Transportbeton · Fachartikel

Transportbeton-Software vergleichen: zehn Situationen, die den Unterschied zeigen

11 min Lesedauer TBSoft Redaktion
Weiße Linienzeichnung zweier Dispositionssysteme im Vergleich mit gemeinsamen Prüfsituationen für Fahrmischer, Pumpe und Belege

Zehn Situationen aus dem Werkstag, an denen sich Transportbeton-Software unterscheidet: sinkende Abnahme, Pumpenausfall, Nachbestellung, Werkswechsel, Wartezeit, Funkloch, Sammelrechnung. Was ein Vergleich zeigen muss.

Transportbeton-Software vergleichen heißt nicht, zwei Funktionslisten nebeneinanderzulegen. Es heißt, dieselbe Situation in zwei Systemen durchzuspielen und zu sehen, was der Disponent, der Fahrer und die Buchhaltung danach in der Hand haben. Die zehn Situationen unten kommen in jedem Betonwerk vor, manche täglich. Jede lässt sich in einer Vorführung in wenigen Minuten nachstellen, und an jeder zeigt sich, ob eine Software Betonagen plant oder nur Fahrten verwaltet.

Für den Vergleich reicht ein einziger Auftrag aus der letzten Saison, mit Sorte, Menge, Abnahmeleistung, Pumpe und Baustelle. Mit ihm lassen sich alle zehn Situationen durchspielen. Die Auswahlkriterien für Transportbeton-Software beschreiben, was ein Anbieter grundsätzlich können muss. Der Vergleich hier setzt eine Stufe später an: bei dem, was auf dem Bildschirm passiert, wenn der Werkstag nicht nach Plan läuft.

Situation 1: Die Baustelle nimmt langsamer ab als bestellt

Eine Bodenplatte ist mit einer Abnahme von 24 Kubikmetern je Stunde bestellt. Nach der dritten Lieferung meldet der Polier, dass die Einbaukolonne nur 16 Kubikmeter je Stunde schafft. Vier Fahrmischer sind bereits beladen oder unterwegs.

Eine Software, die Fahrten verwaltet, zeigt weiterhin vier Fahrten mit ihren Uhrzeiten. Eine Transportbeton-Software rechnet die Lieferfolge neu: Der Abstand zwischen den Lieferungen steigt, die beladenen Fahrzeuge warten auf der Baustelle oder werden angehalten, die noch nicht beladenen Fahrzeuge bekommen spätere Ladefenster, und die Folgeaufträge dieser Fahrzeuge verschieben sich. Der Disponent sieht die neue Folge, bevor er den ersten Anruf macht. Wie sich die Lieferfolge aus der Abnahmeleistung ergibt, ist die Grundlage dieser Rechnung.

Situation 2: Die Pumpe fällt um sieben Uhr aus

Die eigene Betonpumpe meldet morgens einen Defekt. Sie war für zwei Baustellen eingeplant, die erste ab acht Uhr, die zweite ab dreizehn Uhr. Die Fahrmischer für die erste Baustelle sind bereits beladen.

Im Vergleich zeigt sich, ob die Pumpe eine eigene Ressource mit eigener Planung ist oder nur ein Textfeld am Auftrag. Ist sie eine Ressource, sieht der Disponent beide betroffenen Aufträge, kann eine Fremdpumpe oder eine zweite eigene Pumpe zuordnen und sieht sofort, ob deren Anfahrt und Aufbau vor der ersten Entladung fertig sind. Ist sie ein Textfeld, sucht er die betroffenen Aufträge von Hand. Die gemeinsame Planung von Fahrmischern und Betonpumpen entscheidet hier über eine Viertelstunde oder einen verlorenen Vormittag.

Situation 3: Der Polier bestellt drei Kubikmeter nach

Kurz vor der letzten Lieferung stellt die Baustelle fest, dass die Schalung mehr fasst als berechnet. Es fehlen drei Kubikmeter derselben Sorte, und zwar innerhalb der nächsten Stunde, bevor der eingebaute Beton ansteift.

