhren ab sieben und verlässt sich darauf, dass der Fahrer die Baustelle kennt. Digital wird der Auftrag in fünf Fuhren zu 24 Tonnen geteilt, jede mit Zeitfenster, und der Spediteur erhält die Auftragsinformationen mit Baustelle, Ansprechpartner und Zufahrt. Ein Fremdspediteur braucht genau das und die Möglichkeit, Status und Ablieferung zurückzumelden, ohne Zugriff auf interne Daten des Werks, so beschreibt es die Lösungsseite zur mobilen App. Wie diese Einbindung aussieht, wird vor dem Start festgelegt.
Station 3: Die Anmeldung an der Waage
Heute hält der Sattelkipper am Waagenfenster, der Fahrer nennt den Kunden, der Waagendienst sucht den Zettel und tippt Kunde, Baustelle und Sorte. Digital erkennt die Kamera das Kennzeichen, oder der Fahrer hält die Karte des Spediteurs vor, und auf dem Bildschirm erscheint der Auftrag mit seiner Restmenge: 120 Tonnen vor der ersten Fuhre, 96 nach der ersten, 72 nach der zweiten. Der Waagendienst bestätigt, statt zu tippen, und die Erstwiegung wird gespeichert, weil der Sattelkipper heute einen anderen Auflieger zieht als gestern. Welche Festlegungen ein Werk vor der Digitalisierung des Wiegeprozesses trifft, entscheidet an dieser Station, ob die Tara gespeichert oder gewogen wird.
Station 4: Die Verladung
Heute funkt der Waagendienst dem Radlader: Kies 16/32, der blaue Sattel, 24 Tonnen. Bei drei Fahrzeugen hintereinander und zwei Radladern funkt er dreimal, und einmal lädt der falsche Radlader vom falschen Haufen. Digital erhält der Radladerfahrer die Anweisung mit Fahrzeug, Sorte, Halde und Zielmenge und meldet die Beladung zurück. Was am Hof passiert, soll im Vorgang stehen: welche Fuhre beladen wurde, was noch aussteht, wo es hakt, so nennt es die Lösungsseite zur mobilen App, und welche Rollen am Hof mobil erfassen, wird im Projekt festgelegt. Welche Angaben eine digitale Verladeanweisung für den Radladerfahrer trägt, ist die Frage dieser Station.
Station 5: Die Ausgangsverwiegung
Heute liest der Waagendienst das Gewicht ab, rechnet das Netto, tippt den Lieferschein, druckt ihn zweimal und reicht einen Durchschlag hinaus. Digital fährt der Sattelkipper auf die Waage, die Zweitwiegung ergibt das Netto aus Brutto und gespeicherter Erstwiegung, und Gewicht, Auftrag, Material und Fahrzeug werden beim Abschluss der Wiegung zum Lieferschein, so beschreibt es die Lösung Digitale Lieferscheine. Die Restmenge des Auftrags sinkt um 24 Tonnen, der Bestand der Halde auch, und das Bruttogewicht wird gegen das zulässige Gesamtgewicht des Zuges geprüft. Der Fahrer unterschreibt am Terminal, der Wiegeschein ist Teil des Belegs, und das PDF ist unterwegs, bevor der Sattelkipper vom Hof ist. TBScale erstellt den Lieferschein auf Rechnung, ergänzt Zuschläge und Zusatzartikel, nimmt die digitale Signatur auf und versendet automatisch.
Station 6: Der Beleg beim Kunden
Heute liegt der Durchschlag im Führerhaus, bis der Fahrer ihn am Abend beim Spediteur abgibt, der ihn am Monatsende dem Werk zurückschickt. Der Bauleiter sieht ihn nie. Digital liegt das PDF beim Bauleiter und beim Spediteur, bevor die Fuhre ankommt, und im Kundenportal findet der Kunde alle fünf Lieferscheine des Tages unter seiner Baustelle. Bei frei Baustelle kommt die Ablieferung dazu: Der Fahrer meldet über sein Gerät, dass er abgekippt hat, mit Zeit und Position, und das ist der Nachweis, den die Rechnung später braucht.
