Tief- & Erdbau · Fachartikel

Materialströme im Tiefbau und Erdbau digital dokumentieren

8 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Feine weiße Linienzeichnung eines beladenen Kippers auf einer Fahrzeugwaage mit zwei Materiallagerboxen und einem Tablet zur Dokumentation der Materialbewegungen

Aushub abfahren, Verfüllmaterial anliefern und Material umlagern: Ein Baustellenbeispiel zeigt, wie Herkunft, Ziel, Wiegedaten und Belege eine nachvollziehbare Mengenübersicht ergeben.

Materialströme im Tiefbau und Erdbau werden nachvollziehbar, wenn jede Bewegung eine eindeutige Herkunft, ein tatsächliches Ziel, einen Baustellenbezug und eine belegte Menge hat. Aushub fährt von der Baustelle ab, Verfüllmaterial wird angeliefert und ein Teil des Materials durchläuft ein Zwischenlager. Wiegesoftware verbindet die erfassten Gewichte mit diesen Vorgängen. Für eine brauchbare Mengenübersicht muss außerdem feststehen, welche Bewegungen zusammengehören und was genau ausgewertet werden soll.

Das ist im Tagesgeschäft entscheidend: Ein Kipper kann denselben Boden zweimal transportieren, ohne dass dadurch die doppelte Aushubmenge entsteht. Zwei Wiegescheine können dieselbe Fahrt dokumentieren. Eine Materialanlieferung kann bereits gewogen sein, während die Bestätigung der Baustelle noch fehlt. Werden diese Fälle sauber unterschieden, können Bauleitung, Waage und Verwaltung mit denselben Belegen arbeiten.

Eine Baustelle, drei Materialwege

Auf Baustelle A wird ein Leitungsgraben hergestellt. Ein Teil des Aushubs geht direkt an eine Annahmestelle, ein anderer Teil zunächst in ein betriebliches Zwischenlager. Von dort wird später eine Teilmenge zu Baustelle B gebracht. Gleichzeitig erhält Baustelle A Verfüllmaterial aus einem Kieswerk.

Das folgende Beispiel ist frei gewählt und vereinfacht. Die Tonnenangaben sind Summen der dokumentierten Nettomengen mehrerer Fahrten innerhalb eines Betrachtungszeitraums. Für das Zwischenlager wird ein Anfangsbestand von null angenommen. Weitere Zu- oder Abgänge sowie Mengenänderungen während der Lagerung bleiben im Beispiel unberücksichtigt. Die jeweiligen Annahme- und Verwendungsmöglichkeiten gelten für das Beispiel als zuvor fachlich geklärt.

Beispiel: Materialbewegungen eines Bauprojekts nach Herkunft und Ziel
Material und VorgangVonNachBelegte Nettomenge
Aushub direkt abfahrenBaustelle A, Abschnitt 1Annahmestelle72 t
Aushub zwischenlagernBaustelle A, Abschnitt 1Zwischenlager, Lagerfläche L148 t
Teilmenge weitertransportierenZwischenlager, Lagerfläche L1Baustelle B24 t
Verfüllmaterial anliefernKieswerkBaustelle A, Abschnitt 160 t

Aus Baustelle A wurden 120 Tonnen Aushub abgefahren: 72 Tonnen direkt zur Annahmestelle und 48 Tonnen ins Zwischenlager. Von den zwischengelagerten 48 Tonnen wurden anschließend 24 Tonnen weitertransportiert. Rechnerisch verbleiben dort 24 Tonnen aus dieser Herkunft. Die 60 Tonnen Verfüllmaterial sind ein eigener Materialzugang auf Baustelle A.

Wer alle Tabellenzeilen addiert, erhält 204 Tonnen aufsummierte Transportmenge. Diese Zahl beschreibt die über die einzelnen Wege bewegten Mengen. Sie beantwortet jedoch nicht die Frage, wie viel Aushub Baustelle A verlassen hat. Die weitertransportierten 24 Tonnen gehören bereits zu den zuvor abgefahrenen 120 Tonnen.

Herkunft, Abholort und Ziel getrennt festhalten

Die ursprüngliche Baustelle bleibt erkennbar

Bei der ersten Abfuhr sind Materialherkunft und Abholort identisch: Baustelle A, Abschnitt 1. Beim Weitertransport aus dem Zwischenlager ändert sich der Abholort. Die ursprüngliche Herkunft des Bodens bleibt Baustelle A. Wird diese Information durch die Adresse des Zwischenlagers ersetzt, lässt sich der Materialweg später nur mühsam rekonstruieren.