Eine Software, die den Auftrag als abgeschlossene Bestellung führt, braucht einen neuen Auftrag mit neuer Nummer, neuem Lieferschein und einer Sammelrechnung, die beide später zusammenführt. Eine Transportbeton-Software ergänzt den laufenden Auftrag um eine Teilmenge, prüft, welches Fahrzeug den Rest übernehmen kann, und hält Menge, Lieferscheine und Rechnung im selben Vorgang. Der Unterschied zeigt sich am Abend in der Fakturierung: eine Position oder zwei Aufträge, die jemand verknüpfen muss. Wie eine Änderung bei laufender Lieferung kontrolliert an Werk, Fahrer und Faktura weitergegeben wird, gehört in denselben Vergleich.

Situation 4: Ein Auftrag soll ins Nachbarwerk

Das Stammwerk hat für den Vormittag keine freie Mischkapazität mehr, das zwanzig Kilometer entfernte Nachbarwerk führt dieselbe Sorte. Der Auftrag soll dorthin verschoben werden.

Eine Software, die jedes Werk als eigene Planung führt, verlangt, den Auftrag im ersten Werk zu löschen und im zweiten neu anzulegen. Die Fahrzeuge, die Preise und die Baustellendaten wandern dabei nicht mit. In einer Mehrwerksdisposition wechselt der Auftrag das Lieferwerk, behält Kunde, Baustelle und Konditionen, und beide Werke sehen die Wirkung auf ihre Kapazität. Der Vergleich zeigt außerdem, ob die längere Anfahrt die Lieferfolge und den Fahrzeugbedarf automatisch verändert.

Situation 5: Ein Fahrmischer steht lange vor der Pumpe

Die Pumpe ist noch nicht aufgebaut, der erste Fahrmischer wartet. Nach einer halben Stunde beginnt die Entladung, das Fahrzeug ist danach für den nächsten Umlauf entsprechend später verfügbar.

Hier trennt sich, ob eine Software Wartezeit nur als Notiz kennt oder als Zeitraum zwischen zwei Zeitstempeln. Im zweiten Fall entsteht die Wartezeit aus Ankunft und Entladebeginn, wird dem Fahrzeug im Umlauf gutgeschrieben, steht auf dem Lieferschein und wird nach der Vereinbarung mit dem Kunden abgerechnet. Im ersten Fall schreibt der Fahrer eine Zahl auf, die das Büro später überträgt oder vergisst. Wie Wartezeiten im Transportbeton erfasst und abgerechnet werden, ist der Maßstab für diese Situation.

Situation 6: Die Baustelle will Wasser zugeben

Der Polier findet den Beton zu steif und verlangt Wasser. Der Fahrer muss wissen, ob er das darf, wie viel und wer die Zugabe verantwortet, und der Vorgang muss auf dem Lieferschein stehen.

Eine Software ohne Feld für die Wasserzugabe verliert diese Information oder behält sie im Bemerkungsfeld. Eine Transportbeton-Software führt Menge, Zeitpunkt und die anfordernde Person als eigene Angaben, die der Empfänger bestätigt und die später bei einer Reklamation über die Betonqualität nachlesbar sind. Im Vergleich lohnt der Blick auf den fertigen Beleg, nicht nur auf die Eingabemaske.

Situation 7: Der Fahrer hat auf der Baustelle kein Netz

Die Baustelle liegt in einem Tal ohne Mobilfunk. Der Fahrer soll Ankunft, Entladebeginn und Entladeende melden und die Unterschrift des Poliers aufnehmen.

Der Unterschied liegt darin, was mit den Meldungen geschieht: Werden sie auf dem Gerät gespeichert und beim nächsten Netzkontakt mit dem ursprünglichen Zeitstempel übertragen, oder gehen sie verloren oder tragen die Uhrzeit der Übertragung? Für Wartezeiten und Streitfälle zählt der Zeitpunkt des Ereignisses, nicht der Zeitpunkt des Funkkontakts. Welche Anforderungen an mobile Erfassung bei instabiler Verbindung zu stellen sind, gilt für Transportbeton in besonderem Maß, weil die Zeitstempel hier Geld wert sind.

Situation 8: Der Fremdspediteur fährt ohne Telematik

Ein Drittel der Lieferungen fährt ein Spediteur mit eigenen Fahrmischern ohne Anbindung. Der Disponent will trotzdem wissen, wo diese Fahrzeuge stehen und wann sie zurück sind.