Station 7: Die Rechnung
Heute tippt die Buchhaltung am Monatsende die Lieferscheine ab, sucht die Frachtsätze in einer Tabelle und ruft den Spediteur wegen der Gutschrift an. Digital entsteht die Sammelrechnung der Baustelle aus den fünf Lieferscheinen, das Material zum Werkspreis, die Fracht zur Frachtzone als eigene Position, und aus denselben fünf Belegen entsteht die Gutschrift an den Spediteur. TBRegio übernimmt Lieferscheindaten, wendet Konditionen an, prüft Plausibilitäten, rechnet Spediteursgutschriften ab und stellt die Rechnung als XRechnung oder ZUGFeRD bereit. Wie Schüttgut aus Wiege- und Lieferdaten abgerechnet wird, ist die letzte Station und die, an der sich das Abtippen am deutlichsten bemerkbar machte.
- Bestellung zu Auftrag
Kunde, Baustelle, Sorte, Menge, Lieferbedingung und Zeitfenster einmal erfasst, Konditionen aus dem Stamm. Niemand tippt den Zettel später ab.
- Auftrag zu Fuhre
Fuhren mit Zeitfenster und Fahrzeug, Auftragsinformationen beim Spediteur, Rückmeldung ohne Telefon.
- Fuhre zu Wiegung
Auftrag mit Restmenge am Waagenarbeitsplatz, Identifikation per Kennzeichen oder Karte, Tara nach Regel.
- Wiegung zu Verladung
Fahrzeug, Sorte, Halde und Menge beim Radladerfahrer, Beladung zurück im Vorgang.
- Wiegung zu Beleg
Lieferschein aus Gewicht, Auftrag, Material und Fahrzeug, Unterschrift am Terminal, PDF an Kunde und Spediteur, Bestand gebucht.
- Beleg zu Rechnung
Sammelrechnung je Baustelle mit Material und Fracht getrennt, Spediteursgutschrift aus denselben Belegen, Übergabe an die Buchhaltung.
Was sich für die Menschen im Werk ändert
Der Waagendienst bestätigt Aufträge und behandelt Ausnahmen, statt Zettel zu lesen und Lieferscheine zu tippen. Der Radladerfahrer sieht, was als Nächstes kommt, statt auf den Funk zu warten. Der Fahrer hat Baustelle und Beleg auf dem Gerät, statt Durchschläge zu sammeln. Die Buchhaltung prüft Rechnungen, statt sie zu erfassen. Und der Werksleiter sieht am Dienstagmittag, dass drei von fünf Fuhren gefahren sind, ohne jemanden anzurufen. Was die Digitalisierung der Fahrzeugwaage als Gesamtvorgang in jedem Baustoffwerk bedeutet, ist im Kieswerk vor allem die Verbindung von Station 1 mit Station 5: Der Auftrag existiert, bevor das Fahrzeug auf der Waage steht.
Womit das Kieswerk beginnt
Nicht mit allen sieben Stationen auf einmal. Zuerst kommen Materialstamm und Kundenstamm, weil jede Station sie braucht. Dann die Stationen 3 und 5, Anmeldung und Ausgangsverwiegung mit dem Auftrag als Bindeglied, weil dort die meisten Zettel entstehen. Dann Station 6, der Beleg beim Kunden, weil er von Station 5 nur den Versand braucht. Dann Station 4, die Verladung, weil sie eine eigene Ausstattung am Radlader und eine Regel am Hof verlangt. Station 7 folgt, sobald die Belege vollständig sind, und Station 2 zuletzt, weil sie den Spediteur einbindet und mit ihm abgestimmt werden muss.
Häufige Fragen zur Digitalisierung im Kieswerk
Muss der Kunde digital bestellen, damit das Werk digital arbeiten kann?
Nein. Der Anruf bleibt, und der Auftrag wird im Werk angelegt. Was sich ändert, ist, dass der Anruf zu einem Datensatz wird, den Waage, Radlader und Rechnung lesen, statt zu einem Zettel, den nur der Waagendienst lesen kann.
Was passiert mit Laufkunden ohne Auftrag?
Für sie entsteht der Auftrag an der Waage, wenn sie kommen. Die Software muss das an derselben Stelle können, an der sie Aufträge aus dem Büro aufruft, und der Weg ab Station 3 ist danach derselbe.
Wo beginnt ein Werk, das die Waage schon digital hat?
Bei Station 1. Eine digitale Waage ohne Auftrag davor erzeugt Lieferscheine aus dem, was der Waagendienst tippt. Der Auftrag vor der Wiegung ist der Schritt, der aus der Wiegesoftware einen Werksprozess macht.
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