Rohstoffbedarf: Warum Primär- und Sekundärrohstoffe gemeinsam gedacht werden müssen
Wer Primär- und Sekundärrohstoffe getrennt plant, hat entweder zu viel Halde oder zu wenig Recyclingmaterial. Die Mengenbilanz eines Werks aus Eingängen, Beständen, Produktion und Absatz, mit Risiken und Kennzahlen.
Ein Werk, das Primärrohstoffe nach Abbauplan und Sekundärrohstoffe nach Anlieferung plant, plant zweimal dasselbe Produkt mit zwei Unbekannten. Die Rezeptur braucht beide in einem festen Verhältnis, die Kunden bestellen das Produkt, nicht die Rohstoffart, und am Ende des Quartals passt entweder die Halde nicht zum Absatz oder der Sekundäranteil nicht zur Zusage. Die Lösung ist keine neue Software, sondern eine Mengenbilanz, in der beide Rohstoffarten mit Eingang, Bestand, Verbrauch und Absatz stehen, und Daten, die ohnehin an der Waage entstehen.
Der Rohstoffbedarf eines Werks ergibt sich aus dem Absatz je Produkt und der Rezeptur je Produkt: So viel Tonnen Produkt, so viel Prozent Primär, so viel Prozent Sekundär. Was daran schwierig ist, sind nicht die Formeln, sondern die Unsicherheiten auf beiden Seiten, und die sind verschieden.
Die Mengenbilanz eines Werks
Die Bilanz hat vier Blöcke. Die Eingänge: Primärmaterial aus eigener Gewinnung nach Abbaufortschritt oder aus Zukauf, Sekundärmaterial aus Annahme von Abbruch und Fräsgut oder aus Zukauf aufbereiteter Fraktionen, beides aus der Eingangswiegung mit Material, Herkunft und Menge. Die Bestände: Halden und Silos je Fraktion, aus Aufmaß oder Bestandsführung, mit dem Zeitraum, in dem sie entstanden sind. Die Produktion: Verbrauch je Fraktion nach Rezeptur und Charge, produzierte Menge je Produkt. Der Absatz: Ausgangswiegung je Produkt und Kunde, dazu offene Aufträge mit Restmengen als Vorschau.
Eingänge minus Verbrauch ergeben die Bestandsveränderung. Die Produktion entspricht dem Absatz plus Bestandsaufbau des Produkts. Wer diese beiden Gleichungen je Fraktion und Produkt monatlich schließt, weiß, was er hat, was er braucht und wann es knapp wird.
Warum getrennte Planung schiefgeht
Primärrohstoffe sind planbar in der Menge und begrenzt in der Verfügbarkeit: Der Abbau folgt einer Genehmigung mit Jahresmengen, der Zukauf einem Rahmenvertrag. Sekundärrohstoffe sind das Gegenteil: Ihre Menge hängt davon ab, wie viel in der Region abgebrochen und gefräst wird, ihre Qualität schwankt je Herkunft, ihre Verwendung ist durch Materialklassen und Rezepturgrenzen beschränkt, und sie kommen, wenn die Baustelle sie liefert, nicht wenn das Werk sie braucht. Wer beide getrennt plant, übersieht die Kopplung: Ein Produkt mit zwanzig Prozent Sekundäranteil, für das die Sekundärfraktion fehlt, kann nicht produziert werden, auch wenn die Primärhalde voll ist, außer die Rezeptur wird geändert, und dann stimmt der zugesagte Anteil auf dem Lieferschein nicht mehr.
