Materialstammdaten im Kieswerk richtig strukturieren
Gestein und Herkunft, Produktgruppe, Lieferkörnung, Güte, Verkaufsartikel, Lagerort: Wie ein Kieswerk seinen Materialstamm in Ebenen strukturiert, damit Waage, Bestand und Rechnung dasselbe Material meinen.
Materialstammdaten im Kieswerk entscheiden darüber, ob Waage, Bestand und Rechnung dasselbe Material meinen. Ein Werk, das „Kies 16/32“, „Kies 16-32 gewaschen“ und „Betonkies 16/32“ als drei Artikel führt, hat drei Bestände für eine Halde und drei Preise für ein Produkt, und niemand weiß, welcher gilt. Der Materialstamm ist deshalb keine Liste, sondern ein Gebäude mit sechs Ebenen, von der Gesteinsart bis zum Lagerort, und jede Ebene beantwortet eine andere Frage.
Warum ein Artikel nicht reicht
An der Waage reicht ein Artikelname, um einen Beleg zu drucken. Danach beginnen die Fragen: Welche Halde bucht ab? Welcher Preis gilt für diesen Kunden? Welche Norm steht auf dem Lieferschein? Welches Prüfzeugnis gehört dazu? Ist das gewaschene Material ein anderer Artikel oder dieselbe Sorte mit anderem Wassergehalt? Ein flacher Artikelstamm beantwortet diese Fragen mit weiteren Artikeln, und nach drei Jahren hat das Werk hundert Artikel für zwölf Sorten. Was Stammdatenqualität für Kunde, Material und Baustelle allgemein bedeutet, zeigt sich im Kieswerk beim Material am deutlichsten, weil dort die meisten Ebenen zusammenkommen. TBScale erlaubt die freie Definition der Stammdaten, und diese Freiheit verlangt eine Struktur, bevor der erste Artikel angelegt wird.
Ebene 1: Gestein und Herkunft
Die unterste Ebene beschreibt, woher das Material kommt: Lagerstätte, Gewinnungsart, bei Werksgruppen das Werk. Kies aus der Nassgewinnung, Sand aus derselben Grube, Zukauf von Splitt aus einem Schotterwerk. Diese Ebene ändert sich selten und braucht wenige Einträge. Der häufige Fehler: Zukauf und eigene Gewinnung werden nicht unterschieden, und der Bestand des zugekauften Splitts vermischt sich mit dem Rohstoffbedarf der eigenen Aufbereitung.
Ebene 2: Produktgruppe
Darüber liegt die Gruppe, die Vertrieb und Auswertung brauchen: Sand, Kies, Kiessand, Splitt, Gemische, Füllmaterial. Sie ordnet, was im Preisblatt zusammensteht und was in der Statistik als eine Zeile erscheint. Der häufige Fehler: Die Gruppe wird nach dem Preis gebildet statt nach dem Material, und ein Kiessand für Tragschichten landet bei den Gemischen, obwohl er ein natürliches Produkt ist.
Ebene 3: Lieferkörnung
Die Lieferkörnung ist die Ebene, auf der das Werk produziert und der Kunde bestellt: 0/2, 2/8, 8/16, 16/32, 0/32. Sie entsteht beim Klassieren und trägt die Sieblinie, die die Güteüberwachung prüft. Der häufige Fehler: Schreibweisen wachsen wild, 16/32, 16-32, 16 bis 32, und die Software hält sie für drei Körnungen. Die Regel: eine Schreibweise, festgelegt vor dem ersten Eintrag, und ein Eintrag je Körnung.
Ebene 4: Güte und Zustand
Dieselbe Körnung gibt es in Varianten, die Preis und Verwendung ändern: gewaschen oder ungewaschen, mit Normbezug für Beton oder ohne, als Frostschutzkies mit nachgewiesener Frostbeständigkeit oder als Füllmaterial. Diese Ebene entscheidet, was auf dem Lieferschein steht und welches Prüfzeugnis dazugehört. Der häufige Fehler: Der Zustand wird in den Namen der Körnung geschrieben, „Kies 16/32 gew.“, statt als eigenes Merkmal, und eine Auswertung über alle 16/32 wird unmöglich.