Software, die nur eigene Fahrzeuge mit Telematikbox kennt, zeigt die Fremdfahrzeuge als Lücke. Der Vergleich zeigt, ob es für sie einen Rückmeldeweg gibt, etwa eine App für den Fremdfahrer mit Auftrag und Statusmeldung ohne Zugriff auf interne Daten, und ob diese Meldungen in derselben Ansicht erscheinen wie die der eigenen Flotte. Wie Eigenfuhrpark und Fremdspediteure gemeinsam disponiert werden, ist in Transportbetonwerken keine Ausnahme, sondern der Normalfall.

Situation 9: Der Kunde will eine Rechnung je Baustelle mit Wartezeiten und Pumpe

Ein Bauunternehmen mit drei Baustellen verlangt monatlich eine Rechnung je Baustelle, auf der Beton, Pumpeneinsatz, Wartezeiten und Mindermengen getrennt ausgewiesen sind.

In einer allgemeinen Auftragsabwicklung entsteht diese Rechnung aus Handarbeit: Lieferscheine sortieren, Nebenleistungen nachtragen, Positionen prüfen. In einer Fakturierung für Transportbeton entstehen die Positionen aus den Lieferdaten, die Wartezeit aus den Zeitstempeln, der Pumpeneinsatz aus dem Auftrag, die Mindermenge aus dem Vergleich von Bestell- und Liefermenge. Die Sammelrechnung je Baustelle ist dann eine Gruppierungsregel, keine Sonderaufgabe. TBRegio übernimmt Lieferscheindaten, wendet Preise und Konditionen an und erzeugt Rechnungen, Gutschriften und Spediteursgutschriften, auf Wunsch als XRechnung oder ZUGFeRD.

Situation 10: Es ist 17 Uhr, und morgen stehen vier Betonagen an

Der Vertrieb hat für den nächsten Tag vier Betonagen zugesagt, zwei davon mit Pumpe. Der Disponent prüft am Abend, ob Mischkapazität, Fahrzeuge, Fahrer und Pumpen für alle vier reichen.

Der Unterschied zeigt sich in der Frage, ob die Software diese Prüfung selbst anstellt. Eine Dispositionssoftware für Transportbeton legt die vier Lieferfolgen übereinander, zeigt, wo sich Ladefenster überschneiden, wo ein Fahrzeug zweimal gebraucht wird und wo die Pumpe am Nachmittag noch an der ersten Baustelle abbaut. Der Disponent entscheidet dann am Abend, welcher Auftrag um eine Stunde rückt, und nicht am nächsten Morgen der Zufall. Was am Abend außerdem geprüft wird, gehört in den digitalen Tagesabschluss.

Was der Vergleich nicht zeigt

Drei Dinge lassen sich in einer Vorführung nicht sehen und gehören deshalb in Referenzgespräche und in den Vertrag: das Verhalten bei Ausfall von Netzwerk oder Server im Werk, der Support um sechs Uhr morgens, wenn die erste Beladung nicht startet, und die Dauer der Einführung mit Anbindung von Mischanlage und Telematik. Wie eine Einführung im Betonwerk abläuft und welcher Zeitpunkt im Jahr dafür geeignet ist, entscheidet über den Start mehr als jede Funktion. Auch die Frage, ob eine Software mit dem Werk wächst, zeigt sich erst im Vergleich kleiner Werke, großer Werke und Werksgruppen.

Häufige Fragen zum Vergleich von Transportbeton-Software

Reicht es, die zehn Situationen als Fragen an den Anbieter zu schicken?

Schriftliche Antworten sind ein Anfang, ersetzen aber das Durchspielen nicht. Ob die neue Lieferfolge nach einer gesunkenen Abnahme in Sekunden oder nach zehn Klicks entsteht, steht in keiner Antwort.

Was, wenn ein Anbieter nur einige Situationen abbildet?

Dann ist zu prüfen, welche Situationen im eigenen Werk wie oft vorkommen. Ein Werk ohne eigene Pumpen und ohne Fremdspediteure gewichtet die Situationen 2 und 8 anders als ein Werk mit beidem. Die Situationen 1, 3, 5 und 9 kommen in jedem Werk vor.

Sollten Disponent und Fakturierung beide bei der Vorführung dabei sein?

Ja, und der Vertrieb ebenfalls. Die Situationen 9 und 10 betreffen die Rechnung und die Zusage, die Situationen 1 bis 8 die Disposition und die Fahrer. Ein Vergleich, den nur eine Abteilung führt, übersieht die Hälfte.

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