Die digitale Dokumentation sollte daher den Bezug zur ursprünglichen Baustelle und den aktuellen Transportweg getrennt führen. Bei größeren Projekten hilft ein zusätzlicher Bauabschnitt oder eine eindeutig bezeichnete Herkunftsfläche. Freitexte wie „Baustelle Nord“ sind schwer zuzuordnen, wenn mehrere Aufträge dieselbe Bezeichnung verwenden.

Für das Zwischenlager braucht es außerdem eine im Betrieb wiedererkennbare Lagerfläche. Kommt Material aus verschiedenen Baustellen an, muss feststehen, wie die Herkunft im Lagerbetrieb erhalten wird. Werden Mengen zusammengeführt, muss die Dokumentation diese Veränderung abbilden. Eine nachträglich eingetragene Einzelherkunft kann keine physische Trennung herstellen, die vor Ort nicht stattgefunden hat.

Das tatsächliche Ziel wird am Vorgang bestätigt

Ein vorgesehener Empfänger und ein tatsächlich angefahrener Standort können voneinander abweichen. Wird ein Kipper unterwegs umgeleitet, muss das neue Ziel dem bestehenden Transport zugeordnet werden. Auftraggeber, Rechnungsempfänger und Annahmestelle können dabei drei verschiedene Beteiligte sein.

Auch die Richtung einer Bewegung hängt vom betrachteten Standort ab. Die Fahrt von Baustelle A zum Zwischenlager ist für die Baustelle eine Abfuhr und für das Lager ein Zugang. Herkunft und Ziel machen beide Sichtweisen möglich. Ein einzelnes Kennzeichen „Eingang“ ohne Standortbezug wäre dafür zu ungenau.

Jede Fahrt erhält ihren eigenen Bezug

Das Fahrzeugkennzeichen hilft bei der Identifikation des Kippers. Für die Materialdokumentation benötigt jede Fahrt zusätzlich eine eigene Vorgangskennung. Derselbe LKW kann an einem Tag mehrfach denselben Auftrag bedienen oder zwischen mehreren Baustellen wechseln.

Zur einzelnen Fahrt gehören Material, Herkunft, Abholort, Ziel, Auftrag und Baustelle beziehungsweise Bauabschnitt. Hinzu kommen Zeitpunkt, Fahrzeug und gegebenenfalls Anhänger, Wiegedaten sowie die zugehörigen Dokumentnummern. Diese Angaben sollten dort erfasst werden, wo sie verlässlich bekannt sind. Die Waage muss eine fehlende Baustellenzuordnung nicht aus einer handschriftlichen Notiz erraten.

Wiegedaten und Belege derselben Bewegung zusammenführen

Die Wiegesoftware im Tiefbau verbindet eine Fahrzeugwiegung mit dem ausgewählten Vorgang. Je nach Ablauf entstehen Erst- und Zweitwiegung, aus denen die Nettomenge bestimmt wird. Materialbezeichnung und Auftragsbezug geben dem Gewicht seine betriebliche Bedeutung. Ein Gewicht allein sagt weder, aus welchem Bauabschnitt die Ladung stammt, noch wohin sie anschließend gebracht wurde.

Wird dieselbe Ladung am Abgangs- und am Empfangsort gewogen, entstehen zwei Messungen zu einem Transport. Beide Werte und ihre Quellen bleiben erkennbar. Sie dürfen für eine Auswertung der transportierten Menge nicht als zwei getrennte Ladungen addiert werden. Für den Mengenvergleich oder die Abrechnung wird festgelegt, welche Quelle jeweils maßgeblich ist und wie Abweichungen geklärt werden.

Ein digitaler Lieferschein kann diese Beziehungen zusammenhalten: eigene Vorgangsnummer, Wiegebezug, Material, Baustelle und Empfänger. Ein zusätzlicher Beleg der Annahmestelle wird demselben Transport zugeordnet. Belegnummern externer Betriebe sollten zusammen mit dem Aussteller geführt werden, weil unterschiedliche Annahmestellen dieselbe Nummer vergeben können.