| Rohstoffart | Quelle der Mengen | Planungsrisiko |
|---|---|---|
| Primär aus eigener Gewinnung | Abbauplan, Produktionsmengen der Aufbereitung, Haldenaufmaß | Genehmigte Jahresmenge, Lagerstättenqualität, Wetter im Abbau |
| Primär aus Zukauf | Eingangswiegung, Rahmenvertrag | Lieferfähigkeit und Preis des Lieferwerks, Transportkosten |
| Sekundär aus Annahme | Eingangswiegung mit Herkunft und Einstufung, Annahmekontrolle | Schwankende Anlieferung, Qualität je Herkunft, Ablehnungen |
| Sekundär aus Zukauf aufbereiteter Fraktionen | Eingangswiegung, Güteüberwachung des Lieferanten | Verfügbarkeit in der Region, Materialklasse |
| Sekundärstoffe in der Rezeptur, etwa Hüttensand oder Flugasche | Eingangswiegung, Silobestand | Abhängigkeit von Industrien, deren Nebenprodukte sie sind |
| Produkt mit festem Sekundäranteil | Rezeptur, Chargen, Absatz | Beide Fraktionen müssen gleichzeitig verfügbar sein |
Die Daten, die das Werk schon hat
Die Eingangswiegung liefert Primär- und Sekundäreingänge mit Datum, Material und Herkunft, sofern der Wareneingang an der Waage erfasst wird und nicht nur als Lieferantenbeleg abgeheftet. Die Ausgangswiegung liefert den Absatz je Produkt und Tag. Die Rezeptur liefert den Verbrauch je Fraktion und Produkt. Bei Asphaltmischanlagen ermittelt TBAMO aus den Rezepturen den Materialbedarf je Zeiteinheit, auch für die Bestellung. Die Bestände sind der Teil, der am häufigsten fehlt: Haldenaufmaß je Quartal reicht für die Bilanz, monatlich ist besser, und eine Bestandsführung je Fraktion aus Eingang und Verbrauch ersetzt das Aufmaß zwischen den Terminen. Die Voraussetzung dafür sind Materialstammdaten, in denen jede Fraktion einmal und eindeutig existiert.
Für Werke mit Recyclingbereich sind Eingangs- und Ausgangsmengen je Fraktion aus den Wiegedaten verfügbar und lassen sich zu einer Stoffstrombilanz auswerten. Ob daraus eine laufende Bestandsführung mit Aufbereitungsschritten wird, hängt von den Prozessen im Werk und der Anbindung vorhandener Systeme ab.
Zwei Kennzahlen für die Steuerung
Der Sekundäranteil ist der Anteil der Sekundärrohstoffe am gesamten Rohstoffeinsatz, je Produkt und je Werk und Zeitraum. Er ist die Kennzahl, die Kunden und Nachhaltigkeitsberichte verlangen, und zugleich die, an der sich zeigt, ob die Sekundärfraktionen ausreichen. Die Reichweite ist der Bestand einer Fraktion geteilt durch den Verbrauch je Tag, in Tagen. Sie ist die Kennzahl für die Disposition der Rohstoffe: Eine Sekundärfraktion mit zehn Tagen Reichweite bei einem Produkt mit zwanzig Prozent Anteil bestimmt, wie viel von diesem Produkt in den nächsten zwei Wochen zugesagt werden kann.
Was die gemeinsame Planung verändert
Drei Entscheidungen werden mit der Bilanz anders getroffen. Die Annahme: Ein Recyclinghof, der weiß, welche Fraktion knapp wird, kann Anlieferungen gezielt annehmen, Annahmeentgelte steuern und Rückladungen von Baustellen planen, die sonst leer zurückfahren. Der Vertrieb: Zusagen für Produkte mit Sekundäranteil richten sich nach der Reichweite der Sekundärfraktion, nicht nach der Primärhalde. Der Zukauf: Wo die Annahme nicht reicht, wird aufbereitetes Material zugekauft, und die Bilanz zeigt, wann und wie viel. Dieselben Mengen sind später die Grundlage der Umweltinformationen eines Produkts, vom Rohstoff bis zur Herstellung.
Häufige Fragen zum Rohstoffbedarf
Brauchen wir dafür eine Bestandsführung?
Für den Anfang reicht ein Haldenaufmaß je Monat mit der Bilanz aus Eingang und Verbrauch dazwischen. Eine laufende Bestandsführung je Fraktion lohnt sich, sobald mehrere Sekundärfraktionen in mehreren Produkten stecken.
Wie genau muss der Verbrauch je Fraktion sein?
So genau wie die Rezeptur und die Chargenmengen. Bei Anlagen mit Dosiersteuerung ist er ein Messwert, bei Halden, die mit dem Radlader beschickt werden, eine Rechnung aus Rezeptur und produzierter Menge. Beides reicht für die Reichweite.
Was ist mit Sekundärmaterial, das abgelehnt wird?
Es taucht in der Bilanz als Eingang mit Ablehnung auf und nicht als Bestand. Die Ablehnungsquote ist eine eigene Kennzahl der Annahme, die zeigt, wie verlässlich die Anlieferungen aus der Region sind.
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