Ebene 5: Verkaufsartikel mit Einheit und Preisgruppe
Der Verkaufsartikel ist, was auf Angebot, Lieferschein und Rechnung steht: eine Körnung in einer Güte mit einer Einheit, Tonne oder Kubikmeter, und einer Preisgruppe. Hier kommen Konditionen an: Werkspreis, Kundenpreis, Baustellenpreis, und TBRegio vererbt sie von der Gruppe über den Artikel zum Kunden, sodass ein Preis an einer Stelle gepflegt wird. Der häufige Fehler: Für jeden Kunden mit Sonderpreis entsteht ein eigener Artikel, und die Preisliste wird zum Kundenstamm. Was Feuchte und Schüttdichte für die abrechenbare Menge bedeuten, hängt an der Einheit dieser Ebene: Ein Artikel in Kubikmetern braucht einen Umrechnungsfaktor, der zu ihm gehört.
Ebene 6: Lagerort
Die oberste Ebene ist die Halde, das Silo oder die Box, an der der Radlader lädt. Jeder Verkaufsartikel hat einen oder mehrere Lagerorte, und jeder Lagerort hat einen Bestand. Diese Ebene ist die Verbindung zur Verladeanweisung und zur Bestandsführung: Wie Lagerbestände zwischen Halde, Verladung und Faktura konsistent bleiben, setzt voraus, dass jeder Abgang an der Waage einem Lagerort zugeordnet wird. Der häufige Fehler: Der Lagerort steht im Kopf des Radladerfahrers und nirgends im Stamm, und der Bestand wird je Artikel geführt, obwohl das Material auf zwei Halden liegt.
| Ebene | Angaben | Häufiger Fehler |
|---|---|---|
| Gestein und Herkunft | Lagerstätte, Gewinnung, Zukauf, Werk | Zukauf und eigene Gewinnung vermischt |
| Produktgruppe | Sand, Kies, Kiessand, Splitt, Gemische, Füllmaterial | Gruppe nach Preis statt nach Material |
| Lieferkörnung | Körnung mit Sieblinie, eine Schreibweise | Drei Schreibweisen für eine Körnung |
| Güte und Zustand | Gewaschen, Normbezug, Frostbeständigkeit, Prüfzeugnis | Zustand im Namen statt als Merkmal |
| Verkaufsartikel | Einheit, Preisgruppe, Umrechnungsfaktor, Konditionen mit Vererbung | Ein Artikel je Kunde mit Sonderpreis |
| Lagerort | Halde, Silo, Box mit Bestand | Lagerort nur im Kopf des Radladerfahrers |
Pflege und Verantwortung
Der Materialstamm hat einen Eigentümer, und das ist nicht der Waagendienst, der um sieben Uhr morgens einen Artikel anlegt, weil ein Kunde etwas bestellt hat, das es noch nicht gibt. Die Regel: Neue Einträge auf den Ebenen 1 bis 4 legt das Büro an, mit Rücksprache mit der Aufbereitung, die weiß, ob die Körnung wirklich entsteht. Verkaufsartikel und Preise gehören dem Vertrieb. Lagerorte gehören dem Werksleiter, der weiß, wo der Radlader lädt. Und die Waage legt nichts an, sie wählt aus. Bei der Einführung ohne Anhalten der Waage ist der Materialstamm die erste Aufgabe im Büro, und wer ihn in den sechs Ebenen aufbaut, statt die alte Artikelliste zu übernehmen, spart die Bereinigung, die sonst nach einem Jahr fällig wird.
Häufige Fragen zu Materialstammdaten im Kieswerk
Muss ein kleines Kieswerk alle sechs Ebenen führen?
Es muss sie kennen, nicht jede mit vielen Einträgen füllen. Eine Herkunft, drei Gruppen, sechs Körnungen, zwei Zustände, acht Verkaufsartikel, sechs Halden: Das ist ein kleiner Stamm, aber ein strukturierter. Der Unterschied zum flachen Stamm zeigt sich beim ersten Zukauf und beim ersten Kubikmeterkunden.
Wie werden alte Artikel bereinigt, ohne die Historie zu verlieren?
Alte Artikel werden den neuen Verkaufsartikeln zugeordnet und gesperrt, nicht gelöscht. Die Wiegungen der Vergangenheit behalten ihren alten Artikel, die Auswertung sieht über die Zuordnung beide zusammen, und die Waage bietet nur noch die neuen an.
Wohin gehört der Umrechnungsfaktor von Tonnen in Kubikmeter?
An den Verkaufsartikel in Kubikmetern, als eigener Wert je Artikel, nicht als Werkskonstante. Sand und Kies haben verschiedene Schüttdichten, und derselbe Sand hat nass eine andere als trocken. Der Faktor ist eine Vereinbarung mit dem Kunden, und die Software muss ihn so führen, dass er auf dem Lieferschein nachvollziehbar ist.
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