Beim Weitertransport aus dem Zwischenlager entsteht dagegen ein neuer Transportvorgang mit eigenen Wiege- und Lieferbelegen. Er verweist auf die passende Lagerfläche und die dokumentierte Herkunft. Dadurch bleibt nachvollziehbar, weshalb die 24 Tonnen im Beispiel eine weitere Fahrt erzeugen, aber die bereits erfasste Abfuhrmenge von Baustelle A nicht erhöhen.

Wenn auf der Baustelle keine Waage vorhanden ist

Die Baustelle kann Abfahrt, Fahrzeug, Material, Herkunftsabschnitt und vorgesehenes Ziel bereits dokumentieren. Die gewogene Nettomenge wird später aus der betrieblichen Waage oder dem zugeordneten Beleg der Annahmestelle ergänzt. Bis dahin bleibt erkennbar, dass der Mengenbeleg noch aussteht.

Eine geschätzte Füllung des Kippers oder ein Aufmaß in Kubikmetern wird dabei als eigene Mengenart geführt. Ein solcher Wert darf nicht ohne Kennzeichnung als gewogene Tonnage erscheinen. Beim Vergleich von Tonnen, Kubikmetern und Schüttdichte sind Einheit, Materialzustand und verwendete Umrechnungsannahmen entscheidend.

Materialströme je Baustelle zum Tagesende abgleichen

Eine hilfreiche Tagesübersicht zeigt neben den abgeschlossenen Bewegungen auch offene Vorgänge. Die Bauleitung braucht eine Antwort darauf, was tatsächlich abgefahren oder angeliefert wurde. Die Verwaltung muss erkennen, welche Belege noch fehlen und welche Zuordnungen vor der Abrechnung geklärt werden müssen.

Für das Beispiel ergeben sich vier getrennte Auswertungen:

  • Abfuhr von Baustelle A: 120 Tonnen Aushub, aufgeteilt nach den beiden Zielen Annahmestelle und Zwischenlager.
  • Zwischenlager, Herkunft Baustelle A: 48 Tonnen Zugang, 24 Tonnen Abgang und daraus 24 Tonnen rechnerischer Restbestand.
  • Zugang auf Baustelle B: 24 Tonnen aus dem Zwischenlager mit erhaltenem Herkunftsbezug zu Baustelle A.
  • Anlieferung auf Baustelle A: 60 Tonnen Verfüllmaterial aus dem Kieswerk.

Die Bezeichnungen begrenzen zugleich die Aussage: 120 Tonnen abgefahrener Aushub sind nicht automatisch die gesamte ausgehobene Menge. Material kann noch auf der Baustelle liegen. Ebenso belegen 60 Tonnen angeliefertes Verfüllmaterial zunächst die Anlieferung. Ob die gesamte Menge schon eingebaut wurde, muss aus einer zusätzlichen Dokumentation des Einbaus hervorgehen.

Der rechnerische Lagerbestand beruht auf vollständig erfassten Bewegungen und der gewählten Mengengrundlage. Fehlen Abgänge, wurden Materialien vermischt oder Mengen unterschiedlich ermittelt, muss die Abweichung geprüft werden. Die Bewegungsliste ersetzt keine erforderliche Bestandsaufnahme vor Ort.

Drei Rückfragen, die vor der Abrechnung auffallen sollten

Ein Fahrer meldet eine Abfuhr, aber der Wiegebeleg fehlt. Der Vorgang bleibt in der Übersicht offen, und die zuständige Stelle fordert den Beleg an. Eine geschätzte Menge wird dadurch nicht stillschweigend zur bestätigten Abrechnungsmenge.

Ein Lieferschein nennt Baustelle A, die Annahmebestätigung gehört offenbar zu einer anderen Fahrt. Fahrzeug, Zeitpunkt, Material und Belegreferenzen werden gemeinsam geprüft. Eine Übereinstimmung beim Kennzeichen reicht bei mehreren Tagesfahrten nicht aus.

Eine Ladung wird am Ziel abgewiesen und zurückgebracht. Abfahrt, versuchte Annahme und Rückweg müssen im Zusammenhang erkennbar bleiben. Die ursprüngliche Abfuhr einfach zu löschen, würde die tatsächlich erfolgte Transportleistung und den Grund der Rückkehr verdecken.

Materialbezeichnung und fachliche Bewertung zusammenhalten

Für den täglichen Ablauf sind einheitliche Materialbezeichnungen hilfreich. „Aushub“, „Boden“ und „Verfüllmaterial“ können je Betrieb unterschiedlich verwendet werden. Stimmen Bauleitung, Waage und Verwaltung ihre Bezeichnungen ab, lassen sich Bewegungen verlässlich gruppieren. Wo zusätzliche Materialinformationen erforderlich sind, sollten deren Quelle und Bezug zur betroffenen Menge erhalten bleiben.

