Wo im 90-Minuten-Prozess des Transportbetons Zeit verloren geht
Von der Wasserzugabe bis zum Entladeende: sechs Stationen im Umlauf eines Fahrmischers, an denen Minuten verschwinden, was sie kosten und was Werk, Disposition und Baustelle dagegen tun können.
Ab der Wasserzugabe an der Mischanlage läuft eine Uhr, die niemand anhalten kann. Als Richtwert gelten 90 Minuten bis zum Einbau, längere Zeiten vereinbaren Werk und Baustelle über die Rezeptur, etwa mit Verzögerer. In diese Zeit müssen Beladung, Ausfahrt, Fahrt, Warten und Entladung passen. Jede Minute, die an einer Station verloren geht, fehlt am Ende, und am Ende steht entweder ein Beton, der nicht mehr wie bestellt verarbeitbar ist, oder ein Fahrzeug, das für den nächsten Umlauf zu spät kommt. Der 90-Minuten-Prozess ist deshalb keine Frage der Fahrzeit allein. Er ist eine Kette von sechs Stationen, und an jeder wird Zeit auf eine andere Weise verloren.
Die Stationen unten folgen einem einzigen Fahrmischer auf einer einzigen Fahrt. Was an jeder Station passiert, was es kostet und was dagegen hilft, gilt für jedes Werk, unabhängig von seiner Größe.
Minute null: die Wasserzugabe an der Anlage
Die Zeit beginnt, bevor das Fahrzeug fährt. Wird der Beton produziert, während der Fahrmischer noch an der Waage steht, rangiert oder auf den vorherigen Lkw wartet, vergehen die ersten Minuten in der Trommel unter dem Mischer. Umgekehrt wartet ein Fahrzeug, das zu früh kommt, vor der Anlage, und die Anlage produziert für ein anderes Fahrzeug. Beides kostet Minuten, die auf dem Lieferschein nie erscheinen, weil er den Beladebeginn als Start nimmt.
Was hilft, ist ein Ladefenster je Fahrzeug, das die Anlage kennt: Der Auftrag geht mit Zielfahrzeug und Zeitpunkt an die Steuerung, und das Fahrzeug steht zu diesem Zeitpunkt unter dem Mischer. Der Zeitstempel der Wasserzugabe gehört auf den Beleg, nicht der Zeitpunkt des Drucks.
Die Ausfahrt: Lieferschein, Waage, Tor
Zwischen Beladeende und Ausfahrt vergehen in vielen Werken fünf bis zehn Minuten, die niemand plant: Der Fahrer wartet auf den gedruckten Lieferschein, steigt aus, holt ihn im Büro, fährt zur Waage, wird identifiziert, wartet an der Schranke. Jede dieser Handlungen ist kurz, zusammen sind sie eine Fahrt weniger am Tag.
Was hilft, ist ein Beleg, der aus den Produktionsdaten entsteht und auf dem Gerät des Fahrers ankommt, bevor er losfährt. Wo im Werk verwogen wird, verkürzt die Erkennung des Fahrzeugs an der Waage den Halt, und der digitale Lieferschein im Transportbeton macht aus dem Gang ins Büro eine Bestätigung am Bildschirm.
Die Fahrt: Strecke, Verkehr und die falsche Zufahrt
Die Fahrzeit ist die Station, die jeder kennt, und trotzdem nicht die, an der die meisten Minuten verloren gehen. Verloren gehen sie durch die Umstände: eine Baustelle, deren Zufahrt nicht im Auftrag steht, sodass der Fahrer zweimal wendet, eine Sperrung, die die Disposition erst vom dritten Fahrer erfährt, eine Strecke, die für den beladenen Fahrmischer gesperrt ist. Eine geschätzte Fahrzeit, die aus der Erinnerung des Disponenten stammt, weicht am Nachmittag um zehn Minuten von der am Morgen ab.
Was hilft, ist ein Baustellenstamm mit Zufahrt und Entladeplatz, den jeder Folgeauftrag wiederverwendet, und eine Streckenberechnung mit Zeitangabe je Fahrt. TBGeoCom liefert Geopositionen und Strecken-, Maut- und Zeitberechnungen in die Disposition. Eine voraussichtliche Ankunftszeit, die Disposition, Werk und Baustelle gemeinsam sehen, macht die Sperrung sichtbar, bevor der zweite Fahrer in ihr steht.
Die Ankunft: der Wartebereich vor der Pumpe
Hier gehen die meisten Minuten verloren, und hier sind sie am teuersten. Die Pumpe ist noch nicht aufgebaut, das vorherige Fahrzeug entlädt noch, die Kolonne ist nicht bereit, der Entladeplatz ist belegt. Ein Fahrmischer, der zwanzig Minuten vor der Pumpe wartet, hat zwanzig Minuten weniger Verarbeitungszeit, kommt zwanzig Minuten später zurück und fehlt bei der nächsten Beladung. Bei drei Fahrzeugen hintereinander summiert sich das zu einer Stunde Wartezeit vor einer einzigen Baustelle.
Was hilft, ist ein Liefertakt aus der tatsächlichen Abnahmeleistung, nicht aus der bestellten, und die Bereitschaft, den Takt zu ändern, sobald die Abnahme sinkt. Dazu Zeitstempel für Ankunft und Entladebeginn, aus denen die Wartezeit entsteht, bestätigt vom Empfänger. Wie Wartezeiten im Transportbeton erfasst und abgerechnet werden, entscheidet nicht nur über die Rechnung, sondern über die Frage, ob die Baustelle den Takt beim nächsten Mal einhält.
Die Entladung: Abnahmeleistung und Wasserzugabe
Die Entladung dauert so lange, wie die Baustelle den Beton aufnimmt. Eine Pumpe, die 36 Kubikmeter je Stunde fördern könnte, nützt nichts, wenn die Kolonne 16 einbaut. Dazu kommen Diskussionen am Fahrzeug: Der Polier findet den Beton zu steif und verlangt Wasser, der Fahrer weiß nicht, ob er darf, es wird telefoniert. Jede dieser Diskussionen findet statt, während die Uhr läuft.
Was hilft, ist eine Abnahmeleistung im Auftrag, die aus Bauteil, Fördergerät und Kolonne stammt und nach der ersten Lieferung geprüft wird, eine Konsistenz, die im Auftrag steht, und eine Regel für die Wasserzugabe, die der Fahrer kennt und die auf dem Beleg dokumentiert wird. Die Lieferfolge aus der Abnahmeleistung ist die Rechnung, die beide Seiten vor der Betonage gemeinsam anstellen sollten.
Nach dem Entladeende: Rückbeton, Reinigung, Rückfahrt
Für die gelieferte Ladung ist die Uhr mit dem Entladeende abgelaufen. Für den nächsten Umlauf beginnt sie an dieser Station. Bleibt Beton in der Trommel, muss er erfasst und im Werk übernommen werden. Die Reinigung der Rutsche, die Rückfahrt und die Meldung, dass das Fahrzeug frei ist, bestimmen, wann die Disposition das Fahrzeug wieder einplanen kann. Ein Fahrzeug, das zurück ist, aber nicht als frei gemeldet wurde, ist für die Disposition noch unterwegs.
Was hilft, ist ein Status für die Rückfahrt und das Freiwerden, der vom Fahrzeug oder vom Fahrer kommt, und eine Erfassung von Restbeton und Rückbeton mit Menge und Grund am Beleg, damit die Rücknahme im Werk und die Abrechnung nicht auf einem Zettel beginnen.
Die sechs Stationen im Überblick
- Wasserzugabe
Die Uhr beginnt in der Trommel, nicht am Tor. Ladefenster je Fahrzeug an der Anlage, Zeitstempel der Wasserzugabe auf dem Beleg.
- Ausfahrt
Gedruckter Beleg, Gang ins Büro, Waage, Schranke. Der Lieferschein entsteht aus Produktionsdaten und ist auf dem Gerät des Fahrers, bevor er fährt.
- Fahrt
Nicht die Strecke kostet, sondern Zufahrt, Sperrung und Schätzung. Baustellenstamm mit Zufahrt, Streckenberechnung mit Zeit, Ankunftszeit für alle sichtbar.
- Wartebereich
Die teuerste Station. Takt aus der tatsächlichen Abnahme, Zeitstempel für Ankunft und Entladebeginn, Wartezeit bestätigt und abgerechnet.
- Entladung
So schnell, wie die Kolonne einbaut. Abnahmeleistung und Konsistenz im Auftrag, Regel für die Wasserzugabe, Prüfung nach der ersten Lieferung.
- Rückfahrt
Der nächste Umlauf beginnt hier. Status für Rückfahrt und Freiwerden, Rückbeton mit Menge und Grund am Beleg.
Wer die Uhr sehen muss
Die Zeit seit der Wasserzugabe ist eine Information, die drei Personen brauchen und die in vielen Werken niemand sieht: der Disponent, der bei einer sinkenden Abnahme entscheiden muss, ob ein beladenes Fahrzeug wartet oder umgeleitet wird, der Fahrer, der vor der Pumpe steht, und der Polier, der die Reihenfolge der Fahrzeuge bestimmt. Eine Dispositionssoftware für Transportbeton führt diese Zeit je Ladung mit, aus dem Zeitstempel der Anlage und den Statusmeldungen des Fahrzeugs. TBDispo plant Aufträge, Fahrmischer, Pumpen und Touren in Echtzeit, TBTelematik liefert Geoposition, Status und Bilder der Baustelle zurück, und aus beidem entsteht die Sicht auf jede laufende Ladung. Was der Fahrzeugbedarf eines Auftrags mit der Umlaufzeit zu tun hat, ist die andere Seite derselben Rechnung: Jede verlorene Minute im Umlauf erhöht die Zahl der Fahrzeuge, die eine Betonage braucht.
Häufige Fragen zum 90-Minuten-Prozess im Transportbeton
Gelten die 90 Minuten für jede Lieferung?
Sie sind ein Richtwert ab der Wasserzugabe, der von Rezeptur, Zusatzmitteln und Temperatur abhängt. Werk und Baustelle können mit Verzögerer längere Zeiten vereinbaren, und bei Hitze oder bestimmten Sorten ist die Zeit kürzer zu bemessen. Die vereinbarte Zeit gehört in den Auftrag, damit Disposition und Fahrer dieselbe Grenze sehen.
Was passiert, wenn die Zeit überschritten wird?
Die Entscheidung, ob der Beton noch eingebaut wird, trifft die Baustelle mit der Betontechnologie des Werks, nicht der Fahrer. Zeitpunkt und Entscheidung gehören auf den Lieferschein. Wird der Beton zurückgenommen, wird er als Rückbeton mit Menge und Grund erfasst.
Hilft ein zusätzliches Fahrzeug gegen verlorene Zeit?
Nur, wenn die Zeit im Umlauf verloren geht, etwa durch eine lange Anfahrt. Geht sie im Wartebereich verloren, weil die Baustelle langsamer einbaut als bestellt, wartet das zusätzliche Fahrzeug ebenfalls. Dann hilft ein längerer Takt, nicht ein weiterer Fahrmischer.
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