Die Bedeutung der Materialeigenschaften geht über die Mengenliste hinaus. Das Umweltbundesamt beschreibt, dass Zusammensetzung, bautechnische Eigenschaften und Sortenreinheit die Verwertungsmöglichkeiten mineralischer Materialien beeinflussen. Quelle: Umweltbundesamt, Stoffstrommanagement im Bauwesen.

Für die Dokumentation folgt daraus: Eine Bezeichnung im Wiegevorgang ersetzt keine fachliche Materialbewertung. Vorliegende Untersuchungen, Annahmebedingungen oder Freigaben müssen dem richtigen Material und Vorgang zugeordnet werden. Welche Unterlagen im konkreten Ablauf benötigt werden, klären die dafür verantwortlichen Stellen. Die Software unterstützt ihre Zuordnung, sie bestimmt die Eignung eines Materials nicht aus dessen Gewicht.

Von der Waage zur Bauleitung und Abrechnung

Die Software für Tiefbau und Erdbau muss die an der Waage erfassten Mengen mit den betrieblichen Bezügen weitergeben können. TBScale verbindet Wiegevorgänge mit konfigurierbaren Stammdaten, Prozessschritten und Dokumenten. Für einen Materialfluss werden beispielsweise die benötigten Baustellen-, Auftrags- und Herkunftsangaben sowie ihre Darstellung auf den Belegen abgestimmt.

Mit TBScale lassen sich außerdem Schnittstellen zu Fakturierung, ERP, Portal und Archiv in den Ablauf einbinden. Bei Selbstbedienung führt TBTouchScale den Fahrer durch die eingerichtete Auftragsauswahl und den Wiegeprozess. Welche Angaben bereits vorbelegt sind und welche am Terminal bestätigt werden, richtet sich nach dem vorgesehenen Einsatz.

TBScale und TBTouchScale betreiben einen Datenaustausch mit TBRegio für Fakturierung und ERP. Für den Tiefbaubetrieb ist dabei entscheidend, dass die relevanten Mengen und Belegreferenzen mit dem richtigen Auftrag und Baustellenbezug übergeben werden. Material, Transport und Annahme können unterschiedliche Abrechnungsgrundlagen haben. Ihre Zuordnung wird deshalb zusammen mit dem kaufmännischen Ablauf festgelegt.

Die Lagerrechnung, die Übernahme externer Wiegebelege und Auswertungen über mehrere Standorte sind konkrete Anforderungen an die Gesamtlösung. Vor der Umsetzung wird geklärt, welches System die jeweiligen Daten führt und wie die Übergabe erfolgt. Aus einem einzelnen Wiegebeleg entsteht erst durch diese abgestimmten Verbindungen eine nutzbare Übersicht über den Materialstrom.

Mit einem vollständigen Materialweg beginnen

Für den Einstieg eignet sich eine Baustelle mit überschaubaren Materialwegen. Dokumentieren Sie eine direkte Abfuhr, eine Anlieferung und eine Bewegung über das Zwischenlager vollständig. Prüfen Sie anschließend gemeinsam mit Bauleitung, Waage und Verwaltung:

  • Ist jede Fahrt einem eindeutigen Vorgang, einem Material und der richtigen Baustelle zugeordnet?
  • Bleiben ursprüngliche Herkunft, aktueller Abholort und tatsächliches Ziel unterscheidbar?
  • Sind gewogene Mengen, Schätzwerte und Aufmaßwerte mit ihrer Quelle und Einheit erkennbar?
  • Gehören eigene und externe Belege zum selben Transport, ohne die Menge doppelt zu zählen?
  • Verändert eine Umlagerung den richtigen Lagerbestand, ohne erneut als Aushubabfuhr der Ursprungsbaustelle zu erscheinen?
  • Werden fehlende Belege, Rücklieferungen und berichtigte Zuordnungen bis zur Klärung sichtbar gehalten?

Wenn diese Fragen am Beispiel beantwortet werden können, lässt sich derselbe Ablauf auf weitere Baustellen und Annahmestellen übertragen. Neue Materialwege ergänzen dann eine gemeinsame Dokumentation, statt jeweils eine weitere getrennte Liste zu erzeugen.

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